Griechenlands Staat überrundet Banken

19. April 2021 / Aufrufe: 1.200

Griechenlands Banken beharren immer noch auf Bergen an Papierkram anstatt sich die digitale Revolution zunutze zu machen.

Jahrzehntelang waren die griechischen Banken bei der Bedienung der Leute dem Staat weit voraus. Heute sind die Gegebenheiten umgekehrt worden. Griechenlands Staat ist bei etlichen elektronischen Services voraus. Wenn die Banken sich nicht schnellstens angleichen, werden sie es teuer bezahlen.

Griechenlands Banken waren in der Bedienung ihrer Kunden einmal Pioniere, während der Staat seine Bürger strapazierte. Heute haben die Rollen sich bei einer Reihe elektronischer Dienste umgekehrt, wobei der Staat voranprescht und die Kreditinstitute nachhinken.

Griechenlands Staat überholte die Banken

Die Banken sind in das Problem der „roten“ Kredite vertieft, das regulär vor etlichen Jahren zu lösen gewesen wäre und nicht kriechen sollte. Somit laufen die Banken in Gefahr, das Spiel dort zu verlieren, wo es zählt (also beim Erlebnis ihrer Kunden), da sie sich mir der Reduzierung der problematischen Kredite mittels Herakles I & II, Kapitalerhöhungen usw. beschäftigen. Die Worte des mittelständischen Unternehmers aus seiner Erfahrung mit den großen griechischen Banken sagen alles. „Wir machen jedes Jahr eine Kooperationserneuerung mit den Banken und jedes Mal verlangen sie einen Stapel an Unterlagen von uns. Du schickst sie ihnen elektronisch, sie beharren jedoch auf den originalen Unterlagen„, betont er, dabei jedenfalls anmerkend, eins der 4 großen Kreditinstitute sei den anderen voraus.

Natürlich ist das nicht das einzige Bankgeschäft, für das die Banken verlangen, ihnen die originalen Schriftstücke mit den Stempeln und Unterschriften persönlich zu bringen. „Du erteilst an eine Bank per Internet einen Auftrag und schickst ihnen die elektronische Signatur oder das eingescannte Formular zu. Und doch akzeptieren sie die nicht. Sie wollen Papierkram„, fügte der selbe Unternehmer an.

Es hat – speziell inmitten einer Pandemie – keine Logik, sich zur Bank begeben zu müssen, damit der Geschäftsvorgang vollendet wird. „Du willst das Limit bei einem Kreditkonto erneuern oder einen Kredit anpassen. Sie machen das nicht, wenn sie keine Auftragsbescheinigung mit Unterschrift und Stempel bekommen“, berichtet ein anderer Unternehmer. Für den Zinszuschuss für Kredite des 2. Quartals für alle betroffenen Firmen auf Basis des Aktivitäts-Codes ohne Umsatzkriterium verlangten die Banken ein Papier von den im Notbetrieb arbeitenden Amtsgerichten, ergänzte er.

Das Bankwesen ist notwendig, die Banken sind es nicht

Auf die einleuchtende Frage, warum all dies geschieht und die Leute mit dem Resultat strapaziert werden, dass die Banken einen Teil ihrer Kundschaft zu verlieren in Gefahr laufen, lautet die gewöhnlichste Antwortet, ihre Rechtsabteilungen haben es auferlegt.

Gegen Mitte des Jahrzehnts 1990 hatte Bill Gates gesagt, „das Bankwesen ist notwendig, die Banken sind es nicht„. Mehr als zwei Jahrzehnte später fahren die Banken zu existieren und in Betrieb zu sein fort, werden aber zumindest auf dem Zahlungssektor immer mehr von nicht finanzwirtschaftlichen Gesellschaften wie Amazon usw. bedroht. Um am Leben zu bleiben, haben die Banken die digitale Revolution zu nutzen, ihre Kultur zu ändern und ihre Rolle mit dem Kundenerlebnis als Kriterium wiederherzustellen.

Dies ist die gemeinsame Resultante der Erklärungen, die Bankiers wie David Gledhill, Group Chief Information Officer der asiatischen DBS, „der besten digitalen Bank der Welt“ gemacht haben. Wenn die griechischen Banken es nicht rechtzeitig begreifen, werden sie Kundschaft und danach ihren Existenzgrund verlieren.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. HJM
    22. April 2021, 18:36 | #1

    Schön, daß dies mal ausgesprochen bzw. geschrieben wird. Jeder Besuch in einer griechischen Bank ist eine Qual. Hier noch ein Dokument, dort noch eine Unterschrift … . Pro Kunden muß man zwischen mindestens 5 min und gern auch mal 20 min Wartezeit einkalkulieren. Heißt 1/2 oder sogar 1 Stunde Wartezeit, falls zB 5 Personen „vor einem“ sind. Uff!

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