Heimliche Abzocken in Griechenland

3. Juni 2019 / Aufrufe: 780

Griechenlands Bürgern wurden neben den offenkundigen überdimensionalen Belastungen auch riesige heimliche Abzocken aufgebürdet.

Auf die überdimensionale und wachstumsfeindliche Besteuerung in Griechenland habe ich mich in der Vergangenheit viele Male bezogen und sogar „smarte Lösungen“ vorgeschlagen, die dem Land mittels der Deeskalation der äußerst großen Belastungen viele neue – gutbezahlte Arbeitsplätze und im weiteren Sinn höhere öffentliche Einnahmen bringen könnten.

Abgesehen von den offenkundigen steuerlichen und versicherungsbezogenen „Griffen“ des Fiskus in die Taschen der gesetzestreuen Steuerzahler gibt es jedoch auch eine Reihe „heimlicher Abzocken, mit denen die griechischen Bürger während der letzten vier Jahre indirekt äußerst schwer – und gewöhnlich ohne es zu wissen – belastet wurden!

Verluste auf den Rücken der „Dummköpfe“ …

Lassen wir uns nur drei charakteristische Beispiele untersuchen.

Banken: Die Experimente der SYRIZA-Regierung während des ersten 6 Monate des Jahres 2015 sowie der Umstand des schwächlichen Verlaufs der Wirtschaft während der letzten vier Jahre hatten entsprechend eine viele Dutzend Milliarden betragende „Guthabenflucht“ und den Absturz der Preise der Bankaktien an der Athener Börse zum Resultat.

Charakteristisch ist, dass die Verluste der Banktitel während der SYRIZA-Regierungsführung sich von 92% bis zu 99,9% bewegen. Wenn man berücksichtigt, dass die heutigen Wertschätzungen dieser Banken 8 Mrd. Euro übersteigen, wird die ungeheure Größe der Verluste begreifbar, die sich folgendermaßen verteilen:

  • Hauptsächlich auf den griechischen Fiskus, der bis 2015 auch den grundlegendsten Aktionär der vier systemischen Banken darstellte.
  • Auf einige hunderttausende unserer griechischen Mitbürger, die direkt oder indirekt Anteilseigner von Banktiteln sind.
  • Auf ausländische Kapitaleigner, die in unserem Land investierten und Verluste verzeichneten.

DEI: Griechenland war nicht nur verpflichtet, den inländischen Energiemarkt zu liberalisieren, sondern parallel war den Experten bekannt, dass die Öffentliche Elektrizitätsgesellschaft (DEI) sehr wahrscheinlich zukünftigen Finanzierungsthemen begegnen wird. Aus diesem Grund war von europäischer und griechischer Seite das Modell der sogenannten „kleinen DEI“ vorgeschlagen worden, worauf die SYRIZA – damals in der Opposition – dynamisch reagierte und von einem „Ausverkauf“ sprach.

Als Regierung adoptierte die SYRIZA mit Verspätung ein unterschiedliches Modell zur Anpassung der DEI an die neuen Gegebenheiten, das nebulös, ineffektiv und dermaßen komplex war, dass es auch heute immer noch nicht vollendet worden ist. Die Resultate dieser erfolglosen Politik? Von einer im Jahr 2014 Gewinne (+91 Mio. Euro) einfahrenden Gesellschaft war die DEI im Jahr 2018 gezwungen, Verluste in Höhe von 904 Mio. Euro auszuweisen! Wir sprechen von einem Unterschied einer ganzen Milliarde Euro!

Was den Preis ihrer Aktie an der Athener Börse betrifft, sank diese von 11,21 Euro am 27/05/2014 auf 5,63 Euro am 23/01/2015 (aus Angst angesichts der Stornierung der „kleinen DEI“ und der SYRIZA-Regierungsführung) und ist heute auf das Niveau von 1,65 Euro abgestürzt … . Wenn man einbezieht, dass die DEI 232 Mio. Aktien hat, sank ihr Wert unter der SYRIZA-Regierung um 923,3 Mio. Euro! (Anmerkung: Jedenfalls ist auch die Abspaltung des ADMIE zu berücksichtigen.)

