Griechenlands teurer parlamentarischer EU-Tourismus

17. Mai 2019 / Aufrufe: 655

Die enormen Bezüge der Repräsentanten, die sich Griechenlands Volk wieder mit seiner Stimme zu ehren anschickt.

Die Heftigkeit, Eskalation und Großmäuligkeit der persönlichen Attacken zwischen den Protagonisten des politischen Lebens in Griechenland, einen Atemzug vor den anstehenden Kommunal- und Europa-Wahlen, werden von der Trophäe der Herrschaft, also der Chance auf Zugang zu Geld und Macht gerechtfertigt.

Eine detaillierte Analyse der Vitae der Parteikandidaten für das Europäische Parlament würde tatsächlich enthüllen, dass die Qualifikationen der Mehrheit derjenigen, die den Finger in den Honigtopf zu stecken anstreben, nicht auf der internationalen Erfahrung und Fähigkeit in den politischen Verhandlungen der Anwärter, ihren Sprachkenntnissen oder ihrem hinreichenden Wissen in der Komplexität des Spektrums der europäischen Probleme der Gesellschaft, der Wirtschaft, der internationalen Beziehungen, des Beschäftigungsumfelds oder der Forschung und Technologie basiert.

Jeder EU-Abgeordnete kostet Griechenland monatlich bis über 40.000 €

Eine simple Überprüfung ihrer Lebensläufe würde feststellen, dass eine Anzahl an Kandidaten mit großer Wahrscheinlichkeit, in das EU-Parlament gewählt zu werden, niemals lernten, dass die Slowakei und Slowenien verschiedene Länder darstellen, geschweige denn die Namen der Hauptstädte dieser Länder kennen.

Nichtsdestotrotz sind sie ungeachtet ihrer Unwissenheit von den Parteimechanismen – also dem jeweiligen Parteivorsitzenden – ausgewählt worden, Griechenland im Europa-Parlament mit einziger Qualifikation die sie von der parteilichen Macht (-zentrale) trennenden Entfernung zu vertreten, weil im Fall ihrer Wahl zu Europa-Abgeordneten die wirtschaftlichen Bezüge außerhalb der Alltagsrealität eines verarmten Landes liegen. Wenn jedoch die Unwissenheit mit der Lüge und bewussten Desinformation verbunden wird, stellt sie eine wirkliche Provokation und Beschimpfung dar.

Bei einer neulich im griechischen Fernsehen ausgestrahlten Diskussion führte ein kandidierender EU-Abgeordneter nach einschlägiger Frage und Stellungnahme an, dass die monatlichen Bezüge der Europa-Parlamentarier nach Abzug der Steuern auf 6.611 Euro betragen – wobei er natürlich überging, sich auf den auf den „Schwanz“ der wirtschaftlichen Bezüge und Privilegien zu beziehen, die größer als der „Korpus“ sind.

So unterließ der Kandidat also anzuführen, dass die Vergütungen der Europa-Abgeordneten außer der monatlichen Diät die allgemeine Ausgabenzulage von monatlich 4.343 Euro, Personalkosten von monatlich 24.164 Euro (gewöhnlich werden Verwandte, Freundinnen oder Freunde eingestellt), eine Tagesentschädigung von 306 Euro, wenn sie Griechenland besuchen (im Durchschnitt 12 Tage im Monat, also monatlich 3,672 Euro), eine spezielle monatliche Reisezulage von 355 Euro für Kaffees und Bewirtungen und Flugtickets nach Griechenland mit der Begründung des Besuchs in ihrem Wahlbezirk (Mindestkosten monatlich 2.000 Euro) umfassen.

Ohne dass die weiteren wirtschaftlichen Vorteile (wie spezielles Rentenschema, Hausratentschädigung usw. usw.) berücksichtigt werden, belaufen sich somit also, wenn ich die Addition richtig durchführte, die monatlichen Gesamtbezüge der Europa-Väter und -Mütter unseres ruhmreichen Landes auf den Nettobetrag von monatlich 41.144 Euro.

