Der Faktor Varoufakis in Griechenland

30. Juni 2019 / Aktualisiert: 30. Juni 2019 / Aufrufe: 717

Der wirkliche Gegner für Kyriakos Mitsotakis und die ND bei den Parlamentswahlen in Griechenland am 07 Juli 2019 ist die Partei MeRA25.

Das „Championat“ der Nea Dimokratia (ND) bei den Europawahlen 2019 wurde im Zentrum entschieden. Über ihre (Regierungs-) Autonomie wird jedoch bei den Parlamentswahlen am 07 Juli 2019 rechts von ihr entschieden werden.

Und dort wird der Einzug (oder nicht) der rapide schwächer werdenden Goldenen Morgenröte (Chrysi Avgi / Michaliolakos), der instabilen Griechen Lösung (Elliniki Lysi, Velopoulos) und – hört, hört, hier die Überraschung! – der Partei MeRA25 des ungestümen Yanis Varoufakis in das griechische Parlament eine signifikante Rolle spielen.

MeRA25 ist Gegner der politischen Stabilität in Griechenland

Ein Fünfparteien-Parlament wird der ND eine komfortable (Regierungs-) Unabhängigkeit verleihen, zu einer bequemen Ministerpräsidentschaft des Kayriakos Mitsotakis führen und die notwendige politische Stabilität im Land festigen. Ein Sechsparteien-Parlament wird das selbe Resultat liefern, aber beschnitten. Ein Parlament mit sieben Parteien wird Griechenland jedoch voraussichtlich in neue Abenteuer führen.

Das Video mit meiner ersten persönlichen Einschätzung über das Ergebnis am Abend der Europawahlen 2019 existiert (bei der ERT). Um nicht die Atmosphäre zu verderben, betonte ich seitdem schüchtern die Gefahr des Parlaments mit sieben Parteien. Heute werde ich einen Schritt weiter gehen. Der wirkliche Gegner des Kyriakos Mitsotakis auf dem Kurs zur Autonomie ist weder die Goldene Morgenröte noch Kyriakos Velopoulos. Wenn man in der Parteizentrale der ND klug ist, weiß man, wie und welche Personen die Verantwortung übernehmen werden, diese Leute anzusprechen, die zum letzten Mal 2009 und seitdem nicht mehr die ND wählten. Auf das sich von selbst Verstehende sei nicht weiter eingegangen … .

Der wirkliche Gegner des Kyriakos Mitsotakis auf dem Weg zu einer klaren Autonomie ist auch nicht einmal Alexis Tsipras. Der wirkliche Gegner ist die Partei MeRA25. Und zwar aus wahlarithmetischen, aber auch Gründen tiefster politischer Essenz, die sich primär auf die Zukunft und sekundär auf die Vergangenheit des Jahres 2015 beziehen. Ich erkläre:

Diese Partei ist Gegner der ND, jedoch im weiteren Sinn der politischen Stabilität und Normalität im Land, da das Reservoir ihrer (bezüglich ihrer Ansichten in den nationalen Themen uninformierten) Wähler hauptsächlich von rechts und sekundär von links herrührt, wie irrig eingeschätzt wurde. MeRA25 erhielt laut Giannis Anastasakos 17,99% der SYRIZA-Wähler, 12,13% der ND- Wähler, 16,28% der Potami-Wähler, 12,82% der ANEL-Wähler, 2,5% der Wähler der Goldenen Morgenröte und 9,23% der Wähler der Zentrumsunion.

Varoufakis‘ MeRA25 will regulierende Kraft in Griechenland werden

MeRA25 ist ein Gegner mit zukunftsbezogenen Termini, weil die – den ehemaligen Wählern der ANEL, der Goldenen Morgenröte und des Herrn Leventis natürlich unbekannten – Ansichten, die Yanis Varoufakis bezüglich der nationalen Themen verkündet, außerhalb der Leitlinien der griechischen Außenpolitik und der Allianzen in der Region liegen. Er fordert eine gemeinsame Nutzung mit den Türken in der Ägäis, übt heftige Kritik an Israel und Zypern aus, erklärt Bewunderung für den Iran, betrachtet außer der Bevölkerung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik bzw. nunmehr Nordmakedoniens sogar auch die Bulgaren als „Makedonen“, propagiert sogar auch die offenen Grenzen. Was haben mit all dem das Land und jene zu tun, die ihn bei den Europawahlen wählten? Abgesehen von all dem glaube ich noch etwas – und mögen es die Wähler beurteilen, wir sagen niemandem, was er an der Wahlurne tun soll, wir sind liberal und sagen einfach nur unsere Meinung:

Varoufakis‘ politischer Vorschlag ist auch aus vergangenheitsbezogenen Gründen zu missbilligen. Es geht nicht an, dass – Tsipras riss wenigstens zum Schluss das Steuer herum – der Mensch honoriert wird, der (Gott weiß, aus welchem Grund) den Plan B zum Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone umsetzten wollte. In dem Moment, wo enthüllt wird (siehe „Der letzte Bluff“, Eleni Varvitsioti – Viktoria Dendrinou, Ausgaben Papadopoulos), dass der geheime Plan der Europäischen Kommission für den Grexit eine Abwertung der Währung um 50%, einen „Schnitt“ der Bankguthaben um wenigstens 50%, eine Verdoppelung der öffentlichen Verschuldung wegen Einführung der Drachme, ein neues Memorandum (!), ein Problem direkten Überlebens (Medikamente, Kleidung, Ernährung) bei 20% der Bevölkerung vorsah, hat der Referent der Parallelwährung die Dreistigkeit, das griechische Volk um seine Stimme zu bitten? Anstatt den privilegierten Blick aus seiner Villa auf Ägina zu genießen und Gott zu danken, dass die Griechen Lotophagen sind und vergessen, hat er obendrein den Anspruch, regulierende Kraft der Stabilität zu werden?

Unsere – welchen auch immer, wahrscheinlich geringen Wert habende – Meinung ist „nein“. Die Skelette, die der ehemalige Finanzminister in seinem Schrank hat, sind ein ganzer Berg. Wir wundern uns über seine Dreistigkeit … . Aber, wie auch immer, dies ist unsere Ansicht. Die Griechen zeigen sich in diesem Moment bereit, ihn für den Mut zu honorieren, ihnen den Abgrund zu zeigen. Wir legen dies „for the record“ dar. Weil wir einschätzen, dass, wenn die MeRA25 in das griechische Parlament einzieht, Momente kommen werden, die uns auf bittere Weise Recht geben werden. Das sollen wir wenigsten gesagt haben.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Manolis Kottakis)

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