Wem wurde – ohne es auch nur zu wissen – der „Tribut“ aus diesem „Loch“ aufgebürdet? Hauptsächlich dem griechischen Fiskus (sprich den Steuerzahlern) und in zweiter Linie zehntausenden Investoren – unserer Mitbürger, die beschlossen, der konkreten staatlichen Gesellschaft zu vertrauen … . Das Problem der DEI ist aber sogar sehr viel weitflächiger als die vorstehenden (ungeheuren) Verluste und es wird erwartet, dass es für die sich am 07 Juli ergebende neue Regierung eine „heiße Kartoffel“ darstellen wird.

EYDAP – Attica Bank: Die staatlich kontrollierte „Gesellschaft für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung der Hauptstadt“ (EYDAP) entschied gegen Ende 2015 (und zwar sogar auf Beschluss ihres Vorstands), 20 Mio. Euro in bar zu entrichten um sich an der damaligen von der Attica Bank betriebenen Aktienkapitalerhöhung zu beteiligen. Obwohl das breitere Interesse an der konkreten Investition schwach war (die Emission wurde nicht vollständig gezeichnet), beteiligte sich die staatliche EYDAP aus hauptsächlich politischen Gründen, also damit die Leitung der Bank in griechischen Händen verbleibt (und nicht in die Kontrolle der Troika und der Gläubiger übergeht).

Der weitere Verlauf ist mehr oder weniger bekannt. Die Aktie der Attica Bank ist abgestürzt und die 20 Mio. Euro der EYDAP (also im Wesentlichen des griechischen Steuerzahlers) sind fast weg … . Ein Vielfaches betragende Verluste hat aus den Entwicklungen bei der Attica Bank natürlich die Kasse der Ingenieure (TSMEDE) erlitten.

Schlussfolgerung: Alle zusammen können wir es schaffen!

Eine Regierung hat auf eine solche Weise zu agieren, dass sie indirekt Nutzen für ihre Bürger schafft und diesen keine „Abzockern“ aufbürdet, die sie gewöhnlich nicht wahrnehmen und somit keine politischen Kosten haben. Manche mögen vertreten, Griechenlands Bürger seien auch vor der Regierungsführung der SYRIZA und allgemein während der gesamten Nachkriegsperiode mit anderen „Abzocken“ belastet worden.

Dem werde ich nicht widersprechen. Das einzig Sichere ist, dass die griechische Gesellschaft heute vereinigt vorwärts zu blicken hat, die großen Fehler der Vergangenheit auf sich beruhend lassend. Das – welche Form auch immer habende – öffentliche Vermögen ist nicht nur mit „Frömmigkeit“, sondern auch mit beispielhafter Effizienz von erfahrenen Personen zu verwalten, die ihre Arbeit gut zu verrichten wissen.

Von der bekannten gottgefälligen Initiative das Motto stehlend würde ich also sagen, nach den Wahlen des 07 Juli 2019 „Alle zusammen können wir es schaffen“!

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Alexandros Moraitakis, Ökonom, ehemaliger ND-Abgeordneter im Wahlkreis Athen A‘)

  1. Kleoni
    4. Juni 2019, 14:45 | #1

    Aber mit wem? Hr. Tsipras? Hr. Mitsotakis hat schon angekündigt, dass er alles andere als SOZIALE Marktwirtschaft haben möchte, sondern im Sozialbereich einsparen, Wettbewerb verbessern durch Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, und vor allem hat er mit keinem Wort gesagt, wie er die Korruption, vor allem auch in den eigenen Reihen, ausschalten will. Griechenland hat die Wahl zwischen Teufel und Belzebub :/

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