Kommunikation zwischen NRO und türkischen Schleppern

30. September 2020 / Aufrufe: 754
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Im Rahmen der Ermittlungen Griechenlands gegen Mitglieder vier konkreter NRO wurde die Kommunikation mit türkischen Schleusern illegaler Migranten aufgezeichnet.

Der Tag schickte sich sanft zu grauen an … . Das Boot mit den Migranten kämpfte, sich auf der Wasseroberfläche zu halten. Sie hatten seit Stunden die Küste der Türkei hinter sich gelassen und schipperten zur Insel Lesbos in Griechenland. „Dort wird man Euch erwarten„, hatte ihnen der Schleuser gesagt.

Hamza aus Syrien umklammerte ein Mobiltelefon und wartete auf den geeigneten Moment, um die gespeicherte Nummer anzurufen, die man ihm gegeben hatten. Als er anrief, antwortete ihm eine Männerstimme. „Noch nicht, Du bist in der Türkei, Du brauchst noch etwas„, wurde ihm beschieden und das Gespräch beendet.

NRO-Mitglieder dirigierten illegale Passagen aus der Türkei nach Lesbos

Zwanzig Minuten später schickte der junge Mann eine Mitteilung und fragte: „Wo sind wir jetzt? Erreichten wir Griechenland?“ Es folgten einige Sekunden des Schweigens und die aus einem Zimmer irgendwo in Mitteleuropa abgeschickte Nachricht lautete: „Ja, Ihr seid in griechischen Gewässern.“ Die Verbindung wurde abgebrochen und der junge Hamza rief die „112“, also die Nummer des Euronotrufs an, damit seine Position geortet wird und ihnen die griechische Küstenwacht zur Hilfe eilt. Das Boot hätte nicht mehr lange ausgehalten.

Dieses und einige andere auf offenem Meer entweder zum griechischen Festland oder in diverse europäische Länder erfolgte Telefonate waren eins der „Enden des Fadens“, das die Kräfte von sechs Dienststellen zu fassen bekamen, und sie arbeiteten, bis sie den astinomiko.gr vorliegenden Informationen zufolge für 33 NRO-Mitglieder und 2 weitere Ausländer ein Verfahren einleiteten.

Während man erwartet hätte, die Schleuser würden ihre eigenen Leute auf Lesbos haben, kommunizierten die Flüchtlinge und Migranten mittels Internetanwendungen mit Mitgliedern der vier NRO, die in einer europäischen Hauptstadt waren und zu sehen vermochten, ob das sie befördernde Boot sich in griechischen Gewässern befand. Im weiteren Verlauf riefen sie die ‚112‘ an und erklärten, sich in Gefahr zu befinden. Wir waren verpflichtet, eine Rettungsaktion zu starten„, sagt einer der Bediensteten der griechischen Verfolgungsbehörden, die an der Operation beteiligt waren.

Illegale Migranten wurden gezielt nach Griechenland gelenkt

Die Überraschungen in der Sache, die mehr als vier Monate dauerte und an der ungefähr fünfzig Bedienstete des griechischen Geheimdiensts (EYP), der Anti-Terrorbehörde, der Direktion für Informationsmanagement und -analyse, der Ausländerbehörde Attika, der Direktion für kriminologische Ermittlungen und der Kriminalpolizei-Unterdirektion Mytilini beteiligt waren, waren jedoch nicht zu Ende. „Voranschreitend sahen wir, dass die Absprachen mittels Internetanwendungen und Gruppen erfolgten, die direkt über Tag und Zeit informiert wurden, zu denen sie aufzubrechen hatten, aber auch, wo sie ankommen würden„, sagt ein an der Operation beteiligter Offizier.

Danach schienen die Mitglieder der vier sogenannten Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) sich jedoch nicht so sehr mit den Lebens- und Integrationsumständen der Migranten zu beschäftigen. „Ob man der Aktivität der NRO zustimmt oder nicht, kann niemand vertreten, sie seien nicht an der ‚heißesten‘ Stelle der Insel gewesen, der Moria war. Unsere Ermittlung zeigte, dass die Mitglieder der konkreten vier NRO sich nicht sehr häufig dorthin begaben. Das war etwas, was uns beeindruckte„, meint zu astinomiko.gr ein Offizier, der sich von Anfang an mit der Sache beschäftigte.

Laut der griechischen Polizei erreichten die besagten vier NRO fünfmal ihr Ziel, während sie in anderen 27 Fällen versuchten, auf diese Weise Flüchtlinge und Migranten nach Griechenland zu bringen. Bis zu dieser Stunde sind alle in der Verfahrensakte umfassten Personen identifiziert worden und nach ihnen wird entweder auf Lesbos oder auf dem griechischen Festland oder in Europa gefahndet.

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