Griechenlands Bürokratie lebt und regiert

19. Februar 2021 / Aktualisiert: 19. Februar 2021 / Aufrufe: 991

Um in Griechenland auch nur den Ast eines Baums abzusägen, ist eine bürokratische Odyssee zu bewältigen.

Trotz des Umstands, dass der Kalender das Jahr 2021 zeigt, lebt und regiert in Griechenland die Bürokratie. Und wenn dies keine ernsthaften Auswirkungen auf die Lebensqualität der Griechen hätte, wäre es einfach nur zum Lachen.

Das Unwetter „Medea“ brachte erneut das große Thema der Abwälzung von Verantwortungen von Dienststelle zu Dienststelle an die Oberfläche – diesmal dafür, dass drei Tage lang und bei Polartemperaturen tausende Haushalte in Dunkelheit versanken.

Medea brachte wieder das bürokratische Chaos an die Oberfläche

Die problematische Situation, der es in Griechenland sogar für sehr simple Verfahren zu begegnen gilt, wenn öffentliche Träger involviert sind, sind bekannt. Die Umstände des Unwetters Medea bringen das wüste Durcheinander der Abläufe an die Oberfläche, welche alle Bürger hinter sich zu bringen gehabt hätten, die selbst nur einen Ast von einem Baum absägen wollten.

Aufzeigend sei angeführt, dass die Reihenfolge der „Belästigungen“ an die Behörden sich folgendermaßen darstellt: Erster Anruf bei der Polizei, danach bei der Gemeinde, danach bei der DEI, anschließend beim DEDDIE und zum Schluss beim Forstamt. Wird besagter Baum gar zu fällen gewünscht, wird dann das Forstamt einen Sonderausschuss bilden, der darüber befinden wird, ob er dem zustimmt.

Wehe dem Bürgermeister, der einen Baum ohne Genehmigung zu fällen wagen wird. Es folgt ein Schnellgerichtsverfahren!

Griechenland hätte Unwetterschäden beschränken können

Es existierte ein Weg, die von dem Unwetter „Medea“ verursachten Schäden zu beschränken. Auf Basis des uns bisher Bekannten wurden die meisten aufgetretenen Stromausfälle durch 800 Äste von Bäumen verursacht, die zu beschneiden gewesen wären. Keine Bäume. Äste.

Die Verantwortungen der Träger werden – wie gewöhnlich – zum Spielball hauptsächlich zwischen DEDDIE und Bezirksverwaltung. Obwohl der DEDDIE einen „Persilschein“ von dem Forstamt hat, wann immer nötig zu einer Beschneidung zu schreiten, ist jedenfalls wegen des großen Ausmaßes des (Stromversorgungs-) Netzes dennoch notwendig, dass es eine Kooperation zu seiner Informierung gibt.

Kurz gesagt trägt zwar der DEDDEI die Verantwortung, damit er das Netz in einem von Wetter- und sonstigen Phänomenen unbehinderten Zustand hält, jedoch bedarf es der absoluten Kooperation mit den Gemeinden und der Bezirksverwaltung, was im Fall Attikas als verlorenes Spiel beurteilt wird.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass einschlägigen Berichten zufolge bis zum Abend des 18 Februar 2021 allein – jedoch nicht nur – in Attika trotz geradezu übermenschlicher Anstrengungen der Reparaturkolonnen immer noch tausende Haushalte ohne Strom, Wasser und Heizung waren.

(Quellen: dikaiologitika.gr, Medienberichte)

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