Griechenlands Volk wird wieder seine (un-) „fähigsten“ Vertreter wählen

Ich erinnere mich, dass in den alten ruhmvollen Tagen der Olympic Airways der PASOK und Nea Dimokratia (ND) jeden Freitag der Flug der Olympic Airways von Brüssel nach Athen über Straßburg – sprich den Sitz des Europaparlaments – erfolgte, ohne dass die Passagiere es wussten und ohne dass der Umweg von der Gesellschaft bei den Fluginformationen vorab bekannt gegeben wurde, damit die Europa-Abgeordneten in die erste Klasse zusteigen konnten, die bei Ankunft des Flugzeugs mit stolzer Mine nach vorne, hinten, rechts und links zu den durch die Verspätung überstrapazierten Passagieren der zweiten Klasse schauten um festzustellen, dass sie immer noch weiterhin „erkennbar“ sind.

Ein normalerweise dreieinhalbstündiger Flug von Brüssel nach Athen dauerte somit auch schon mal bis zu über 10 Stunden, weil das Flugzeug angewiesen war, auf die sich verspätenden Europaparlamentarier oder zu Besuch gekommenen Minister zu warten, die gewöhnlich mit sogar bis zu dreistündiger Verspätung zustiegen. Das am meisten Beeindruckende ist aber, dass sich darüber niemals ein Passagier beschwerte. Ganz im Gegenteil, sie gafften die Parlamentarier immer mit offenem Mund und Ehrfurcht an, sich als Glückspilze fühlend, dei es auch nur einmal in ihrem Leben zusammen mit diesen im Fernsehen gezeigten „Halbgöttern“ reisen zu können.

So wird also das gesamte selbe Volk, das trotz seiner Erniedrigung und Strapaze die Europa-Abgeordneten im Flugzeug mit Ehrfurcht anstarrte, ein weiteres Mal zu den Wahlurnen strömen um ohne Kriterien einer Logik zu wählen, wer von den Kandidaten seine Vermögenswerte effizienter zu den Deutschen bringen wird, wer die fähigsten unserer Kinder auswählt, Griechenland zu verlassen, wer unsere Renten am meisten kürzen wird, wer für die Durchsetzung einer noch schwereren Besteuerung der griechischen Gesellschaft und Produktion plädieren wird, wer die Wirtschaft Griechenlands effizienter zerschlagen wird, wer uns durch wirtschaftlich ausgenutzte Ausländer ersetzen wird – auf dass mit unserem Geld, unseren Steuern, unserem Vermögen und unserem Blut der „Fähigste“ den teuersten parlamentarischen Tourismus in Europa machen kann.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Alkiviadis Konstantinos Kefalas, Doktor der Physik der Universität Manchester / UK, Forschungsleiter der Nationalen Stiftung für Forschungen)

  1. Ellen
    17. Mai 2019, 14:20 | #1

    Wie beschrieben, so ist es nun einmal und wird sich je was ändern?
    Die Osmanen verließen das Land und ihr System blieb bis heute erhalten. Das Geld unter der Matratze, Gefälligkeiten gegen „Fakelaki“, und bei den Wahlen wählen wir einen der „Unsrigen“. Einen „von uns“, der Sippe und Bekanntschaft, von dem erwartet wird, dass er was für uns tut. Keiner kommt auf die Idee zu fragen, wer tut was für Alle, wer will den Bezirk voranbringen, alle warten auf ihren Helfer in der Not, der für Stellen und Vorteile sorgen soll. Und zu allem dann auch der Segen der Kirche, auch da sind die Verhältnisse zweigeteilt, hüben jene, die was zu geben haben, und drüben die anderen, die was erwarten. Um die Reichen kümmert sich die Kirche, um die Armen muss Gott sich kümmern.

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