Neuer Erbausschlagungs-Tsunami in Griechenland

20. Dezember 2019 / Aufrufe: 348

Nach der Explosion der Erbausschlagungen in Griechenland in den Jahren der Krise schockieren die statistischen Angaben für den Beginn des Jahres 2019.

Zur Stunde, wo in Griechenland die Zahlen von den Amtsgerichts des Landes dokumentieren, dass die Ausschlagungen von Erbschaften weiterhin im roten Bereich liegen, gutachtete der Staatliche Rechtsbeirat, dass die von einem Erben nach dem Verstreichen eines großen Zeitraums ab dem Tod des Erblassers erfolgte Erbausschlagung diese nicht ohne weiteres überfällig und den ausschlagenden Erben automatisch zum fiktiven Erben macht.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Gutachten eine neue Explosion der bereits in den Krisenjahren riesigen Anzahl der Ausschlagungen verursacht. Konkret erreichten laut den jüngsten Angaben von 71 Amtsgerichten in ganz Griechenland allein im ersten Quartal des Jahres 2019 die beantragten Erbausschlagungen 15.000.

Anstieg der Erbausschlagungen in Griechenland um über 400 Prozent

Charakteristisch ist, dass es in den 5 Jahren 2013 – 2018 bei den Anträgen auf Ausschlagung einer Erbschaft einen Mammut-Anstieg gab, der 413 % tangierte. Laut den Angaben tangierte 2018 die Anzahl der Erbausschlagungen 150.000, welche Größe die höchste seit dem Beginn der wirtschaftlichen Krise und nachfolgend ist. Bezeichnend ist, dass 2013 die Ausschlagungen 30.000 nicht überstiegen hatten und sich seitdem als Anzeichen der kontinuierlichen Verschlechterung der Finanzen der privaten Haushalte verfünffachten.

Ebenfalls charakteristisch ist, dass die einschlägige Größe von 54.422 im Jahr 2016 auf 130.000 im Jahr 2017 hochschoss, das vergangene Jahr sich mit einen neuen Anstieg der einschlägigen Anzahl jedoch als noch schlimmer erwies. Laut Funktionären des Immobilienmarkts hat dieses Phänomen eine duale Erklärung.

Einerseits vermögen etliche Erben nicht, die sich ergebende Erbschaftssteuer zu zahlen, und andererseits wird die Ausschlagung einer Erbschaft vorgezogen, weil erachtet wird, dass die mit dem Besitz der zu erlangenden Immobilie einhergehenden Kosten des Erben entweder zu hoch, um diesen entsprechen zu können, oder zu einer möglichen Vermietung oder Veräußerung unverhältnismäßig sind.

Versäumte Erbausschlagung impliziert keine unbedingte Annahme

Zum selben Moment antwortete der Staatliche Rechtsbeirat (NSK) in dem besagten Gutachten Nr. 191/2019 auf eine Anfrage des griechischen Finanzministeriums bezüglich rechtlicher Themen aus der Anwendung des Artikels 1847 BGB, speziell in Zusammenhang mit dem Erbanspruch des Fiskus.

Konkret bezog die Anfrage des Finanzministeriums sich darauf, ob die nach dem Verstreichen eines großen Zeitraums seit dem Tod des Erblassers erfolgten Erbausschlagungen fristgerecht oder nicht sind. Die Anfrage wurde in Zusammenhang mit der Bestätigung eines Erbanspruchs des Fiskus gestellt. Der NSK (Kammer A) gutachtete einstimmig:

Die von einem (gesetzlichen) Erben nach dem Verstreichen eines großen Zeitraums ab dem Tod des Erblassers erfolgte Erbausschlagung macht diese nicht ohne weiteres überfällig (außerfristmäßig) und den ausschlagenden Erben nicht automatisch zum fiktiven Erben.

(Quelle: ant1news.gr)

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