Griechenlands Sparer sollen risikofreudiger werden

6. Februar 2020 / Aufrufe: 116

In Griechenland lancieren Banken und Versicherungen einen Hagel neuer Produkte, die konservative Anleger und Sparer zu riskanteren Anlagen drängen sollen.

Die Banken und Versicherungsgesellschaften in Griechenland betreiben die Markteinführung neuer Produkte mit dem Ziel  der Veränderung des Verhaltens der Sparer und deren Anpassung an die neuen Gegebenheiten, welche die marginalen (oder auch negativen) Zinssätze herbeigeführt haben.

Die Banken haben ihre eigenen Gründe, die Höhe ihrer Einlagen zu reduzieren (sie verfügen über einen Liquiditätsüberfluss, vermeiden die Zahlung von Zinsen an die Sparer und Gebühren an die EZB), während die Versicherungsgesellschaften ihrerseits nicht mehr in der Lage sind, ihren Kunden speziell in dem strengen Umfeld der (die Beaufsichtigungs-Indizes belastenden) Richtlinie Solvabilität II für einen langfristigen Zeitraum die befriedigenden jährlichen Renditen zu garantieren, die sie während der Vergangenheit boten.

Griechenlands „konservative“ Anleger sollen „umgedreht“ werden

Die Essenz ist, dass die Banken und Versicherungsgesellschaften aus diversen Gründen versuchen, jene ihrer Kunden zur Übernahme eines Investmentrisikos zu drängen, die sich bis heute stabil für die „kleinen, aber sicheren“ Renditen entweder der Guthaben oder der Versicherungs-Investmentprogramme entschieden. Damit dieses wesentliche Hindernis überbrückt wird, werden Produkte ausgelobt, die unter Voraussetzungen von ihren „konservativen“ Kunden akzeptiert werden könnten.

Eine solche Kategorie ist jene der gemischten Anlage- / Sparprodukte, bei denen ein Teil der Gelder in einer Anlage mit einem relativ attraktiven Zinssatz und der Rest in einer Beteiligung an Investmentfonds angelegt werden, deren Kategorie der Kunde wählt. So könnte sich beispielsweise eine Kombination aus einer Spareinlage und Anteilen an Anleihen- / gemischten Investmentfonds mit dem Resultat ergeben, dass das Risiko relativ beschränkt ist und – unter Voraussetzungen – auch die Erwartung der hohen Rendite besteht.

Eine zweite Kategorie sind die Produkte eines „systematischen Sparplans“, wo der Kunde verpflichtet wird, in regelmäßigen Zeiträumen (z. B. jeden Monat oder jedes Quartal) einen beschränkten Kapitalbetrag einzuzahlen, der im weiteren Verlauf in entweder inländischen oder ausländischen Investmentfonds platziert wird. Solche Produkte sowohl von Banken als auch Versicherungsgesellschaften angeboten und geben den Kunden häufig die Möglichkeit, ihre Positionen in regelmäßigen Zeiträumen zu ändern, indem sie ihre Fondseinlagen von einer Kategorie in eine andere (beispielsweise von Aktien- in Anleihenfonds) umwandeln.

Wie Anleger in Griechenland „geködert“ werden

Die drei gegenüber den ein Investitionsrisiko einzugehenden zögernden „konservativen“ Kunden vorgebrachten Argumente sind gewöhnlich folgende:

a) Es ist statistisch beobachtet worden, dass – international – langfristig die Aktientitel mehr als die Anleihen und diese wiederum gegenüber den Guthabenzinssätzen mehr abwerfen. Also haben die langfristigen Investitionen in Aktien und Anleihen ein relativ gemindertes Risiko und führen gewöhnlich zu befriedigenden Renditen.

b) Eine große Minderung des Investitionsrisikos (und der erhofften Rendite) ergibt sich, wenn die Einzahlungen in regelmäßigen Zeiträumen und nicht in einmaligen Zahlungen erfolgen.

c) Die aktuellen Zinssätze sind praktisch für die Sparbuch-Guthaben bei Null und für Festgeldanlagen marginal (seit 01/01/2010 bis zu 0,3 %). Ebenfalls garantieren die speziellen Sparpläne, die bis Ende 2019 die Gesamtheit des Kapitals garantierten und gegebenenfalls (sprich unter der Voraussetzung, dass diverse vorbestimmte Investitionsziele erreicht werden würden) befriedigende Renditen boten, heute nur einen Anteil der Gelder des Sparers.

In jedem Fall werden die Sparer aufmerksam jedes angebotene Produkt zu untersuchen haben, dabei vollumfänglich die Bedingungen begreifend und die erhofften Vorteile, das Risiko und die Höhe der wie immer gearteten Ausgaben – Provisionen mitbewertend.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Stefanos Kotzamanis)

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