60 Prozent der Arbeitnehmer im Tourismus in Griechenland unversichert

29. April 2011 / Aufrufe: 615

Laut offiziellen Angaben arbeiten rund 60 Prozent der Beschäftigten in der Tourismusbranche in Griechenland arbeiten ohne Sozialversicherung.

In den Unternehmen des Hotel- und Gaststättengewerbes in Griechenland arbeiten drei von fünf Arbeitnehmern ohne Sozialversicherung. In der konkreten Wirtschaftsbranche konzentriert sich der höchste Anteil der sogenannten „Schwarzarbeit“, da 60% der Beschäftigten nicht sozialversichert werden und illegal und unter den schlimmsten Formen der flexiblen Beschäftigung arbeiten.

Laut einem Bericht der griechischen Tageszeitung To Vima zeigen die offiziellen Daten für das Jahr 2010, dass von insgesamt 550.000 Beschäftigten der Tourismusbranche in den Monaten Juni bis September 228.000 Personen bei dem Sozialversicherungsträger IKA versichert waren (davon 130.000 Personen in Betrieben des Gaststättengewerbes und 98.000 Personen in den Hotels).

Dieses Bild der Arbeitsbedingungen in der Tourismusbranche beschrieben bei einer Pressekonferenz die Vertreter des Panhellenischen Berufsverbands der Arbeitnehmer im Gaststättengewerbe und in der Touristik.

Die Gewerkschaftler sprachen von „Entlassungswellen, Kürzung der Bezüge, einseitigen und erpresserischen Änderungen der Arbeitsbedingungen und einem starken Anstieg der zwangsweisen Arbeitsplatzteilung“ – in einer Branche, die für das Jahr 2011 einen zweistelligen Anstieg (über 10%) der Touristenankünfte erwartet.

Sie beschuldigen die Hoteliers und Unternehmer der Branche, dass sie

  • Personal zu den Mindestlöhnen der GSEE und nicht des Branchentarifs einstellen,
  • die Arbeitsplatzteilung anwenden, während sie gleichzeitig von dem OAED für die Sozialabgaben subventioniert werden, was jedoch das konkrete Programm verbietet,
  • Arbeitslose unter 24 Jahren zu Lehrlingen „umtaufen“ die ihr Praktikum ableisten, um ihnen so nur 60% der Mindestlöhne des Manteltarifvertrags der GSEE zu zahlen,
  • die vollständige Deregulierung des Arbeitsmarktes und die ungezügelte Ausweitung jeder Form der flexiblen Beschäftigung verfolgen.

Wie die Gewerkschaftler anmerken, nehmen die Unternehmen der Branche gleichzeitig Programme zur Bezuschussung der Sozialabgaben in Anspruch und genießen unter anderem Vergünstigungen wie einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von 6,5% und die Ermäßigung der Fremdenabgabe von 2% auf 0,5% des Umsatzes.

Aus anderen Quellen wurde verlautbar, dass in Hotelbetrieben fallweise bis zu 100% der Beschäftigten als „Praktikanten“ beschäftigt werden oder auch systematisch Arbeitskräfte über längere Zeit überhaupt nicht bezahlt und dann entlassen werden, um anschließend neue Arbeitskräfte einzustellen und mit diesen das selbe Spiel zu treiben.

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