Hygienemasken gegen Coronavirus für Griechenland

26. April 2020 / Aufrufe: 2.752
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Griechenland wird ab Mai 2020 die Nachfrage nach Hygienemasken aus eigener Produktion decken und danach auch andere Märkte beliefern können.

Vor rund 40 Tagen erfolgte in China eine Auktion: Eine Maschinenbau-Spezialfabrik bot drei vollständige Linien zur automatisierten Produktion von Mundschutz- / Hygienemasken feil.

Es waren solche riesige funkelnde Maschinen, die ohne Intervention einer menschlichen Hand auf der einen Seite das Rohmaterial aufnehmen und auf der anderen Seite zertifizierte Masken auswerfen, die dem Träger einen Schutz von bis zu 95 % bieten. Um den Unterschied zu begreifen: die simplen Einweg-Zellstoffmasken, die wir tragen (wenn wir welche finden), bieten einen Schutz von 20 %.

Griechische Unternehmer „überrumpelten“ internationale Konkurrenten

Als die Auktion erfolgte, hatte die Geschichte mit dem Coronavirus bereits große Dimensionen angenommen, jedoch vermochte noch niemand das weltweite Ausmaß und die zeitliche Dauer des Problems vorauszusehen. Zwar standen in der chinesischen Fabrik die neuen Maschinen zur Übergabe bereit, die internationale medizinische und unternehmerische Gemeinschaft hatte jedoch nicht die ungeheure Nachfrage nach Masken erkannt, die sich in den unmittelbar nächsten Wochen auf dem Planeten infolge der Erkenntnis ergeben würde, dass das Coronavirus gekommen war um zu bleiben.

Bei der weltweiten elektronischen Auktion jenes Tages erfolgte blitzschnell ein Gebot von einer aus dem Nichts aufgetauchten unbekannten Firma, die ihren Sitz in einer ebenfalls unbekannten Stadt irgendwo in Europa hatte. Sie bot den besseren Preis als ihre noch zögernden Konkurrenten, und in bar bezahlend erhielt sie den Zuschlag für zwei der drei Produktionslinien. Die dritte wurde irgendwo im Fernen Osten verkauft. Die chinesischen Verkäufer suchten bei Google Earth um zu sehen, wo sich diese Stadt befand, zu der sie ihre Maschinen zu schicken hatten. Sie hieß Larisa und war irgendwo im Zentrum Griechenlands.

Käufer waren zwei Unternehmer aus der thessalischen Ebene, die – noch bevor sich überhaupt ein einziger Coronavirus-Fall in Griechenland einstellte – zu kooperieren beschlossen hatten um eine Fabrik zur Produktion von Hygienemasken einzurichten: Der Vorsitzende des Verbands Thessalischer Industrieunternehmen, Achilleas Ntavelis, und der stellvertretende Vorsitzende des selben Verbands, Giannis Tserepas. Als Präsident des Konzerns Animus (mit dem allbekannten Rehabilitationszentrum, der Poliklinik „Blaues Kreuz“ und Polipraxen) begriff Herr Ntavelis die kommende ungeheure Nachfrage nach Masken, als alle übrigen noch im Fernsehen etwas Sonderbares verfolgten, das in China mit irgendeinem unbekannten Virus geschah und der Grippe ähnelte. Herr Tserepa, Eigentümer der allbekannten „Lariplast“, kannte sich mit Maschinen und der Organisation industrieller Produktion aus.

Sie legten jeder 1,5 Millionen Euro bereit und begannen zu suchen. Die Recherche führte sie nach China, dem weltweit einzigen Land, das Hygienemasken, aber auch die maschinelle Ausrüstung für deren Produktion herstellte. Der gesamte übrige Planet hatte seit Jahren diese Produktion aufgegeben, das chinesische Produkt war hinsichtlich seines Preises unschlagbar. Die Chinesen waren die einzigen, die sowohl Masken als auch die Maschinen herstellten, die Masken herstellen. Bis das Coronavirus ausbrach und alle begriffen, dass es sehr gefährlich ist, den Schutz des eigenen Gesundheitspersonals, aber auch der eigenen Bevölkerung den billigen Chinesen als Monopol zu überlassen.

