Steuervermeidung der Multis in Griechenland

29. Oktober 2019 / Aufrufe: 262

Mit ihren Praktiken zur Steuervermeidung bringen multinationale Konzerne Griechenlands Fiskus jährlich um mehrere hundert Millionen Euro.

In dem Zeitraum ab 1985 bis 2018 sank weltweit der durchschnittliche Firmensteuersatz von 49 % auf 24 %, wobei die USA den Satz allein 2018 von 35 % auf 21 % senkten.

Es handelt sich um einen internationalen Wettlauf um die Anziehung von Kapital und Gewinnen, in dem die Hauptrolle diverse Steuerparadiese spielen, die den multinationalen Firmen eine günstige steuerliche Behandlung bieten.

Multis transferieren aus Griechenland fast 1,5 Mrd. $ ins Ausland

Obwohl es sich natürlich nicht um einen Nullsummen-Spiel handelt, ist sicher, dass dieser Wettlauf Gewinner und Verlierer hat, wobei die meisten Länder Europas zu der ersten Kategorie zählen. Beispielsweise sollen – immer laut den auf der Website missingprofits.world zitierten revidierten Ergebnissen einer akademischen Untersuchung – dem griechischen Fiskus wegen der Steuervermeidung multinationaler Firmen jährlich Einnahmen von 431 Mio. $ (388 Mio. €) entgehen. Dieser Betrag entspricht 9% der Gesamteinnahmen des griechischen Staats.

Insgesamt tangieren laut der selben Untersuchung die aus Griechenland in Steuerparadiese transferierten Gewinne 1,48 Mrd. $. Der größte Teil dieser Gewinne wird in Steuerparadiesen innerhalb der Europäischen Union deklariert. Konkret werden in Luxemburg mit einem Satz von 5 % Gewinne von 337 Mio. $ versteuert, die in Griechenland zu besteuern gewesen wären. Entsprechend werden in Irland Gewinne von 315 Mio. $, in Holland 311 Mio. $, in Belgien 156 Mio. $, in Malta 138 Mio. $ und in Zypern 86 Mio. $ versteuert. Die restlichen Firmengewinne werden in Steuerparadiese außerhalb der Europäischen Union wie Schweiz, Singapur und Hongkong transferiert.

Jedenfalls ist Griechenlands Verlust an Steuereinnahmen im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern relativ beschränkt. Beispielsweise tangiert er in Deutschland 29 %, in Frankreich 24 %, im Vereinigten Königreich (UK) 21 %, in Italien 19 %, in Spanien 13 % und in Portugal 11 %.

Die Steuerparadiese und die amerikanischen „Multis“

Zucman, Torslov und Wier veranschlagen, dass ungefähr 40 % der Gewinne der sogenannten Multis (2016 über 650 Mrd. $) in Steuerparadiese transferiert werden. Dieser Transfer mindert die weltweiten Steuereinnahmen um 200 Mrd. $, welcher Betrag 10 % der Gesamteinnahmen aus einer Firmenbesteuerung entspricht. Beispielsweise deklarierte Google 2017 Einnahmen von 23 Mrd. $ auf den Bermudas, einer kleinen Insel im Atlantik ohne Firmenbesteuerung.

Der Verlust steuerlicher Einnahmen scheint für die Länder der Europäischen Union größer zu sein, natürlich unter Ausnahme der Steuerparadiese. Vergleichsweise transferieren die amerikanischen Multis einen größeren Gewinnanteil (ungefähr 60 % ihrer Gewinne im Ausland) als die Multis mit Sitz in anderen Ländern (im weltweiten Durchschnitt 40 %). Die großen Gewinner dieser Gewinntransfer scheinen daher scheinen die Aktionäre / Anteilseigner der amerikanischen Multis zu sein.

Große Vorteile sacken sich auch die Regierungen der Steuerparadiese ein, da sie – als Anteil des nationalen Einkommens – im Verhältnis zu den USA und der Europäischen Union höhere Einnahmen aus einer Firmensteuer erzielen.

(Quelle: euro2day.gr)

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