Wie Griechenlands Mittelschicht zusammenbrach

22. Februar 2020 / Aufrufe: 517

Gesunkene Einkommen und mehr Steuern brachten in Griechenland die Schicht der mittleren Einkommen zum Zusammenbruch.

In Griechenland zahlt die Mittelschicht heute 51 % der Steuereinnahmen, während sie vor der Krise 39,3 % aufbrachte. Entsprechend entrichtet heute die – sowohl zahlenmäßig als auch hinsichtlich der Einkommen – geschrumpfte gehobene Einkommensschicht 38,1 % der Steuereinnahmen, gegenüber 50 %, die sie vor der Krise zahlte.

Diese Angaben sind in dem monatlichen Bulletin wirtschaftlicher Entwicklungen des Unternehmens- und Industrieverbands (SEV) umfasst, der einschätzt, dass die Entwicklungen in der Mittelschicht entweder das Absinken von Haushalten auf niedrigere Einkommensstufen oder ihre Nichterfassung in den Statistiken wegen Abwanderung ins Ausland, Aufgabe unternehmerischer Aktivitäten usw. wiedergibt.

Memoranden ließen Griechenlands Mittelschicht ausbluten

Es sei angemerkt, dass nach internationalen Definitionen als mittlere Einkommensschicht die Haushalte mit einem verfügbaren Einkommen zwischen 75 % und 200 % des gemittelten Einkommens aller Haushalte bestimmt werden. Laut der Analyse des SEV wird in Griechenland das durchschnittliche verfügbare Einkommen für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von über 14 Jahren für 2018 auf 19.700 Euro veranschlagt, während es 2009 – 2010 bei 30.000 Euro lag. Somit gehören der mittleren Einkommensschicht die (vierköpfigen) Haushalte mit einem verfügbaren Einkommen zwischen 14.700 Euro (75 % des Durchschnittseinkommens) und 39.300 Euro (200 % des Durchschnittseinkommens) an.

In der Periode der Memoranden wird ein Anschwellen der Anzahl der Haushalte (und entsprechenden Einkommen) der mittleren Einkommensschicht, aber auch der unteren Einkommensschicht über der Armutsgrenze beobachtet, bei entsprechender Minderung des Anteils der Haushalte der gehobenen Einkommensschicht und der unteren Einkommensschicht unterhalb der Armutsgrenze„, schlussfolgert der SEV.

Anders gesagt wird eine Netto-Verschiebung von Haushalten von den hohen zu den niedrigeren Einkommensschichten beobachtet, währen der Anteil der Haushalte unterhalb der Armutsgrenze abnimmt, da die Senkung des verfügbaren Einkommens in der Periode der Memoranden unter der Berücksichtigung der Notwendigkeit erfolgte, dass im Rahmen des Möglichen die relativ niedrigeren Einkommensschichten nicht beeinträchtigt werden. Demzufolge schaffte Griechenland zwar, aus der Krise herauszukommen, wobei jedoch die mittleren und hohen Einkommensschichten eine riesige zusätzliche steuerliche Last auf sich nahmen.

Heute befinden die Finanzen des Landes sich in einer Balance und es hat die Umkehrung der Überbesteuerung begonnen. Bei diesem Vorgang bedarf es großer Vorsicht, damit die Senkung der Besteuerung von Entwicklungsmaßnahmen, Einschränkung der Steuerhinterziehung und Bewahrung der fiskalischen Stabilität begleitet wird. Außerdem werden in Griechenland die Wahlen auf Basis der Unsicherheit der Mittelschicht wegen der wirtschaftlichen Flaute gewonnen und verloren, die direkt mit der sie treffenden Überbesteuerung in Verbindung steht.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

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