Griechenland wird ab Mai 2020 genug Hygienemasken haben

Eine Woche nach der Auktion und während die Maschinen für ihre weite Reise von Shanghai nach Larisa verpackt wurden, tangierte eine große deutsche Forma die beiden Partner und bot ihnen einen doppelt so hohen Preis als jenen, den sie gezahlt hatten, damit jene die beiden Produktionslinien bekommt. Der Grund war simpel. Mittlerweile hatten alle begriffen, dass der Planet Milliarden Masken brauchte, wenn sie jedoch die Maschine bei der chinesischen Fabrik bestellen würden, wären sechs Monat nötig, damit diese sie herstellt. Sie wollten die beiden Maschinen, die ihnen die Griechen unter ihrer Nase weggeschnappt hatten. Die beiden Partner diskutierten den Vorschlag nicht einmal, obwohl sie zwei Millionen verdient hätten ohne auch nur ihren kleinen Finger zu bewegen.

Anstatt die Produktionsmaschinen auf ein Schiff (bei Frachtkosten von weniger als 5.000 Euro) zu laden, bezahlten sie das Zehnfache für einen Frachtflug der spezialisierten Golden Cargo. Das Schiff hätte einen Monat auf See gebraucht, abgesehen von den übrigen Verzögerungen. Am 21 April 2020 trafen die Maschinen auf dem Flughafen „Eleftherios Venizelos“ ein. Am 24 April werden sie in Larisa sein, es wird die Montage erfolgen und am 28 April soll ihr erster Testbetrieb erfolgen. Sie werden täglich 300.000 zertifizierte Masken produzieren, alle vom Typ 2 und 3, also OP-Masken mit einem Schutz von 90 – 95 %. Es erübrigt sich anzuführen, dass die bürokratischen Themen unter Mitwirkung der griechischen Regierung in Rekordzeit beigelegt wurden. Ab Anfang Mai 2020 wird Griechenland in ausreichendem Maß mit Masken versorgt werden, sowohl für die Krankenhäuser und ihre Dienststellen als auch für seine allgemeine Bevölkerung. Das Rohmaterial wird von der Fabrik „Plastika Thrakiens“ kommen.

Parallel wird die Wucherei geschlagen werden, da die ausreichende Verfügbarkeit des Produkts den Preis drücken wird. Die derzeit in den Apotheken für zwei und drei Euro pro Stück verkauften chinesischen Masken sind von niedrigster Low-cost Qualität, ohne Zertifizierung und wahrscheinlich gefährlich. Die beiden Männer aus Larissa beabsichtigen, zuerst die nationalen Bedürfnisse zu befriedigen und danach ihre übrige Produktion auf anderen Märkten bereitzustellen, obwohl die Nachfrage aus dem Ausland riesig ist. Noch bevor die Fabrik überhaupt „lief“, sind sie mit Bestellungen aus Amerika, Schweiz und Deutschland überflutet worden. Hier also eine interessante Story unternehmerischer Kreativität, Entschlossenheit, Synergien und nationalen Bewusstseins. All-in-One, was eine Tragödie in eine Chance verwandelt.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Dimitris Evthymakis)

  1. Inka Herrmann
    26. April 2020, 16:38 | #1

    Tolle Erfolgsstory und ich wuensche dieser Firma von Herzen alles Gute.
    Soetwas koennen wir hier in Griechenland gerade gut gebrauchen und Hut ab, dass sie nicht auf das Angebot aus Deutschland eingegangen sind.

  2. LiFe
    27. April 2020, 14:01 | #2

    Diese Nasen- und Mundschutzmasken aus Griechenland hätte ich in Deutschland lieber als die aus China!

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