Einstein und die Corona-Pandemie

17. Mai 2020 / Aufrufe: 905
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Das Coronavirus änderte bereits viel und wird vielleicht noch mehr ändern … .

Viele meinen, „unser Leben wird nach dem Coronavirus nie wieder das selbe sein„. Andere vertreten das Gegenteil: „Das Leben wird zu den alten Rhythmen und Gewohnheiten zurückkehren, da die menschliche Erinnerung kurz ist und die menschliche Natur sich nicht ändert.

Jedenfalls laufen solche absoluten Prophezeiungen immer in Gefahr, von dem steilen Grat des „entweder – oder“ abzustürzen.

Coronavirus kann nicht mit anderen Pandemien verglichen werden

Es gibt auch die Gemäßigten, aber selbst diese spalten sich in zwei Lager: nämlich jene, die voraussehen, dass unser Leben sich etwas zum Besseren ändern wird, und jene die glauben, es werde sich zwar wenig, aber zum Schlechteren ändern. Hier stellt sich natürlich die Frage was man für besser und was für schlechter hält – was uns warnt, keine Übereinstimmung der Antworten zu erwarten.

Wenn alle diese Einschätzungen etwas zeigen, ist es die eine Gewissheit vorspielende Verwirrung. Die einzigen historischen Prophezeiungen, welche die Tendenz haben, bestätigt zu werden, sind jene der Romanschreiber, die jedoch seit der Verkündung des Lockdown’s eine absolute geistige Blockade durchleben (lesen Sie jüngere Interviews von ihnen und Sie werden verstehen, warum).

Wie die Welt nach der Pandemie sein wird, wird von der Entwicklung vor der Pandemie existierender konkurrierender Tendenzen abhängen, die jedoch die Pandemie aufzeigte, verstärkte oder entkräftete. Es obliegt wohl eher dem Instinkt als der logischen Analyse, zu ahnen, welche von diesen langfristig gesehen vorherrschen werden – weil sich zwar die menschliche Natur nicht ändern mag, aber viele nicht kartierte oder unzureichend ausgeleuchtete Bereiche hat.

Die Überzeugung, die menschlichen Beziehungen werden irgendwann zu normalen Formen zurückkehren, basiert auf dem Vergleich mit dem, was nach älteren Pandemien geschah. Der Vergleich ist völlig unzutreffend. In der Epoche des „Schwarzen Tods“ oder der „Spanischen Grippe“ gab es kein Internet, es gab keine sozialen Netzwerke, es gab kein Skype und keine Telekonferenzen. Es gab nicht die weltweite Tendenz, dass in fast der gesamten persönlichen, politischen und beruflichen menschlichen Kommunikation der Monitor eines Rechners zu Hause oder in einem Büro vermittelt.

Diese Tendenz ist keine Geburt des Coronavirus. Jedoch fand sie im Coronavirus einen Turbo-Beschleuniger. Ebenfalls fand sie die perfekte Verteidigung gegen die Skeptiker und „Uneinsichtigen“. Eine aggressive Verteidigung, weil sie jene nun nicht nur einfach als technophob, sondern als für die öffentliche Gesundheit gefährlich präsentieren kann.

„Elektronisierung“ menschlicher Interaktivitäten …

Dafür, was fortan in den menschlichen Beziehungen als natürlich gehalten werden kann, ist charakteristisch, dass eine Menge von Werbespots und Sendungen im Fernsehen nicht nur zu vertiefen sorgten, wir „müssen zu Hause bleiben„, sondern uns auch davon zu überzeugen versuchten, dort gehe es uns prima. Wenn es Leute gab, die sich in ihren vier Wänden nicht wohl fühlten, war es, weil es ihnen an Interessen und Erfindungsgabe mangelte, weil sie ihr Leben nicht zu verschönern wussten.

Noch bezeichnender ist der Versuch bekannter Namen, in den Informationsmedien spöttisch von „Herumlungern“ sprechend und das Bedürfnis nach Bewegung in dem natürlichen öffentlichen Raum abzuwerten, es mit der elitären Künstelei von Phrasen wie „Ach, mir fehlt Maritsa und was soll ich tun“ verspottend. Dies zeigt, dass wir von den gesundheitsbezogenen Argumenten auf den Weg der Ideologisierung des Einzellebens und der einfach nur abwickelnden Kommunikation zwischen den menschlichen Subjekten geraten sind.

Ich gebe nicht vor, weniger als andere verwirrt zu sein, mehr Gewissheiten zu haben. Die Pandemie des Coronavirus stellt vielfältige Themen und wird in nächster Zukunft noch mehr stellen. Was jedoch ihren Zusammenhang mit der „Elektronisierung“ der menschlichen Interaktivitäten betrifft, erinnere ich mich an etwas, das Einstein gesagt hatte: dass an dem Tag, wo die Technologie den physischen menschlichen Kontakt substituiert haben wird, sie die erste Generation Kretins erworben haben wird.

Das ist keine Prophezeiung. Es ist eine Warnung von jemandem, der in der Lage war, sehr viel verlässlicher über die Technologie zu sprechen als die Technik-Verehrer. Und als Warnung meinte sie, dass die Dinge auch eine andere Wende zu nehmen vermögen. Weil wie gesagt, die menschliche Natur …

(Quelle: protagon.gr, Autor: Dimosthenis Kourtovik)

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