Griechenlands stärkste Waffe gegen die Türkei

6. Dezember 2019 / Aufrufe: 457

Die stärkste Waffe Griechenlands gegenüber der Türkei ist die Griechische Diaspora.

In den internationalen Beziehungen sind die Interessen und nicht die Freundschaften von Bedeutung. Wenn Griechenland die ehrgeizige Türkei einschränken möchte, hat es sich auf seine eigenen Kräfte, seine Allianzen und seine andere starke Waffe zu verlassen.

Lassen wir uns aber zuerst alle in Etwas einig sein: Sollte Griechenland jemals in einer kriegerischen Kollision mit der Türkei angelangen, wird es feststellen, auf dem Schlachtfeld allein sein zu werden.

Griechenland wird bei Zusammenstoß mit der Türkei allein kämpfen

Griechenland hat also seine Streitkräfte zu stärken und seine Rüstungsindustrie zu entwickeln, sich dabei auf High-Tech-Anwendungen konzentrierend und das wissenschaftliche Potential innerhalb und außerhalb der Grenzen nutzend, ohne Gefälligkeiten („Rusfeti“) zu erweisen. Vorstehendes setzt eine schnell wachsende Wirtschaft und ideale engere wirtschaftliche Beziehungen zu großen Firmen des Westens voraus, beispielsweise mittels direkter ausländischer Investitionen. Zusätzlich setzt es die Revision des Verteidigungsetats voraus, damit der Löwenanteil nicht wie derzeit geschehend in Solde und Renten des Personals, sondern in moderne Ausrüstung gelenkt wird.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Griechenlands Partner in der EU wohl wirtschaftliche Sanktionen gegen die Türkei verhängen und manche von ihnen – z. B. Frankreich – uns mit militärischem Material versorgen werden. Es wäre jedoch utopisch, zu erwarten, dass sie zusammen mit uns an der Front kämpfen werden. Andere Länder werden es bei Worten belassen, die türkischen Handlungen verurteilend oder stumm bleibend. Die NATO wird wahrscheinlich eine Neutralitäts-Linie befolgen und versuchen, einen Zusammenstoß mit diplomatischen Mitteln abzuwenden oder einzuschränken.

Wenn sich eine Frage stellt, ist dies die Haltung der USA. In Griechenland gefällt es uns, Schlussfolgerungen zu ziehen, indem wir die Dinge oberflächlich untersuchen. So ist es kein Zufall, das fast alle bei den sichtbar werdenden guten persönlichen Beziehungen zwischen Trump und Erdogan verharren. Sie scheinen jedoch die Änderung der amerikanischen Strategie zu ignorieren, die als Hauptziele die Beschränkung Russlands, Chinas und in geringerem Grad des Irans hat.

Erdogan sieht sich als Präsident einer regionalen Supermacht

Die Rolle der Türkei ist signifikant, weil sie einerseits die von Rumänien im Baltikum beginnende anti-russische Achse zu stärken und andererseits die Ausweitung des Irans zum Mittelmeer zu hindern vermag. Die langfristigen Interessen der USA und der Türkei fallen somit zusammen.

Dem Nachbarland ist aus der Geschichte bekannt, dass es sich weder auf Russland noch auf den Iran verlassen kann, im Gegensatz zu den USA, die ein Interesse daran haben, dass die Türkei unabhängig bleibt. Außerdem gibt es einen Präzedenzfall: die USA garantierten nach dem 2. Weltkrieg die Unversehrtheit der Türkei. Jedoch nehmen die USA ebenfalls wahr, dass die heutige Türkei nicht mehr jene ist, die es in der Vergangenheit war. Die Türkei ist wirtschaftlich und militärisch sehr erstarkt und gehorcht den amerikanischen Befehlen nicht mehr. Erdogan hat das klar gemacht und strebt an, als Präsident einer regionalen Supermacht behandelt zu werden.

Griechenland muss das „andere Griechenland“ mobilisieren

Das ist der allgemeine Rahmen, der die amerikanischen Beziehungen regelt, und wird sich in absehbarer Zukunft nicht ändern. Die sich zeigenden guten persönlichen Beziehungen zwischen Trump und Erdogan ergänzen das Puzzle und sind vielleicht zum Teil eine Folge der existierenden Gleichgewichte. Trump lässt Syriens Kurden im Stich, um nicht die Beziehung der USA zu der erstarkten Türkei zu opfern und in seiner Position konsequent zu sein, der Einsatz militärischer Kräfte müsse die Ausnahme und nicht die Regel sein. Speziell im Mittleren Osten, der für die amerikanische Strategie ab dem Moment, wo sie dem Islamischen Staat und der Al-Qaida einen starken Schlag zugefügt haben, mittlerweile von zweitrangiger Bedeutung ist.

Was könnte Griechenland gegenüber dieser Realität sonst noch tun können? Natürlich das im Ausland befindliche „andere Griechenland“ und speziell die „Griechische Dispora / Omogenia“ in den USA mobilisieren. Einerseits um die wirtschaftlichen Bindungen der möglicherweise bereits der 3. oder 4. Generation angehörenden Landsleute zum Mutterland zu stärken, und andererseits um sie als Informations- und Druckhebel bei den Regierungen der Länder zu nutzen, in denen sie sich befinden.

Das hätte (schon lange) geschehen müssen, ist es aber nicht. Speziell in einem Jahr der Präsidentschaftswahlen in den USA wie 2020 könnten die Landsleute Druck auf Präsident Trump ausüben, die griechischen Sensibilitäten in Bezug auf Themen wie die Vereinbarung Türkei – Libyen mehr zu berücksichtigen. Die amerikanische Strategie mag sich nicht ändern. Die Existenz eines Druckhebels wie die Auslandsgriechen in den USA ist jedoch die stärkste Waffe, die Griechenland hat.

(Quelle: euro2day.gr)

Kommentare sind geschlossen