Griechenland braucht … Spardose

13. Februar 2020 / Aufrufe: 169

Guthaben und Spareinlagen des privaten Sektors Griechenlands reichen nicht aus um die Schließung der Investitionslücke zu stützen.

Die öffentliche Verschuldung Griechenlands bleibt sehr hoch, jedoch sind die Tilgungsraten für das nächste Jahrzehnt und mehr auf niedrige Niveaus reguliert worden. Für etwas anderes, das über die Zukunft des Landes entscheiden wird, gilt das allerdings nicht.

Gleich ob wir über höhere Einkommen, niedrigere Arbeitslosigkeit und Armutsquote oder abschreckende militärische Macht reden, damit der Aggressivität der Türkei begegnet wird, gelangen wir bei dem selben Nenner an. Nämlich einer – hauptsächlich auf Exporte und Investitionen gestützten – mit hohen Rhythmen wachsenden starken Wirtschaft.

Sparleistung bleibt in Griechenland sehr niedrig

Sie haben es wiederholt gehört und vielleicht wird es ermüdend, jedoch sind die Zahlen enthüllend. Die Brutto-Investitionen in sogenanntes Anlagekapital gingen von 26 % des BIP im Jahr 2007 auf 11,1 % des BIP im Jahr 2018 und irgendwo zwischen 11 % und 12 % des BIP im Jahr 2019 zurück. Der größte Teil des Rückgangs erklärt sich aus dem Zusammenbruch der Investitionen im Bauwesen. Die Netto-Investitionen in Anlagen (abzüglich der Abschreibungen) sind seit 2011 negativ, damit das Kapitalpolster des Landes mindernd und zur Beschränkung des potenziellen BIP beitragend.

Gemäß den Einschätzungen der Griechischen Bank (TtE) nahm in stabilen Preisen des Jahres 2010 der Netto-Kapitalbestand in der Periode 2010 – 2016 um 67 Mrd. Euro und mehr ab. Logischerweise sank er in der Periode 2017 – 2018 und vielleicht 2019 noch mehr. Damit die Investitions-Lücke in den kommenden 10 Jahren geschlossen wird, also auf die Niveaus vor der Krise zurückkehrt, haben laut TtE-Chef Giannis Stournaras die Brutto-Investitionen in Anlagekapital in stabilen Preisen mit einem Rhythmus von 10 % jährlich zu steigen. Das wird nicht leicht sein, ist aber auf Basis der griechischen Historie auch nicht unmöglich.

Eins der signifikantesten Hindernisse sind abgesehen von dem Fehlen eines stabilen steuerlichen und regulativen Rahmens, dem langsamen Justizsystem und der Unordnung im Flächennutzungswesen die Sparguthaben. Die inländischen Einlagen reichen nämlich leider nicht aus um einen solchen Anstieg der Investitionen zu stützen. Laut der Europäischen Kommission steigen die inländischen Brutto-Guthaben seit 2011 zwar an, bleiben aber auf sehr niedrigen Niveaus. Die Verbesserung ist seit 2016 sogar primär dem Regierung- und Verwaltungssektor und sekundär dem privaten Sektor zu verdanken.

Griechenland muss privates Sparen fördern

Griechenlands nationale Sparleistung (gross national savings) wird auf 25,1 Mrd. Euro im Jahr 2019 geschätzt, gegenüber 10 Mrd. Euro im Jahr 2010, und es wird erwartet, dass sie 2020 bei 27,7 Mrd. Euro angelangen werden.

Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) könnten die Lücke abdecken. Auf Basis der Einschätzungen und Ansichten der Experten schätzen wir jedoch ein, dass für eine signifikante Steigerung der FDI – bestenfalls – trotz der von der Regierung erbrachten Bemühungen Zeit nötig ist. Es ist also dringend erforderlich, dass in Griechenland die inländische Rücklagenbildung des privaten Sektors gesteigert wird, damit die inländischen Festkapital-Investitionen mehr gestützt werden.

In einem Umfeld besonders niedriger Zinssätze ist das nicht einfach. Wegen des Finanzamts wird es sogar für alle noch schwerer, die nicht deklarierte Beträge in Griechenland oder im Ausland haben und diese potentiell in das (griechische) Banksystem bringen könnten. Folglich wird die Regierung die Gegebenheiten abwägen und das langfristige Sparen mittels der Gewährung steuerlicher Anreize – z. B. im Rahmen von Rentenversicherungsprogrammen – ermuntern müssen.

Bekanntlich soll man man keine Eulen nach Athen tragen. Die Notwendigkeit einer Abdeckung der Investitionslücke zur Erzielung höherer und gesunder Wachstumsrhythmen erlegt es jedoch auf und bisher haben wir keine Initiative in diese Richtung gesehen.

Die Absichten sind gut, reichen jedoch nicht aus.

(Quelle: euro2day.gr)

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