Griechenlands Banken als Makler für 100000 Immobilien

2. Juni 2019 / Aufrufe: 877

Das nächste große Ding nach den griechischen NLPs stellt Griechenlands Immobilienmarkt dar, der riesiges Interesse und lebhaften Lobbyismus ausländischer Investoren anzieht.

Die ausländischen Investoren drängeln sich, um in Griechenland noch vor den (auf den 07 Juli 2019 anberaumten) vorgezogenen Neuwahlen auf einem Markt Positionen einzunehmen, auf dem sie eine heftige „Aktivität“ und große Dynamik bei Preisanstieg und Renditen erkennen.

Die Platzierungen und Wartepositionen der Ausländer gehen mit einer aktiven Lobby-Arbeit einher und bereiten dabei den Boden für Änderungen bezüglich des Rahmens von Immobilienübertragungen vor.

Griechenlands Banken sitzen auf einem riesigen Immobilien-Berg

Capital.gr vorliegenden Informationen zufolge sind die von den Investoren für die nächste Regierung bereits eröffneten Themen eine Simplifizierung der Genehmigungs- und Übertragungsverfahren für Immobilien, ein günstigerer Besteuerungsstatus für die Übereignungen, Mieteinnahmen und Neubauten, eine Neuberechnung der Erhebung der ENFIA und eine Digitalisierung des sogenannten Nationalen Grundbuchs.

In petto ist somit bereits auch die schrittweise Neuordnung der Immobilien-Landschaft Griechenlands, die im unmittelbar nächsten Zeitraum mit den massenhafteren „Verbriefungen“ nicht bedienter Kredite (LNPs) und den Verkäufen von „Immobilienpaketen“ der Banken beginnen wird. Es werden „Bündel“ mit 30 bis 700 Objekten auf den Markt zu kommen beginnen, da die Banken innerhalb der kommenden drei Jahre einen Bestand von ungefähr 100.000 Immobilien handzuhaben werden.

Die „Troika“ veranschlagt diese bereits auf knapp 30.000 Immobilien, und mit dem Rhythmus, mit dem die Banken aus den (Zwangs-) Versteigerungen Immobilien erwerben, wird damit gerechnet, dass sie bis Ende 2021 noch wenigstens 65.000 weitere Immobilien erwerben werden! Den Informationen von Capital.gr zufolge gelangen bei jeder Bank aus Versteigerungen monatlich rund 250 – 300 neue Immobilien an.

Demnach stellt in diesem Moment die Handhabung der Immobilien ein riesiges Projekt dar. Griechenlands Banken befinden sich in einem Fieber der Kontaktaufnahme zu in der Verwaltung von Immobilien spezialisierten Gesellschaften, um nicht nur Immobilien-Portefeuilles zum Verkauf zu strukturieren und die strategische Verwaltung des Gesamtbestands auf die Bahn zu bringen, sondern auch mit der detaillierten Bestandsaufnahme der gesamten Immobiliarkredit-Portefeuilles zu beginnen.

Wie die Ausländer sich auf Griechenlands Immobilienmarkt bewegen

Für die ausländischen Investoren stellt der griechische Markt eine strategische Priorität dar, da die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hohen Renditen investive Züge bei verschiedenen Immobilienkategorien begünstigen. Derzeit befindet sich der griechische Immobilienmarkt in einem Übergangsstadium einer Stabilisierung, mit signifikanten Indizien eines Aufschwungs. Kraft des Marktes grundlegendes Kriterium ist der Tourismus, der die Wohnungen mittels der Ausbreitung der Kurzzeitmietungen und die gewerblichen Immobilien mittels der Entwicklung touristischer und ergänzender Nutzungen positiv beeinflusst.

