Freundschaften können den Unterschied machen

2. Dezember 2020 / Aufrufe: 690

Die Geschichte zeigt, dass in Beziehungen zwischen den Staaten nicht nur Interessen, sondern auch persönliche Freundschaften eine Rolle spielen können.

Die Beziehungen zwischen den Staaten werden in einem großen Grad von den Interessen bestimmt. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenfalls eine Rolle spielen. Von Andreas und Melina bis Trump, Erdogan, Merkel und Biden.

Wir pflegen zu sagen, in den zwischenstaatlichen Beziehung existieren keine Freundschaften, sondern Interessen. Das ist richtig. Es gibt jedoch Momente, wo die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Politikern verschiedener Länder zur Lösung von Themen beitragen können, die entweder einen großen Zeitraum beanspruchen oder nie gelöst werden könnten.

Persönliche Freundschaften sind kein Privileg griechischer Politiker

Vor einigen Jahrzehnten, als in Griechenland Andreas Papandreou Premierminister war, öffnete sich bei einem Treffen, das er im Büro eines Ministers in Gegenwart eines Leiters einer großen Bank hatte, die Tür und Melina trat ohne anzuklopfen ein. Die Anwesenden diskutierten über ein Thema, das die Kultur, Griechenland und Frankreich betraf. Melina bot zu helfen an. Sie verlangte also von der Sekretärin des Ministers, das Sekretariat des damaligen französischen Präsidenten Francois Mitterrand anzurufen. Wie es auch geschah. Für die kommenden 15 Minuten unterhielt Melina sich mit – wie sie ihn nannte – Francois über Gott und die Welt, bis sie ihm an einer Stelle über das Thema berichtete. Das Ergebnis war, dass das Problem innerhalb des selben Tags mit Intervention des damaligen französischen Präsidenten gelöst wurde.

Es ist eine Geschichte, die uns mitgeteilt wurde und zeigt, was eine starke Freundschaft zu bewirken vermag. Noch weiter zurück gehend, gibt es in der griechischen Geschichte viele solche Beispiele. Das gute Verhältnis des Eleftherios Venizelos zu dem britischen Premierminister Lloyd George oder des Konstantinos Karamanlis zu Giscarde d’Estaing oder des Kostas Simitis zu Schröder oder des Konstantinos Mitsotakis zu Genscher.

Natürlich sind die zwischenmenschlichen Freundschaften nicht nur ausschließliches Privileg griechischer Politiker. „Als ich den Präsidenten Trump sich mit Erdogan treffen sah, verstand ich, dass sie ein unterschiedliches (warmes) Verhältnis hatten„, betonte neulich ein Amtsträger des Weißen Hauses in jener Periode. Selbiger war in der Gruppe, die den damaligen griechischen Premierminister Alexis Tsipras auf dem Militärflugplatz Andrews empfingen, aber es war nicht das selbe, als er sich mit Trump traf.

Mittlerweile erkennen alle an, dass der abtretende Präsident Trump eine entscheidende Rolle in der Nicht-Verhängung der von dem Kongress wegen der russischen Raketen S-400 gewollten Sanktionen gegen die Türkei spielte. Trump unternahm ebenfalls alles ihm Mögliche, damit die Angelegenheit mit der türkischen staatlichen Bank „Halkbank“ nicht voranschritt, die wegen Verletzung des Embargos gegen den Iran beschuldigt wird, in welche die Söhne des Präsidenten verwickelt sein sollen.

Biden-opoulos hat kein besonderes Verhältnis zu Erdogan

Andererseits hat der neugewählte Präsident Joe Biden keinerlei besonderes Verhältnis zu Tayyip Erdogan, aber zu namhaften Mitgliedern der griechisch-amerikanischen Community. Es ist bekannt, dass er sich bei einer Veranstaltung selbst Biden-opoulos nannte.

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Präsident der USA nicht allem voran die Interessen seines Landes sehen wird. Die zwischenmenschlichen Beziehungen können jedoch eine entscheidende Rolle für die günstige Lösung diverser Griechenland interessierender Themen spielen. Sicherlich stehen die Interessen über allem. Die viele Jahre haltenden Freundschaften können jedoch ebenfalls nützlich erscheinen. Deswegen sind sie sowohl auf persönlicher als auch auf zwischenstaatlicher Ebene zu kultivieren.

Wissen Sie beispielsweise, welche Geschenke – z. B. teure Teppiche – die Türkei den ausländischen Diplomaten gibt, wenn sie das Land verlassen, damit sie gute Erinnerungen haben, und welche Griechenland? Was wir sagen wollen, ist, dass die menschlichen Beziehungen, selbst auch auf Ebene von Politikern, sich einem kleinen Land wie Griechenland als nützlich erweisen können. Zumindest, wenn es sie natürlich zu seinem Vorteil nutzen will.

Griechenland hat solche Beispiele nicht gezeigt. Wie viele Amtsträger des Mittleren Ostens und Afrikas haben vor Jahren die Militärakademien Evelpidon, Ikaron usw. absolviert, sprechen Griechisch, wollen Beziehungen zu Griechenland haben und haben heute hochrangige Positionen in den Streitkräften und Regierungen ihrer Länder inne? Die Antwort lautet „Viele“. Was hat Griechenland getan, um sie in ihren Ländern als seine Botschafter zu nutzen? Nichts oder fast nichts. So kommen wir jedoch nicht voran. Die Freundschaften können tatsächlich den Unterschied machen. Daran sollten die herrschenden Kreise sich erinnern.

(Quelle: euro2day.gr)

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