Jeder dritte Bürger Griechenlands ist armutsgefährdet

31. Januar 2020 / Aktualisiert: 02. Februar 2020 / Aufrufe: 380

Einer von drei Bürgern in Griechenland befindet sich in Armutsgefahr.

Laut dem Griechischen Netzwerk zur Bekämpfung der Armut wird in den entwickelten Ländern der Europäischen der Zugang zu Wohnung, öffentlichem Gesundheitswesen und Beschäftigung immer schwieriger. Parallel kommen neue Armutsformen wie die Energiearmut (elektrischer Strom, Heizung usw.) hinzu.

Dies führten die Redner bei der Veranstaltung „Menschen, die in Armut leben“ an, die sich auf die wachsende Armut und die Menschen bezieht, die sie auf nationaler und europäischer Ebene erleben. Zentrale Position der Veranstaltung war, „die Auslöschung der Armut stellt eine politische Wahl dar„.

EU-Länder: Der Sozialstaat wird zum Nutzen der Privaten abgewertet

In der Europäischen Union werden die Obdachlosen auf zwanzig Millionen veranschlagt, in den letzten Jahren einen Anstieg insbesondere wegen der Flut von Räumungen in Ländern wie Spanien und Portugal zeigend, erklärte Despina Karachlani, Koordinatorin der griechischen Delegation bei der europäischen Begegnung „Stimmen der in Armut lebenden Menschen“ (Voices of Poverty), die im 18. aufeinanderfolgenden Jahr in Brüssel durchgeführt wurde.

Sogar auch in entwickelten Ländern wie Belgien, Holland, Luxemburg stellen sich immer mehr Hindernisse beim Zugang zum öffentlichen Gesundheitswesen, da die Regierungen der Mitgliedstaaten der EU immer mehr privaten Strukturen vorschlagen, dabei die öffentlichen Leistungen abwertend, fuhr Frau Karachlani die Schlussfolgerungen der Begegnung präsentierend fort.

In vielen Ländern wie Italien, Lettland, Malta, Portugal, Griechenland werden große Lücken bei der Arbeitsfindung beobachtet, während hauptsächlich Beschäftigungen für niedrige Qualifikationen angeboten werden. Unter anderem wird eine große Zunahme der „flexiblen“ Formen und der nicht deklarierten Beschäftigung verzeichnet. Die Arbeitgeber nutzen die ausländische Bevölkerung mit ärmlichen Tageslöhnen, ohne Versicherung aus welcher Umstand auch die Tageslöhne der einheimischen Bevölkerungen mit sich reißt„, fügte Despina Karachlani an und unterstrich: „Der reiche Norden Europas wird beständig entmystifiziert. Der Sozialstaat ist nicht mehr erkennbar.

Griechenland hält traurige Rekorde, obwohl die Menschen mehr als in den anderen europäischen Staaten arbeiten

Die Menschen in Griechenland arbeiten mehr als die anderen Europäer, bei einem Rentenanspruch mit 67 Jahren sowohl für Frauen als auch für Männer, führte Lazaros Petromelidis die einschlägige Untersuchung des Griechischen Netzwerks für die Bekämpfung der Armut präsentierend an. Seit Mitte 2012 bis 2019 blieben die Löhne stagnierend. Mit Angaben des Jahres 2018 sind 31,3 % der Griechen armutsgefährdet, während im Jahr 2005 die entsprechende Quote 19,6 % betrug. Konkret verlor Griechenland während der Dauer der Krise 25 % seines BIP, weit ab von jedem Land der EU.

In ganz Europa, auch in Griechenland, sind die jungen Leute, die arbeiten, jedoch arm bleiben, die einzige Altersgruppe mit zunehmender Tendenz. Griechenland liegt jedoch an erster Stelle der Länder der EU, wo die jungen Leute nach Beendigung ihres Studiums oder ihrer Ausbildung nicht arbeiten (Quote von 50,5 %).

Eine Untersuchung der Arbeitsaufsicht (SEPE) aus dem Jahr 2019 führt an, die Konsumenten wenden 44 % ihres Einkommens für Rechnungen und Steuern und 14 % für Mieten auf. Parallel geben 10 % der Bevölkerung mehr als 100 % ihres Einkommens aus, leihen sich also praktisch Geld. Laut EUROSTAT können 36,6 % der griechischen Haushalte die Rechnungen nicht bezahlen, während 39,6 % nicht vermögen, ihre – gleich ob gemietete oder im Eigenbesitz befindliche – Wohnung zu unterhalten. Es wird erwartet, dass der Anstieg der Wohnungspreise um 7,4 % im Jahr 2019, gefolgt von einem Anstieg der Mieten, die Armutsphänomene verstärken wird.

2017 deklarierten 1,5 Millionen Steuererklärungen – also 25 % der Gesamtheit – Einkommen von bis zu 2.000 Euro, wobei 650.000 von diesen keinerlei Einkommen auswiesen. Vorstehendes bedeutet eine große Nummer nicht gemeldeter Arbeit oder tiefe Armut, die nicht wahrgenommen worden ist, merkte Herr Petromelidis an. Auf der anderen Seite offenkundig ist die gesellschaftliche Ungleichheit, da vier Millionen Steuererklärungen dem Einkommen nach 20.000 Erklärungen in Höhe von über 100.000 Euro entsprechen.

Die Verschuldung des Landes bezüglich des BIP ist die zweithöchste der Welt, mit erster die Verschuldung Japans. Die Arbeitslosen übersteigen 1 Mio., die Hälfte davon sind langzeitarbeitslos. 507.000 Bürger überleben dank des sogenannten Sozialen Solidaritätseinkommens (KEA), 602.000 Personen vermögen ohne Unterstützung ihre Miete nicht zu bezahlen. Mehr als 450.000 Personen erhielten Lebensmittel aus Programmen des EHAP (Europäische Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen) und über 80.000 stützten sich auf die sogenannten Sozialen Lebensmittelgeschäfte. 517.000 Kinder leben in Armut, im Vergleich zu 2005 ein dreifacher Anteil. Über 750.000 Arbeitnehmer werden mit einem Lohn von unter 500 Euro vergütet.

Weiter vertrat Lazaros Petromelidis, 100.000 – 200.000 illegale Migranten bleiben für alle Unterstützungssysteme unsichtbar, während erwartet wird, dass ihre geminderte Unterstützung aus Einkommenspolitiken ihre Lage weiter verschlimmert.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Kleonie
    31. Januar 2020, 10:46 | #1

    und bei der neoliberalen Politik von Hr. Mitsotakis wird die Armut in Griechenland noch weiter zunehmen, damit die Wohlhabenden ihren Reichtum weiter vermehren können. Vor allem durch befristete Arbeitsplätze und dem weiter wachsenden Niedriglohnbereich

  2. GR-Block
    31. Januar 2020, 19:32 | #2

    „Jeder dritte Bürger Griechenlands ist armutsgefährdet“ – Das muss unter den Dreien der sein, der einen Job hat. Die anderen sind nicht gefährdet, die sind schon arm.

  3. LiFe
    1. Februar 2020, 23:53 | #3

    Ich zitiere aus dem Text: „Mitte 2012 bis 2029 blieben die Löhne stagnierend.“ das muss sich bei 2029 um einen Druckfehler handeln. Meinen sie 2019?

    • Team
      4. Februar 2020, 01:19 | #4

      Danke für den Hinweis!

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