Griechenlands Linke erträgt keine Niederlagen

1. Juni 2019 / Aufrufe: 518

Der Elitismus der Linken in Griechenland und die Stunde des Fastens und Betens.

Bevor die Griechen die Neugier erwarben, die SYRIZA-Frucht zu kosten, war das herrschende Dogma in der Welt „die Rechte regiert, die Linke denkt„. Dieser Mythos funktionierte, solange die Linke nicht regierte.

Mit dem spaltenden bürgerkriegsgeprägten Wort der Art „entweder wir oder sie“ als Waffe gewannen jedoch in Griechenland die Enkel der im Bürgerkrieg Besiegten 2015 die Macht.

Griechenlands Linke verdrängt Niederlagen

Ich beichte Ihnen: Dieses Jahr werde ich nie vergessen. Weil während seiner Dauer und speziell in der Wahlkampfperiode des Januars 2015 die Linke in ihrer Gesamtheit im Zenit des Elitismus angelangt war und dreist behauptete, es existiere auch ein anderer Weg für die Verhandlung mit den Gläubigern. Einen Weg, den – angeblich – wir, die „zurückgebliebenen“ Repräsentanten des „besiegten Griechenlands“, wie uns damals in den Kanälen ein Spitzenminister der gegenwärtigen Regierung mit Vergangenheit in der KKE nannte.

So nahmen die Repräsentanten des siegreichen Griechenlands die Dinge in die Hand. Und nach acht Monaten der Geduld, während deren Dauer wir den Abgrund unseres Lebens betrachteten, entdeckten wir wiederholt, dass die Leute keinerlei Plan hatten, und die berüchtigte Umschuldung endete in der Unterzeichnung des dritten Memorandums und der Festigung der deutschen Kolonialherrschaft. Zum Schluss zahlten wir auch … 100 Mrd. Euro Aufklärungslehrgeld um unseren Spiritus in Europa zu verbreiten. Pfui!

Die Linke lässt sich von Niederlagen aber nicht beeindrucken. Sie tut so, als ob sie nicht stattfanden, und macht dreist weiter. Sie tat so, als ob sie den Bürgerkrieg nicht verlor, geschweige denn schuld gewesen zu sein. Und investierte in die Botschaft. Und nach der Niederlage des Jahres 2015 die selbe Leier: „Wir verloren nicht, wir wurden zu einem taktischen Kompromiss gezwungen.

Die Europawahl verlor nicht Alexis Tsipras persönlich

Ungefähr so, mit der Dreistigkeit dessen, der aus seinen Fehlern und eingestandenen Illusionen nichts lernte, trat der in seinem Leben nicht einen einzigen Arbeitstag „geklebt“ habende Herr Premierminister Alexis Tsipras vor dem griechischen Volk auf um uns, die wir seit der Schulzeit arbeiten, im Wahlkampf die Theorie der zwei Welten zu „verkaufen“: der Welt der „Fortgeschrittenen“ der Linken, die das Kapital von den Yachten der Kapitalisten aus angreift, und der Welt der Elite, die angeblich die volksfreundliche Linke bekämpft. Der Welt, deren Anführer keinerlei Schuldgefühl empfindet, sich zu ihm von – wer weiß wem – irgendjemandem „eingeblasenen“ Zitaten von Brecht flüchtend die Mutation seiner Persönlichkeit zu rechtfertigen: „Wir haben uns zu ändern, damit wir keine Monumente unserer selbst bleiben.

Die Ohrfeige, die Herr Tsipras am 26 Mai 2019 an den Wahlurnen verpasst bekam, muss ihm ein für allemal eine Lehre geben: Die Europawahlen verlor nicht er selbst. In seiner Person wurden der Elitismus und der Ton einer Linken besiegt, die, während sie behauptet, alles zu wissen, praktisch gar nichts weiß. Tsipras hat tatsächlich als Monument seiner selbst verloren. Als Monument des selbigen Zachariadis im Jahr 1946, als Monument seines Mentors Alavanos, als Monument des unbußfertigen Maduro. Und wenn er an der Macht seiend etwas gelernt hat, lehrten in das die westliche Denkweise und seine verbündeten Amerikaner. Das muss Herr Tsipras gut vertiefen, wenn er würdevoll verlieren möchte. Nach dem ideologischen Varkiza der Linken und der Kapitulation des dritten Memorandums im Jahr 2015 machen für die Bürger die Dinge „eins plus eins gleich zwei„. Wenn dem anderen der Monatslohn nur für 20 Tage reicht, ist Brecht nicht genug.

Kurz gesagt, die Theorie der intelligenten Linken, die besser sehen als wir „Zurückgebliebene“, und mit jedem Blödsinn von denen wir uns abzufinden haben, ist keine Methode, das griechische Volk zu tangieren. Mit dieser Theorie ist Schluss. Sie ist zu Ende. Sie wurde besiegt. Und weil der Herr Premierminister uns sagte, seine Ideologie stehe dem Christentum nahe, ermuntern wir ihn: Üben Sie sich erst einmal in Fasten und Beten – in der Opposition -, bitten Sie um Vergebung, und danach unterhalten wir uns wieder.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Manolis Kottakis)

  1. Anton
    1. Juni 2019, 15:34 | #1

    Manolis Kottakis präsentiert eine etwas schräge Sicht auf „die Linken“. Die große Mehrheit der Linken folgte Tsipras nämlich nur so lange, wie er nicht gegen das mehrheitliche NEIN 2015 handelte. Dass die Unterschrift unter das Memorandum nicht die Lösung sein konnte, war bereits vielen Linken zu einem Zeitpunkt klar, als ND und Pasok noch völlig hilflos gegen die Mehrheit der Griechen für ein Ende der Memorandumspolitik standen. Erinnert sei hier nur an Theodorakis‘ Kritik an Tsipras. Die Niederlage der Linken war für viele Linke bereits 2015 vollendet. Nicht zufällig erwähnt Kottakis auch Varoufakis nicht, der schon damals klar erkannte, was die Folgen der Zwangsmaßnahmen der Troika sein werden. Es ist schon etwas albern, wenn Kottakis also von „den Linken“ bezüglich der Politik unter Tsipras spricht, obwohl gerade Teile der Linken mit ihrer Kritik an Tsipras ihm Jahre voraus waren. Doch was ist die Alternative? Um diesen Punkt drehte sich immer die Auseinandersetzung unter Linken. Nicht zufällig hat Kottakis hier überhaupt nichts anzubieten außer von „den Linken“ ein Bild zu konstruieren, was sowohl an den Problem der griechischen Wirtschaft vorbei geht als auch um die Frage einer linken Position zur der von ND und Pasok bereits vor 2015 verursachten Katastrophe. Nur mit Hass auf „die Linken“ allein, lässt sich keine Politik machen. Und bis jetzt profitieren ND und PASOK nur von einer Situation, die sie ja vor Tsipras selbst erst mit der Verschuldung erzeugten. Man darf auf ihre Lösung gespannt sein. Kottakis Beitrag dazu tendiert gegen Null.

Kommentare sind geschlossen