Untersuchung aller Verträge mit Daimler in Griechenland angeordnet

26. März 2010 / Aktualisiert: 09. Mai 2010 / Aufrufe: 436

Anlässlich der Aufdeckung des Bestechungs- und Schmiergeldskandals um den Daimler-Konzern wurde in Griechenland die Untersuchung aller direkt und indirekt mit Daimler abgeschlossenen Verträge angeordnet.

Nachdem öffentlich bekannt wurde, dass Daimler in wenigstens 22 Ländern (darunter auch Griechenland) Schmiergelder in Höhe von insgesamt vielen Millionen Dollar an staatliche Amtsträger und Funktionäre gezahlt hatte, um sich staatliche Aufträge zu sichern, ordnete die politische Führung des griechischen Ministeriums für Verkehrs- und Transportwesen die Untersuchung aller Belieferungen an, die in Griechenland entweder direkt durch den Fahrzeughersteller Daimler oder über Tochtergesellschaften des Konzerns erfolgt waren.

Wie in einem Bericht der griechischen Tageszeitung Ta Nea angeführt wird, ist Daimler in Griechenland hauptsächlich über Mercedes nicht nur auf dem Sektor der Luxusfahrzeuge für das Parlament und die Ministerien, sondern auch in Zusammenhang mit Militärfahrzeugen, Lastwagen, Kleinlastwagen, Fahrzeugen zur Personalbeförderung, Wagen der Müllabfuhr, Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen aktiv, für deren Beschaffung etliche sowohl staatliche als auch kommunale Ausschreibungen erfolgt waren, wie ebenfalls auch für die Reparatur und Wartung dieser Fahrzeuge auf Jahresbasis.

Speziell kaufte laut dem Bericht die griechische Staatsbahn (OSE) von der Daimler-Tochter ADtranz insgesamt 36 Diesellokomotiven. Die ersten 26 Maschinen wurden 1995 (Jahr des Vertragsabschlusses) gekauft und der OSE schrittweise bis 1998 übergeben. 1997 wurden jedoch im Rahmen der programmatischen Vereinbarungen des griechischen Ministeriums für Verkehrs- und Transportwesen von der ADtranz weitere 10 Dieselloks gekauft, die bis Ende 2003 zur Auslieferung kamen. Diese 10 Maschinen waren anfänglich – natürlich mit anderen Fahrgestellen – für das Schmalspurnetz auf der Peleponnes vorgesehen, im weiteren Verlauf wurde die Bestellung jedoch modifiziert, sodass auch diese Lokomotiven für die Normalspur ausgelegt wurden.

Funktionäre der OSE erinnern sich daran, dass diese nach Griechenland gelangten Dieselloks außerordentlich teuer waren, da sie pro Stück mit jeweils 4,5 – 5 Millionen Euro in Rechnung gestellt wurden, gegenüber einem Stückpreis von 3 Millionen Euro, zu dem sie in andere Länder geliefert worden waren. Seitens der OSE wurde dieser erhöhte Preis damals mit dem Umstand gerechtfertigt, dass die 36 nach Griechenland gelieferten Diesellokomotiven „besonderen Vorschriften“ entsprachen, welche dem Bahnunternehmen jederzeit den Umbau in Elektrolokomotiven ermöglichten.

Jedenfalls hatte mittels der programmatischen Vereinbarungen des Jahres 1997 die ADtranz entweder alleine oder zusammen mit anderen Gesellschaften auch weitere Aufträge in Griechenland erhalten. Diese Vereinbarungen, welche auf Beschlüssen der Vorstände der Verkehrsträger des Ministeriums für Verkehrs- und Transportwesen basierten, wiesen auch die Genehmigung des überparteilichen Ausschusses des griechischen Parlaments auf.

Eine dieser Vereinbarungen bezog sich auf die Belieferung des Unternehmens der elektrischen Stadtbahn Athen – Piräus (ISAP) mit 120 Zügen, mit einem Gesamtetat von 127,6 Millionen Euro, durch das Konsortium der Griechischen Werften, Siemens und ADtranz. Ebenfalls wird in dem Zeitungsartikel bemerkt, dass zu den Stammkunden der Daimler – Mercedes Benz auch das Athener Nahverkehrsunternehmen ETHEL (Tochtergesellschaft der Athener Verkehrsbetriebe OASA) zählt, dessen Fahrzeugpark etliche Mercedes-Busse umfasst.

Vertreter der Daimler in Griechenland verweigern jedenfalls Stellungsnahmen zu den Bestechungen in den 22 Ländern, zu denen auch Griechenland zählt.

Kommentare sind geschlossen