Griechenland muss wegen Coronavirus eine Gleichung lösen

25. April 2020 / Aktualisiert: 30. Juli 2020 / Aufrufe: 946

Welche Gleichung Griechenland angesichts der durch die Pandemie des Coronavirus COVID 19 initiierten Entwicklungen zu lösen hat.

Die jüngste Kreditaufnahme Griechenlands mittels der 7-jährigen Anleihe zeigte, eine wie schwierige Sache die zukünftige Finanzierung des Landes trotz des Aufkauf-Programms der EZB sein wird, wenn es nicht etwas Wertvolles beibehält.

Am 18 März 2020 tangierte die Rendite griechischer Anleihen 4 % und ihr Preis stürzte ab, da Viele eilten, sich der Titel zu entledigen um ihre Verluste zu beschränken (stop loss).

Aufnahme Griechenlands in das Sonderprogramm der EZB

Der steile Anstieg der Renditen der griechischen Anleihen in jenen Tagen im Nachhall der Enttäuschung des (Finanz-) Markts aus der Antwort der EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf eine Frage bezüglich der in der vergangenen Woche verzeichneten Öffnung der „Spreads“ in der Eurozone hatte in Athen Viele beunruhigt.

Es war nicht nur der abrupte Anstieg der Finanzierungskosten des Fiskus und die mögliche Gefahr, keinen Zugang zu den (Finanz-) Märkten mehr zu haben. Es war ebenfalls die Gefahr, dass die inländischen Banken eine signifikante Liquiditätsquelle mittels des Interbankenmarkts für mit den griechischen Anleihen besicherten Rückkaufvereinbarungen (Repos) verlieren. Wie deren Funktionäre bekannt ist, suchten manche kontrahierenden ausländische Banken nach einem Weg, sich von den Repos zu trennen, und zahlten in jener Periode dafür.

Die Ereignisse jener Tage wurden von griechischer Seite (sprich dem Premierminister) offensichtlich bei dem telefonischen Kontakt mit Christine Lagarde am selben Tag als Argument genutzt, und aus dem Resultat geht hervor, dass sie eine katalytische Rolle bei der Aufnahme Griechenlands in das Sonderprogramm zum Aufkauf von Titeln durch die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Pandemie spielten.

Selbst nach der Aufnahme Griechenlands in das Sonderprogramm zum Aufkauf von Titeln, der Akzeptanz der griechischen Anleihen als Pfand für billige Finanzierungen von der EZB und der Möglichkeit der inländischen Banken, besagte Anleihen aufzukaufen, erwies der Verkauf der 7-jährigen Obligationen in Höhe von 2 Mrd. Euro sich als schwierige Sache.

Griechenland muss sein Liquiditätspolster beibehalten

Wir bezogen uns auf die vorstehende Geschichte um zu zeigen, wie schnell und plötzlich sich die Gegebenheiten auf den (Finanz-) Märkten ändern und wie sehr sich Länder wie Griechenland bloßgestellt finden können, die wegen einer hohen öffentlichen Verschuldung usw. als verwundbarer gelten. Ebenfalls, wie wichtig es für Griechenland ist, eine hohe – weit über den das sogenannte „Sicherheitspolster“ betragenden 15,7 Mrd. Euro liegende – Liquiditätsreserve beizubehalten, wenn es sich in Zukunft ohne Zuflucht zu der „Präventiven Kreditlinie“ des ESM Geld leihen möchte, die Bedingungen (sprich „Memoranden“) impliziert.

Die Haltung der griechischen Regierung und ihre sichtbar werdende Abgeneigtheit, sich an den ESM zu wenden um Aufwendungen für die Pandemie zu finanzieren, unterstreicht die Signifikanz der Existenz eines großen Polsters der Größenordnung von 25 Mrd. Euro und mehr, damit die Märkte überzeugt werden, Griechenland (auch) nach 2020 Geld zu leihen. Aus diesem Grund hat es eine Gleichung zu lösen, welche die diesjährigen außerordentlichen fiskalischen Augabewn, die diesjährige Finanzierung und die erwünschte Liquiditätsreserve – von beispielswese 25 Mrd. Euro bei Eintritt in das Jahr 2021 – umfasst.

Anfang April 2020 betrug das bestehende „Polster“ 36 Mrd. Euro. Damit eventuelle unangenehme Überraschungen eingeschränkt werden, darf die Gleichung keine möglichen EU-Finanzierung – wie beispielsweise aus ESM-Krediten, Konjunktur-Fonds usw. – umfassen. Es ist einleuchtend, anzunehmen, dass das fiskalische Extra-Paket sich in diesem Jahr auf rund 15 Mrd. Euro belaufen wird, also nebst Stundungen von Steuern, Beiträgen zur Sozialversicherung und ohne die (staatlichen) Bürgschaften für Kredite. Zusätzlich ist die bisherige Kreditaufnahme von 4,4 Mrd. Euro zu berücksichtigen.

Die anfängliche Planung (Szenarium 1) sah Finanzierungsbedürfnisse von 8 Mrd. Euro vor, unter Einbezug der Reduzierung der Schatzbriefe um ungefähr 4,5 Mrd. Euro und eines Primärüberschusses von 6,5 Mrd. Euro. Wenn Griechenland sich 2 Mrd. Euro leiht, indem es zusätzliche Schatzbriefe ausgibt, damit der „Stock“ wieder auf den Ende 2019 betragenden Stand von 12,6 Mrd. zurückkehrt, hat es sich über den Daumen veranschlagt bis Ende des Jahre rund 6 Mrd. Euro in Obligationen zu leihen um sich Ende 2020 mit einem Polster von 25 Mrd. Euro wiederzufinden. Und all dies ohne zusätzliche EU-Kredite und Einnahmen aus Privatisierungen, jedoch mit 1,5 Mrd. aus der Erstattung von Gewinnen aus den ANFA- und SMP-Anleihen.

Das sind die zusätzlichen geliehenen Gelder, die unserer bescheidenen Ansicht nach die obige Gleichung lösen.

(Quelle: euro2day.gr)

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