Die ausländischen Käufer, bisher Einzelne und bald Funds, kommen aus China, USA, dem Mittlerem Osten, Japan, Australien und sogar auch Nigeria. Es handelt sich um sogenannte vermögende Privatpersonen (high net worth individuals), die sich unter unterschiedlichen Überlegungen auf ihren Märkten bewegen. Beispielsweise befindet sich von den auf ungefähr 70.000 veranschlagten Wohnungen, die über Kurzzeit-Plattformen (Airbnb) vermietet werden, ein signifikanter Teil im Besitz von Ausländern, hauptsächlich Chinesen. Letztere kaufen ebenfalls Häuser in den südlichen Vorstadtbezirken Athens zur eigenen Nutzung.

Amerikaner, Russen und reiche Europäer kaufen mit der Logik des Zweitwohnsitzes Häuser im Zentrum von Athen oder in populären touristischen Zielgebieten. Investoren aus Ländern des Mittleren Ostens – wie dem Libanon, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten – erwerben Immobilien hauptsächlich in den südlichen Vorstadtbezirken, die sie im weiteren Verlauf per konventioneller langfristiger Mietverträge an griechische Haushalte vermieten.

Wie Marktfunktionäre gegenüber Capital.gr anführen, hat sich abgesehen von den Wohn- und Gewerbeimmobilien in letzter Zeit eine Nachfrage nach Grundstücken zu äußern begonnen, die für eine Wohn- oder Gewerbenutzung entwickelt werden können. Die Nachfrage wird von dem Umstand verstärkt, dass die Banken, speziell wenn es sich um Grundstücke ohne Hypothek handelt und Vorverkäufe existieren, kombinierend auch zu einer Finanzierung der Käufe (development finance) schreiten können.

Banken rechnen mit Anstieg der Immobilienpreise in Griechenland

Wie die selben Funktionäre anmerken, kann der massenhafte Verkauf von Immobilien-Portefeuilles der Banken die Preise nach unten drücken, was jedoch vorläufig sein wird, da der Markt sich schrittweise stabilisieren wird. Mittelfristig wird erwartet, dass aus dem Rahmen der Entstehung neuer unternehmerischer Planungen die Verkäufe der Portefeuilles zu neuen Entwicklungen, der Aufwertung des verschmähten Bestands und der Mobilisierung ungenutzt gebliebener Vermögenswerten führen sollen. Folglich könnte das eventuelle Überangebot trotz der wie auch immer gearteten anfänglichen Auswirkung auf die Preise allmählich eine neue Nachfragewelle mit sehr positiven Auswirkungen in Gang setzen.

Hinter dem großen Interesse an den griechischen Immobilien befindet sich die Dynamik des Tourismus. Grundsätzlich wegen der großen Anzahl von Ankünften hat allein in Athen die Entwicklung von wenigstens zehn Anlagen begonnen oder wird umgehend beginnen, die sich entweder aus der Nutzungsänderung älterer Immobilien – hauptsächlich Büros – oder aus der Renovierung und Wiederinbetriebnahme von Anlagen ergeben haben, die für etliche Jahre leer standen und ungenutzt geblieben waren. Ein entsprechendes Interesse scheint auch die gesamte Küstenfront Attikas anzuziehen.

Die Banken schätzen, dass bei einem diesjährigen Anstieg des BIP um 2,2% die Immobilienpreise um 2,6% gestärkt werden. Weiter wird erachtet, dass ein Anstieg des BIP um 2,4% im Jahr 2020 und um 2,5% im Jahr 2021 zu einem Anstieg der Immobilienpreise um entsprechend 3,2% und 3,6% führen wird.

Jedenfalls wird angemerkt, dass der Anstieg des BIP nicht das alleinige Thema ist, damit der Immobilienmarkt einen stabil ansteigenden Rhythmus erlangt. Parallel besteht ein Bedürfnis nach weiteren Eingriffen zur Verbesserung der Gegebenheiten auf dem Sektor der Besteuerung, Transparenz und Simplifizierung der Abläufe, damit ein freundlicheres Investitionsumfeld geschaffen und ein tragfähiger und konstanter Kurs eines Aufschwungs und letztendlich einer Entwicklung des Immobilienmarkts sichergestellt wird.

(Quelle: capital.gr, Autorin: Nena Malliara)

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