US-Wahlen, Griechenland und die Türkei

4. November 2020 / Aufrufe: 627

Für Griechenland sind die amerikanischen Wahlen wegen der Türkei von geopolitischem Interesse, die Welt, Epochen und Dogmen ändern sich jedoch.

Am 21 September des Jahres 1991 beschloss der damalige Präsident George H. W. Busch, die B-52-Bomber aus Nordeuropa abzuziehen. Die Bomber waren dort in Erwartung des sowjetischen Angriffs stationiert worden, der jedoch nie kam.

Er tat dies nach dem Fall der Berliner Mauser, jedoch ein Jahr vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Es war ein Beschluss, der in jener Zeit in den Kreisen des Pentagons Proteste hervorrief, sich im Nachhinein jedoch als richtig erwies.

Warum die USA „ihre kurdischen Verbündeten verrieten“

Es ist eins der Beispiele, die zitiert werden um zu zeigen, dass es selbst für erfahrene Menschen, die mit einer Epoche identifiziert wurden, schwer zu akzeptieren ist, dass sie in die Geschichte einging. Generationen von Militärs, Diplomaten und Anderer verbrachten ihr Leben damit, während der Dauer des Kalten Kriegs den Sowjets zu begegnen. Für all diese war die NATO die Basis des Gebäudes und der Abzug der B-52 kam einem „Verrat an Europa“ gleich.

Seit dem 09/11 des Jahres 2001 bis heute durchliefen andere Generation von Militärs ihre Karrieren, im Mittleren Osten und an anderen Orten dienend und extremistische Organisation bekämpfend. Für die Kämpfer des Langen Kriegs (Long War) war es schwer zu akzeptieren, dass diese Periode endete und eine neue begann, mit China als „Ehrfurchts-Gegner“ und Russland, Iran, Nordkorea und manchen Anderen danach kommend.

Zentraler Punkt in der Neubewertung der amerikanischen Strategie im Mittleren Osten ist die Vermeidung der bewaffneten Zusammenstöße. Dies bedeutet eine Art einer Regulierung der Beziehung zu der Türkei. Das erklärt den Abzug der amerikanischen Kräfte aus dem Nordosten Syriens, bevor die Türken einmarschierten, was Etliche im Pentagon als „Verrat an ihren kurdischen Alliierten“ betrachteten.

Hauptwidersacher der USA ist derzeit China

Warum wir all dies anführen? Um zu zeigen, dass das, was zählt, die geopolitischen Interessen der USA in einer Welt sind, wo ihre Hauptwidersacher nunmehr China und sekundär Russland und nicht Al-Qaida und ISIS sind. In einer solchen Welt hat die Wahl eines Präsidenten und Senats in den USA eine große Bedeutung, wird jedoch – wer auch immer an die Macht kommt – nicht die strategischen Pläne ändern. Und diese umfassen die Türkei, nicht aus Liebe, sondern aus Notwendigkeit.

Natürlich wird eingeschätzt, dass der „Internationalist“ Joe Biden und der „Nationalist“ Trump im Fall einer „heißen Episode“ zwischen Griechenland und der Türkei in der Nordägäis eine jeweils andere Haltung bewahren würde. Ein von den Demokraten gewählter Senat würde höchstwahrscheinlich die gegen die Türkei wegen des Kaufs des russischen Raketensystems S-400 vorgesehenen Sanktionen aktivieren. Das ist zwar signifikant, vermag jedoch nicht die Bedeutung der Türkei in der geopolitischen Planung der USA zu überwiegen. Die USA brauchen die Türkei, jedoch braucht letztere auch die USA.

(Quelle: euro2day.gr)

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