Griechenland untergräbt seine Zukunft

23. November 2020 / Aufrufe: 1.145

Verschuldung und Geburtenrückgang unterminieren Griechenlands zukünftiges Wachstums und die Perspektiven des Landes.

Selbst wenn es uns nicht gefällt, werden wir der Realität ins Auge zu schauen und die Dinge bei ihrem Namen zu nennen haben. Speziell (auch) Griechenland wird die hohe, nicht produktive Verschuldung und den Geburtenrückgang sehr teuer bezahlen.

David Hume, der große Philosoph der Aufklärung, hatte in Zusammenhang mit der Verschuldung erklärt, wenn ein Staat seine Zukunft verpfände, fällt er zwangsweise in einen Zustand von Ruhe, Ohnmacht und Unfähigkeit.

Die heutige Epoche ist von Paradoxen charakterisiert

Auf den vorstehenden Ausspruch von Hume berufen sich manche der modernen Fiskal-Falken, die vertreten, die Überverschuldung habe der Wirtschaft unermesslichen Schaden zugefügt. Und würde Hume in unserer heutigen Zeit leben, würde er viele Dinge nicht verstehen, weil unsere Epoche von Paradoxen charakterisiert ist. Die große – mit dem Anstieg des Angebots von Anleihen verbundene – Aufblähung der Verschuldung hätte nämlich gemäß der traditionellen Wirtschaftstheorie zu einem Anstieg von Zinsen und Inflation führen müssen.

In unserer Epoche geschieht jedoch genau das Gegenteil. Heutzutage führt die Aufblähung der Verschuldung zu niedrigeren Zinsen und einer niedrigeren Inflation bzw. Deflation. Die niedrigen Zinsen ermutigen die weitere Verschuldung von Haushalten, Unternehmen und Staaten anstatt der Senkung der Ausgaben, Verflüssigung von Vermögenswerten und „Enthebelung“. Das Ergebnis? Von Griechenland bis hin zu den USA und Asien ist die Verschuldung als Prozentsatz des BIP gestiegen anstatt seit der großen Rezession der Periode 2008 – 2009 bis heute gesenkt zu werden.

Die Kapitalmärkte, Märkte und andere beobachten es, sind jedoch bis auf weiteres nicht gestört, dabei zu glauben zeigend, überschuldeten Ländern und Unternehmen weitere Verschuldung hinzuzufügen werde kein Problem schaffen. Vielleicht, weil sie hoffen, der Impfstoff gegen Covid-19, der Aufschwungs-Fonds der EU (siehe z. B. Griechenland) und andere Faktoren werden in Kombination mit der großen in Umlauf befindlichen Liquidität Öl in das Feuer des Wachstum gießen.

Jedoch hat die hohe Verschuldung seit 1999 bis heute zu einer Minderung des Wachstumsrhythmus der „wirtschaftlich entwickelten“ Länder, da in auf das BIP bezogenen Termini die Produktivität der Verschuldung gesunken ist. Ein (1) Euro an Verschuldung produzierte in der Eurozone im Jahr 1999 zusätzliches BIP der Größenordnung von 0,51 Euro, gegenüber 0,38 im Jahr 2019. Entsprechend sind laut der „Bank for International Settlements“ (BIS) auch die Zahlen in den USA, mit jeweils 0,53 und 0,40 Dollar.

Verschuldung und Demographie untergraben Griechenlands Perspektiven

Die Reaktion der Zentralbanken auf den Rückgang der Produktivität der Verschuldung waren noch niedrigere Zinssätze und die Programme „Quantitativer Lockerung“ (QE). Letztere (QE) reduzierten das Angebot der Anleihen mit niedrigem Risiko und stimulierten die Preise der Aktien und Gewerbe-Immobilien. Sie ermutigten also die Platzierung von (noch) mehr Geldern in Werten mit einem größeren Risiko, wovon die – den Löwenanteil inne habenden – Reichsten profitierten, dabei die Ungleichheiten ausweitend. Ebenfalls erhielten die sehr niedrigen Zinssätze die sogenannten „Zombie-Firmen“ am Leben, indem sie Aktienrückkäufe, Fusionen und Aufkäufe bei hohen preislichen Bewertungen, größere soziale Transfers seitens der Regierungen usw. ermutigten.

Die Pandemie des neuen Coronavirus Covid-19 hat Bedürfnisse geschaffen und die staatlichen Defizite erhöht, dabei zu einem Anstieg der Verschuldung zum BIP – z. B. in Griechenland in diesem Jahr auf über 200 % – führend. Gleichzeitig gibt es einen Rückgang der Investitionen. Anders gesagt ändert die Konsistenz der Verschuldung sich noch mehr zugunsten der unproduktiven, also jener Verschuldung, die keine zukünftigen Einnahmen schafft.

Das ist nichts Neues. Im Fall Griechenlands setzt es sich bereits über mehr als ein Jahrzehnt fort. Weiter kommt das demographische Thema in die Gleichung. Wenn es einem Haushalt wirtschaftlich nicht gut geht, sind die Wahrscheinlichkeiten geringer, mehr Kinder zu machen. Die Stagnation und – noch schlimmer – die Schrumpfung der Bevölkerung übersetzt sich allerdings in niedrigen Rhythmen einer wirtschaftlicher Erholung.

Leider erlebt speziell Griechenland einen großen Anstieg der nicht produktiven Verschuldung und des Geburtenrückgangs. Dies ist eine Kombination, die den zukünftigen Wachstumsrhythmus des Landes und seine Perspektiven unterminiert. Das sollten wir zur Kenntnis nehmen …

(Quelle: euro2day.gr)

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