„Anlagewürdige“ Zombies auch in Griechenland

14. Dezember 2019 / Aktualisiert: 24. Dezember 2019 / Aufrufe: 186

Die steigende Anzahl marginal als anlagewürdig bewerteter Unternehmen kann jederzeit einen Albtraum auslösen, der jedoch vielleicht auch einmalige Chancen bietet.

Die Verschuldung nimmt zu und zusammen mit ihr auch die Anzahl problematischer Firmen, welche die Rating-Agenturen (noch) der Investment-Kategorie zuordnen. Als sie diesen das letzte Mal „den Stecker herauszogen“, war es bereits zu spät.

Die Verschuldung ist ein Vermögenselement des Gläubigers und hat einen variablen Wert. Eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung des Preises spielt das Vertrauen des Gläubigers in die Fähigkeit des Schuldners, seine Schuld zu tilgen. Nimmt der Gläubiger an, das Tilgungsrisiko sei gemindert, wird er einen niedrigeren Zinssatz verlangen, und umgekehrt.

Politik der Zentralbanken speist die Verschuldung

Der „Schlüssel“ ist die richtige Einschätzung der Fähigkeit des Schuldners, den Kredit abzuzahlen. Wenn die Schuld – wie beispielsweise Anleihen – handelbar ist, kann jemand, der glaubt, ihr Wert sei größer als jener, der sich im Preis abzeichnet, sie kaufen und einen Gewinn erzielen. Er kann jedoch ebenfalls Geld verlieren, wenn er falsch liegt.

Agenturen wie S&P, Moody’s und Fitch bewerten die Bonität der Kreditnehmer und ordnen die Schuld verschiedenen Rating-Stufen zu, z. B. anlagewürdig und nicht. Wie bekannt ist, wird Griechenland als nicht anlagewürdig eingestuft (Non-Investment Grade).

Warum wir all dies anführen? Weil die infolge der Politik der Zentralbanken niedrigen bis negativen Zinssätze darin fortfahren, die Verschuldung der Staaten, privaten Haushalte und Unternehmen des Planeten zu speisen. Ihre weltweite Verschuldung übersteigt 225 % des weltweiten BIP (Bruttoinlandsprodukt). Die Unternehmen sind heute im Verhältnis zur letzten finanzwirtschaftlichen Krise in der Periode 2007 – 2009 mehr verschuldet, wenn auch die privaten Haushalte weniger.

Allein in den USA haben die Unternehmen 50 % mehr „Hebelwirkung“ (Leverage) als im Vergleich zu 2007, da laut Morgan Stanley das Verhältnis von Verschuldung zu Betriebsgewinnen (EBITDA) den Wert von 2,5 übersteigt, im Gegensatz zu 1,7 – 2,1 im Zeitraum 2007 – 2009. Noch schlimmer ist, dass viele Firmen geliehenes Geld nutzten um ihre Aktien zurückzukaufen anstatt produktive Investitionen zu tätigen. Es handelt sich um einen großen Eintausch von Verschuldung für Aktien (debt-for-equity swap).

Anlagewürdige Zombies, albtraumhafte Szenarien und … Chancen

Heute haben eine große Anzahl an Unternehmen, die der letzten Investitions-Kategorie (BBB-) zugeordnet sind, einen hohen Leverage-Grad. Es reicht eine Abwertung, damit sich Verschuldung in Höhe etlicher Billionen Dollar – oder Euro, wenn Sie es vorziehen – in der als „Trash“ (Müll) bekannten Investitions-Kategorie wiederfinden wird. Wenn die Geschichte sich wie 2007 – 2008 wiederholt, werden die Rating-Agenturen bis zum letzten Moment warten, bevor sie solchen Firmen „den Stecker“ herausziehen. Es sind die Zombies der als „anlagewürdig“ eingestuften Kategorie.

In diesem Fall wird auf dem Markt die Liquidität für solche Titel rapide abnehmen und ihre Preise werden zusammenbrechen, dabei ihre Renditen auf sehr hohe Niveaus führend. Die Investment-Fonds und ETFs werden in eine besonders schwierigen Lage geraten, weil sie die Titel auf einem Markt mit sehr geringer Liquidität verkaufen werden müssen, um ihre zur „Verflüssigung“ schreitenden Anteilseigner zu bezahlen. Zusätzlich werden sie die von ihnen gehaltenen Aktien und Anleihen zu den sehr niedrigen Marktpreisen zu bewerten haben. Es versteht sich von selbst, dass Versicherungsgesellschaften und Rentenkassen ebenfalls Wunden davontragen werden.

Das Szenarium erscheint quälend und ist es. Auf der anderen Seite repräsentiert es jedoch für alle, die Geduld haben und über verfügbare Liquidität verfügen, vielleicht eine große Gelegenheit – vielleicht des Lebens.

(Quelle: euro2day.gr)

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