Konsum bringt Griechenland nicht das Wachstum

14. Mai 2019 / Aufrufe: 343

Ein Land wie Griechenland darf sein Wachstum nicht auf den Konsum gründen.

Die Konsumaufwendung darf dem Wachstum nicht im Weg stehen, in einem Land mit einer kleinen Produktivbasis wie Griechenland aber auch nicht als Wachstums-Dampfmaschine betrachtet werden.

Das Leichte für die Politiker ist, Geld zu verteilen, Steuern zu senken und allgemein angenehm zu sein. Wenn dies jedoch über einen großen Zeitraum geschieht und mit geliehenem Geld finanziert wird, kumuliert das Land Schulden und läuft in Gefahr, dass die Märkte ihm kein Geld leihen, damit an den Rand des Bankrotts gelangend.

Griechenland ging in seiner modernen Geschichte bereits 7 Mal pleite

Griechenland ist in seiner modernen Geschichte 7 Mal bankrott gegangen. Im Durchschnitt ungefähr alle 30 Jahre ein Bankrott, mit dem letzten im Jahr 2010 – formal 2012 -, begleitet von einer ausgedehnten Periode großer Austerität.

Es ist logisch, dass in einer Demokratie nach der größten Rezession, die in der modernen Geschichte ein entwickeltes Land durchlebt hat, auf Leistungen gedrängt wird. Und es ist ein Recht ihrer demokratisch gewählten Regierung, welchen Überschuss auch immer so zu verteilen, wie sie es für richtig hält. Als wir uns neulich auf dieses Thema bezogen, hielten wir bei zwei Punkten inne:

  • Erstens der Notwendigkeit, dass der Staat seine fälligen Schulden tilgt, bevor er mit wie auch immer gearteten Leistungen beginnt.
  • Zweitens die Vereinbarungen einzuhalten, die er unterschrieben hat, hauptsächlich hinsichtlich der Zielvorgabe für den Primärüberschuss, außer wenn er die Gläubiger zu überzeugen schafft, die Messlatte zu senken, damit er keine Reibereien schafft und den Zugang zu den Märkten verliert.

Wie wir erwarteten, ist die Reaktion des Herrn Dombrovskis und anderer Gemeinschaftsfaktoren hinsichtlich der Verwendung eines Teils der Liquiditätsreserve zur Deckung einer eventuellen Differenz des realen Überschusses zur Zielvorgabe (fiskalische Lücke) in der Periode 2020 – 2022 zwar vorsichtig, jedoch – wie wir einschätzen – negativ. Und dies, weil wir erachten, dass die Liquiditätsreserve aus Krediten besteht.

Griechenland braucht Anreize für Sparen, Investitionen und Exporte

Unserer bescheidenen Meinung nach existiert aber noch ein weiteres Thema. Das jüngst von dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras bekannt gegebene (Leistungs-) Paket ist auf Maßnahmen ausgerichtet, die zum Anstieg des Konsums führen. Es ist logisch, dass welche Regierung auch immer nicht den Rückgang des ungefähr 88% des BIP entsprechenden Konsums möchte, damit die Wirtschaft nicht in einen Sumpf gerät. Jedoch kann Griechenland ab dem Moment, wo es über keine entsprechende Produktivbasis verfügt, das Wachstum nicht auf den Konsum gründen. Ein signifikanter Anstieg des Konsums könnte der Wirtschaft kurzfristig einen Impuls verleihen, sie jedoch mittelfristig mittels der Abflüsse zu den Importen und des Anstiegs der Verschuldung verwunden.

Es sei angemerkt, dass der Konsum in Griechenland hoch ist, da er seit 2005 laut dem CEP 100% und mehr des verfügbaren Einkommens vertritt, gegenüber 90% – 95% in der Eurozone. Zu der selben Schlussfolgerung gelangt man auch auf Basis des hohen Verhältnisses des Konsums zum BIP. Weiter ist zu betonen, dass die Konsum-Gesamtaufwendung in Griechenland seit 2009 bis einschließlich 2016 einem rückläufigen Kurs folgte, in den beiden letzten Jahren aber wieder steigt. Eine ähnliche Tendenz zeigt der private Konsum, der sich 2018 laut den Angaben der Europäischen Kommission auf 125,6 Mrd. Euro belief, gegenüber 161 Mrd. Euro der Gesamtaufwendung. Zum Vergleich: 2009 gaben privater Sektor und Staat insgesamt 217,6 Mrd. Euro aus.

Die Senkung der Verbrauchssteuern – wie der MwSt. – begünstigt offensichtlich den weiteren Anstieg des Konsums und hat politischen Nutzen für die Regierenden. Wir begreifen, dass unsere Position weder populär noch politisch korrekt ist. Was Griechenland jedoch hauptsächlich braucht, ist eine Stärkung der Anreize zum Sparen, für Investitionen und Exporte. Je länger wir dies ignorieren, um so teurer werden wir es bezahlen.

Für Länder wie Griechenland mit hoher Verschuldung und ohne ausreichende produktive Basis kann der Konsum leider nicht die Wachstums-Dampfmaschine darstellen.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. GR-Block
    15. Mai 2019, 20:14 | #1

    Griechenland braucht Anreize für Sparen, Investitionen und Exporte“ – Richtig, und eine einzige Maßnahme nach Trump’schem Vorbild würde das herbeiführen. Man minimiert den unfairen Handel durch nationale Strafzölle gegen die EU-subventionierten Handelsgegner (wie z.B Zucker- und Milchproduzenten). Konzerne, die in GR nicht produzieren wollen, werden zur Kasse gebeten. So einfach ist das. Das bringt sofort zusätzliche Staatseinnahmen, außerdem erhöht es deren Anreiz, im Land zu investieren, sodass sich die Handelsbilanz automatisch ausgleicht. Nur so könnte der Konsum zur Dampfmaschine werden. Und für die anderen Europäer ist das Beste daran: sie bräuchten weniger zu arbeiten, weil die Griechen selbst produzieren würden. Was will man mehr?

    … dass der Konsum in Griechenland hoch ist, da er seit 2005 laut dem CEP 100% und mehr des verfügbaren Einkommens vertritt …“ – Prima, die Griechen haben das Perpetuum Mobile des € erfunden! Ja ja, die Milchmädchen vom CEP mal wieder. 60% der Griechen unter 30 sind arbeitslos, der Rest unterbezahlt. Sie leben deshalb von der Verwandtschaft, konsumieren also mehr als sie (selbst) verdienen. Fakt ist, der Grieche konsumiert privat (125,6 Mrd € : 10,8 Mio =) 12.000 € pro Jahr, der Deutsche 22.000 € (statista.com).

    Zu der selben Schlussfolgerung gelangt man auch auf Basis des hohen Verhältnisses des Konsums zum BIP.“ – Kein Wunder, GR ist ja ein typisches niedrig-BIP-Land. Und zwar, weil Griechen z. B. kaum Mieten zahlen. In D entrichtet jeder Zweite Miete, und die macht immerhin 30% – 40% des Einkommens der Privathaushalte aus. Das treibt das BIP in die Höhe und „faked“ nebenbei niedrige Steuerhinterziehung und Militärausgaben.

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