Griechenland hofft auf „wackeligen“ EastMed

5. Januar 2020 / Aufrufe: 301
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Die Erdgaspipeline EastMed würde Griechenlands geopolitische Position stärken, der Bau wurde jedoch bisher nur theoretisch vereinbart.

Die Realisierung des Pipeline-Projekts EastMed wird für Griechenland eine gute Nachricht sein. Jedoch kaufen die Regierungen kein Erdgas. Das tun die Unternehmen – und zwar, um Gewinn zu machen. Aus geopolitischer Sicht werden Bau und Betrieb der EastMed-Pipeline, die Erdgas von der Levante zu Ländern Westeuropas befördern wird, Gewinner und Verlierer haben.

Die Verlierer werden die Türkei und Russland, die Gewinner wiederum die USA, Israel (das hauptsächlich das Erdgas verkaufen wird), Griechenland und in geringerem Grad Zypern sein. Die EU kann ebenfalls profitieren, da sie ihre Energiequellen mehr differenzieren und eine größere Energiesicherheit sicherstellen wird, zumal die Erdgasförderung in der Nordsee zurückgehen wird.

EastMed zählt zu von der EU ausgewählten Projekten

Der Wille der involvierten Regierungen und die euphorischen Worte reichen jedoch nicht aus, damit ein solches Projekt kommerziell nutzbar ist. Folglich stellt die Unterzeichnung der zwischenstaatlichen Vereinbarung zwischen Griechenland, Israel und Zypern über den Bau der Eastern Mediterranean Pipeline einen signifikanten Schritt dar, nimmt jedoch nicht ihre Vollendung vorweg.

Qualifiziertere Leute als wir betonen, eine entsprechende zwischenstaatliche Vereinbarung zwischen Regierungen sei auch über die Nabucco-Pipeline unterzeichnet worden, die Kaspisches Gas von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich befördern sollte. Dennoch schritt die Nabucco-Pipeline schließlich aus konkreten Gründen nicht voran. Das bedeutet aber nicht, dass die EastMed-Pipeline obligatorisch das selbe Schicksal haben wird. Obwohl sie ganz klar ein anspruchsvolleres Projekt ist, hat sie die – zumindest politische – Unterstützung der USA und gehört auch zu der Liste der gemeinsamen ausgewählten Projekte der EU und kann von letzterer in einem gewissen Grad (beispielsweise 20 – 30 %) finanziert werden. Auf der anderen Seite ist nicht zu vergessen, dass die meisten Wahlprojekte der EU nicht realisiert werden.

In der Presse ist zu lesen, die für Rechnung der IGI Poseidon (sprich einer Tochtergesellschaft der griechischen DEPA und der italienischen Edison) erfolgten Studien weisen das Projekt der EastMed-Pipeline als wirtschaftlich tragfähig aus. Damit dies geschieht, werden aber einerseits die Pipeline mit großen Mengen an Erdgas von den es verwertenden Firmen gespeist werden und andererseits Käufer in Europa existieren müssen. Und all dies zu Preisen, die sich sowohl für die Verkäufer als auch für die Käufer lohnen.

EastMed wird möglicherweise nicht voranschreiten

Und hier beginnen – wenn wir annehmen, dass alle anderen (beispielsweise technischen) Themen gelöst werden – die Schwierigkeiten. Die Experten teilen uns mit, das derzeit produzierte Erdgas werde in der weitläufigeren Region konsumiert. Selbst wenn also ein Teil des Erdgases für den Export bestimmt ist oder in den kommenden Jahren neue Vorkommen an anderen Orten gefunden werden, erhebt sich eine Frage: Warum soll die EastMed-Pipeline und nicht das große, ungenutzte Flüssiggas- / LNG-Terminal Ägyptens vorzuziehen sein, das fertig ist? Oder warum wird es sich lohnen, dass in den nächsten Jahren das Erdgas aus dem Aphrodite-Gasfeld oder einer anderen Lagerstätte mittels der EastMed-Pipeline und nicht mittels des ägyptischen oder eines anderen LNG-Terminals auf Zypern befördert wird? Oder mittels einer die israelischen Vorkommen mit der Türkei verbindenden Pipeline, falls die Beziehungen der beiden Länder sich in den kommenden Jahren normalisieren?

Fragen erheben sich aber ebenfalls auch bezüglich der Erdgasnachfrage in der EU. Wird es genug Nachfrage für die Erdgasmengen geben, welche die EastMed-Pipeline zu befördern vermag, und zu den Preisen, zu denen sie es verkaufen wird, wenn sie der Konkurrenz anderer Leitung – wie Trans-Adria-Pipeline, Nord Stream 2 usw. – begegnen wird? Und natürlich, welche Firma / Firmen akzeptieren werden, das Risiko zu übernehmen, die Verkäufer zu finden und zu „vereinigen“ und die Käufer zu finden – und zwar bei Preisen, die beide Seiten befriedigen werden?

Aus diesen Gründen wird das Projekt der EastMed-Pipeline vielleicht nicht voranschreiten, obwohl wir dies offenkundig nicht wünschen, weil es Griechenlands geopolitische Position sicherlich stärkt.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Christa
    5. Januar 2020, 20:37 | #1

    wie war das noch mit den fossilen Brennstoffen?

  2. André Frost
    7. Januar 2020, 12:07 | #2

    Ne Gaspipeline aus dem nahen Osten,betrieben unter anderem von Israel, mit Involvierung der USA?
    Neee danke … das lass mal bleiben, ist mir persönlich zuviel Erpressungspotential dahinter. Russland hat bewiesen, dass es selbst im kalten Krieg seine Gas und Ölverträge nicht zur Erpressung Westeuropas nutzt, davon kann man bei dem US-Liebling Israel nicht ausgehen,die haben sehr wohl ambitionierte geopolitische Interessen bei denen sie gern mehr deutsches Geld und politischen Rückhalt hätten … da ist NS l und NS ll incl der Pipelines durch Polen und die Ukraine dann doch die sichere Alternative.

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