Türkei droht Griechenland in Krieg zu zwingen

8. September 2020 / Aufrufe: 1.910
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Laut einem Berater Erdogans wird die Türkei bald einige griechische Flugzeuge abschießen und in einen Krieg mit Griechenland treten.

Professor Dr. Mesut Hakkı Caşın, Berater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für außenpolitische Themen und der selbe, der neulich die Griechen als „Zwerge“ und Griechenland „ein des Hungers sterbendes Land“ titulierte, provoziert ein weiteres Mal.

Seine Erklärungen bewegen sich im selben Rahmen der von Erdogan kultivierten verbalen Eskalation und gliedern sich offensichtlich in die „psychologischen Operationen“ Ankaras ein, das ein weiteres Mal unverblümt mit Krieg droht, während es – angeblich – einen Dialog zwischen den beiden Ländern anstrebt.

Türkei droht Frankreich, ihm „die Leber aufzuschlitzen“

Tayyip Erdogans Berater Casin griff verbal Griechenland und Frankreich an und drohte, die Türkei werde letzterem „die Leber aufschlitzen„, den im östlichen Mittelmeer angelangenden Flugzeugträger Charles de Gaulle versenkend.

Griechenland schickt, ohne Erdgas gefunden zu haben und während es selbst über keinen Flugzeugträger verfügt, den französischen Flugzeugträger gegen die Türkei hierher. Es greift uns mit dem Pferd eines anderen an. Dieses Pferd wird erschossen werden und sterben. Das ist das Erste. Zweitens ist die Türkei, wie unser Freund vor kurzem sagte, kein Staat ohne Stimme. Unser geliebter Präsident erklärte, wir beißen weder dem Recht eines Anderen etwas ab noch lassen wir zu, unser Recht zu schlucken.

Wenn es da draußen jemanden gibt, der unsere Rechte verletzt, wird die türkische Nation ihm die Leber aufschlitzen. Es existiert ein sehr großes Heer, das achte Heer der Welt. Das dritte der NATO. Wer traut sich, uns in der Ägäis und im Mittelmeer mit Tricks zu kommen?„, erklärte Casin provokativ, Griechenland an die Kleinasien-Katastrophe des Jahres 1922 erinnernd, und dass die türkische Luftwaffe „bald fünf oder sechs griechische Flugzeuge abschießen werden wird„.

Griechenland soll in Krieg mit Türkei gezwungen werden

Der Berater Casin des türkischen Präsidenten Erdogan für Verteidigungs- und außenpolitische Themen fuhr fort uns sagte:

Will Griechenland vielleicht wirklich unsere Faust zu schmecken bekommen? Die Griechen haben das immer noch nicht kapiert. Seht, der 09 September (Jahrestag, an dem die türkischen Kräfte 1922 Smyrna von den griechischen einnahmen) nähert sich. Bei Eurer Flucht tötete Ihr Euch damals zum Meer rennend gegenseitig.

Nun reicht es. Es ist genug! Unsere Piloten werden bald fünf oder sechs der griechischen Flugzeuge abschießen und wir werden in einen Krieg treten. Diese Nation kann auf keinerlei Weise so viel Druck hinnehmen. Die Türkei ist keine Nation, die man auf die Probe stellen darf. Die Bajonette der türkischen Soldaten sind in ihrer Position und bereit. In der Vergangenheit bereiteten wir dem Feind sogar auch ohne Kugeln mit unseren Bajonetten den Garaus. Also los, wir warten hier.

Schaut, ich bin Professor bei den Streitkräften. Und wenn es einen griechischen Piloten gibt, der uns zu schlagen vermag, werde ich diesem Piloten mitten in seinen Kopf schießen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Kleoni
    8. September 2020, 09:50 | #1

    so etwas nennt man psychologische Kriegsführung eines Grossmauls, der mit dem Rücken zur Wand steht.

