Pyramiden stürzen immer ein

14. April 2021 / Aufrufe: 792
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Finanzwirtschaftliche Pyramiden brechen unweigerlich unter Getöse zusammen.

Wo soll man mit seinem Geld hin, wenn die Guthabenzinsen bei Null und die Renditen der griechischen Anleihen bis 10 Jahre unter 1 % liegen? Manche raten zu ausgewählte Aktien. Wenn jedoch die Börsen sinken, werden die Wenigsten gerettet werden.

Charles Ponzi war ein italienischer Migrant, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts – wie er sagte – mit 2,5 Dollar in der Tasche und „1 Mio. Hoffnungen“ in den USA angelangte.

Die heutigen Börsenmärkte beherrscht die „Ponzi-Logik“

In jener Epoche war die Kartenspielerei auf einem Höhepunkt und Ponzi einer von jenen, die ihr Geld verloren. Auf der Suche nach Arbeit fand er sich in Kanada wieder, wo er für eine kanadische Bank arbeitete. Dort entdeckte er, dass die Bank hohe Zinssätze bot, weil sie neues Kapital anzog, und nicht aus Investitionen mit höheren Renditen. 1919 – 1920 gründete er in Boston seine eigene Firma und versprach jedem, der dieser für 45 Tage Geld lieh, Renditen von 45 %, und für 90 Tage von 100 %.

Er begann also, die ersten Investoren mit dem Resultat zu bezahlen, immer mehr neue Anleger anzuziehen. Das Schema brach zusammen, als die Zeitung „The Boston Globe“ darüber zu schreiben begann und enthüllte, was vor sich ging – mit dem Resultat, dass viele Investoren sich ihr Geld zurückzubekommen sputeten und die Pyramide zusammenbrach. Ponzi wanderte ins Gefängnis, die Investoren bekamen jedoch gerade einmal 5 von den 15 Mio. Dollar zurück, die sie gegeben hatten.

Es geht um die „Pyramide“ oder das – international so genannte – „Ponzi-Schema“. Manche ziehen es heran um die Börsenmärkte heute zu beschreiben, da sie glauben, dass die finanzwirtschaftliche „Ponzi-Logik“ vorherrscht. Einfach gesagt die spekulativen Aktienmärkte, die sich auf die Annahme verlassen, die Firmen werden in Zukunft eine magische Weise finden um das Loch zu stopfen, welches die Hysterese der geschätzten Zuflüsse gegenüber ihren Verbindlichkeiten schafft.

In einem solchen Schema können der Anstieg der langfristigen Zinssätze und der Rückgang der Firmengewinne einen Krach verursachen. Speziell, wenn dies für einen großen Zeitraum geschieht und jene, die à la Ponzi investieren, kontinuierlich Boden gewinnen.

Pyramiden brechen immer mit Getöse zusammen

Damit heute jemand sein Geld vermehrt, wird er ein großes Risiko einzugehen haben. Lässt er es auf der Bank, wird der Zinssatz fast Null betragen. Platziert er es in Schatzbriefen der Länder der Eurozone oder Anleihen, wird dieser negativ beziehungsweise von negativ bis leicht positiv sein. Er kann auch im Ökosystem der Kryptowährungen spekulieren, die grundsätzliche Wahl sind jedoch gewöhnlich die Aktien.

Die Unterschiede auf Ebene von Firmen und Börsenmärkten sind allerdings nicht gering. Dort nähert der allgemeine Index der Athener Börse sich dem Notierungs-Peak der 942 Punkte im Januar 2020, also vor der Pandemie des Coronavirus SARS-CoV-2, ist aber noch davon entfernt. Der paneuropäische Index Stoxx-600 kehrte dagegen in der vergangenen Woche auf die Niveaus zurück, auf denen er sich vor der Pandemie befand. Der amerikanische Index S&P 500 wiederum war etliche Monate früher vorausgegangen. Das selbe gilt auch, wenn die High-Tech-Internetplattformen des FANG-Indexes – wie beispielsweise Facebook, Apple – von dem amerikanischen Index ausgeklammert werden.

Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Hyman Minsky, dessen Theorien bezüglich der finanzwirtschaftlichen Krisen jahrzehntelang in Vergessenheit geraten waren, mit der Krise des Jahres 2008 aber wieder in den Vordergrund zurückkehrten, würde bei der heutigen Situation auf den (Finanz-) Märkten erschrecken. Und dies, weil sie direkt auf den „Minsky-Moment“, also den Zeitpunkt verweist, wo nach einer ausgedehnten Periode spekulativer Aktivität die Änderung der Psychologie zum Zusammenbruch des Markts führt. Der Grund ist die Übernahme eines großen Risikos seitens der an den Märkten Beteiligten. Für Minsky ermuntert die Stabilität das Eingehen eines größeren Risikos mit dem Resultat, eine Instabilität zu verursachen.

Die Wahrheit ist, dass die Bullen des Markts in dieser Phase unaufhaltbar zu sein scheinen und alle, die gegen den Strom ruderten, in den vergangenen Monaten und Jahren verloren. Die Pyramiden brechen jedoch immer mit Getöse zusammen. Wir wissen einfach nur nicht, wann.

(Quelle: euro2day.gr)

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