  2. GR-Block
    8. September 2020, 23:18 | #2

    Erdogan riskiert aus wahltaktischen Gründen die Einheit des Vielvölkerstaates TR. Seine Partei hat sich in der Wirtschafts- und anschließenden Coronakrise selbst zerlegt. Zwei entstandene Splitterparteien nehmen nach und nach ihre Wähler mit. Die Opposition ist inzwischen vorne dran. Er braucht dringend einen Erfolg.
    Zunächst versuchte er innertürkisch fiktive Feinde zu besiegen: Gülen, kritische Armeeoffiziere … . Das hat aber die nationale Spaltung überhaupt erst verschärft, denn junge Offiziere und pro-militaristische Nationalisten waren entsetzt.
    Danach wollte Arkadas Erdogan einen außenpolitischen Krieg gewinnen, aber die Kurdenverfolgung in Syrien ging schief. Er hatte sich mit seinen militärischen Aktionen mit den involvierten Großmächten angelegt.
    Da kommt das kleine GR mit seinen kaum schützbaren Grenzen gerade recht. Zuerst schickt er die Flüchtlinge, dann seine Bohrschiffe, jetzt seine Kriegsschiffe. Natürlich alles mit vorheriger übertrieben großspuriger Ankündigung, um bei seinen Wählern Eindruck zu schinden. Und, damit die NATO-Partner wie üblich zur Deeskalation mahnen anstatt sich eindeutig zu positionieren. Erdogan war schlau, er provozierte zuerst das noch kleinere Zypern – quasi als Probebohrung -, dann erst bohrte er den europäischen Festlandsockel an. Genau das aber scheint Erdogan nun zu entgleiten, denn anders als die abgetakelte Merkel hat es auch Macron nötig, wegen der Gelbjacken. Seit drei Jahren fallen seine Kurse und in 18 Monaten will er wiedergewählt werden. Da muss er also was tun.

    Falls es zum großen Knall innerhalb der NATO kommt und alle die Türkei schwer beschuldigen, wird sich dann zeigen, dass ein nicht unwesentlicher Teil der bildungsfernen Türken sich mit nunmehr geschwächter Militärführung unsicher – um nicht zu sagen geradezu panisch- fühlt und gegen Erdogan reagieren könnte, dass ein nicht unwesentlicher Teil der kultivierten türkischen Bildungselite pro-griechisch eingestellt ist und den Kriegstreiber verurteilt, dass ein nicht unwesentlicher Teil der kurdischen Ureinwohner kein Interesse mehr an osmanischen Eroberungszügen hat, wenn er dabei wieder als muslimisches Kanonenfutter herhalten soll.

    Vor 100 Jahren mussten die Kurden schonmal die Drecksarbeit erledigen, als sie die anderen Ureinwohner Kleinasiens – sprich Armenier und Griechen – zu hunderttausenden abschlachten durften, um sich als „wahre Türken“ zu beweisen und so von Mustafa Kemal akzeptiert zu werden. Kurz danach erklärte er jedoch, sie seinen doch keine „Öztürk“, und auch deren Verfolgung begann. In unserer Zeit wiederum sind Kurden und Griechen gemeinsam dran.

    Wer soll also jetzt die Drecksarbeit machen? Die „wahren Türken“? Nein, die sind eine Minderheit im Vielvölkerstaat und stützten in der Vergangenheit ihre Macht ausschließlich auf ein starkes Militär, doch nun …? Jetzt müssen Erdogan selbst die Proleten und Professor Caşın die junge Elite aktivieren. Mal sehen, ob es klappt.

  3. Der alte Österreicher
    15. September 2020, 23:45 | #3

    @GR-Block
    Bravo, kurz, knackig auf den Punkt, mit einem Hauch Optimismus! Da fällt mir nur noch ein Zitat ein, das mich leicht schaudern lässt: „Wir (gemeint sind die „türkischen Muslime“) springen auf den demokratischen Zug auf, bis wir unser Ziel erreicht haben!„, formulierte ein ehemaliger „Muslimbruder“ seine Vision in Istanbul. Der „Muslimbruder“ war Erdowan, bervor er als Bürgermeister von Istanbul begann, „seine Vision“ zu formulieren und umzusetzen.

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