Schäuble stand wegen Griechenland vor dem Rücktritt

24. März 2019 / Aufrufe: 1.096

Wie 2015 der vorgeschlagene Grexit beinahe zu einem Schäuble-xit geführt hätte.

Über zehn Jahre nach den ersten Anzeichen und dem Ausbruch der Krise in Griechenland ist eine der Fragen, die einen beachtlichen Teil des griechischen Volkes beschäftigen: Warum solche Wut des ehemaligen deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble mit Griechenland?

Neun Jahre nach der Flucht in die „Umarmung“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) und nach drei Memoranden „auf dem Buckel“ des griechischen Volks wird der große Kulissenhintergrund enthüllt.

Nötige Reformen wären in einer Demokratie nicht erreichbar gewesen

Wolfgang Schäuble glaubte von Anfang an, Griechenland müsse aus der Eurozone ausscheiden, damit seine Wirtschaft sich erholt, indem es zur Abwertung seiner Währung schreitet, um wettbewerbsfähig zu werden. Als er Angela Merkel 2015 zum zweiten Mal den Grexit vorschlug, lehnte die deutsche Kanzlerin dies diskussionslos ab und brachte damit Schäuble bis auf einen Schritt an seinen Rücktritt, also kurz vor den … Schäuble-Exit!

Wolfgang Schäuble machte die Enthüllungen über die Diskussionen hinter den Kulissen hinsichtlich der Zukunft Griechenlands gegenüber der Financial Times, von Anfang an seine Position setzend: „Griechenland hätte niemals in den Club der Eurozone eintreten dürfen. Als die Schuldenkrise Griechenlands ausbrach, hätte es ein zehnjähriges Time-out machen müssen„, sagte der deutsche Politiker und fügte an, der erste, dem er seine Überlegung dargelegt hatte, sei Griechenlands ehemaliger Finanzminister Giorgos Papakonstantinou gewesen, der das bedeutsame Ministerium ab 2009 bis 2011 übernahm.

Ich sagte ihm, Ihr müsst Eure Währung abwerten können, ihr seid nicht wettbewerbsfähig. Die Reformen, die erforderlich wären, damit die griechische Wirtschaft korrigiert wird, würden in einer Demokratie schwer zu erreichen sein. Deswegen müsst ihr den Euro für einen konkreten Zeitraum verlassen. Jedoch sagten alle, dass dies auf keinen Fall geschehen würde„, erklärt Schäuble.

2015 bezog er dynamisch erneut die selbe Position. Weil seinem Vorschlag bezüglich eines vorläufigen Grexit’s nicht stattgegebenen wurde, gelangte er damals – wie er enthüllte – an die Grenze des Rücktritts. „An dem Morgen, an dem der Beschluss gefasst wurde, sagte Merkel zu mir: ‚Wirst Du weitermachen?‘ Aber das war einer der Fälle, in dem wir sehr nah an meinem Rücktritt waren„, erklärte Wolfgang Schäuble charakteristisch.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. GR-Block
    24. März 2019, 13:20 | #1

    Unglaubwürdig! Die Idee die griechische Lage auszunutzen, um europäische Steuergelder am Gesetz vorbei in die Finanzwirtschaft zu pumpen, stammt sicherlich nicht von Papakonstantinou. Schließlich hatte die Regierung Papandreou zuerst den IWF um technische Hilfe gebeten. Was ja auch letztendlich bewilligt wurde. Dem Volk wurde vorgegaukelt, dass GR die „dringend“ notwendigen 30 Mrd. erhielt, aber dafür gezwungen wurde, den Wohlstand der Menschen zu kürzen. Tatsächlich ist der IWF aber nur der Steigbügelhalter für den Premierminister gewesen.

    Das Neue im Falle GR war, dass ein EU-Land den IWF-Service in Anspruch nahm und zwar in einer Zeit als der IWF-Chef Ambitionen hatte, Präsident eines EURO-Landes zu werden. Deshalb hatte er den IWF-Service mit der Bedingung verknüpft, den EURO-Staaten die Veruntreuung von Steuergeldern zu ermöglichen. Papandreou/Papakonstantinou willigten ein, die Demokratie auf Eis zu legen. Sie wussten ja noch nicht, wie weit die EURO GROUP da gehen würde. Auf keinen Fall hätten Dijsselbloem und Schäuble GR dabei unterstützt, den EURO zu verlassen. Nachdem das erste Paket (107 Mrd) unterschrieben war, hatten sie nämlich Blut gelegt. Weil Papandreou seinen Beschluss bereute und ein Referendum ankündigte, standen alle auf und halfen, ihn aus dem Amt zu mobben. Der Nutznießer Samaras verkaufte seine Seele und unterschrieb ein zweites Paket über 130 Mrd. GR durfte den EURO auf keinen Fall verlassen. Abermals wurden europäische Steuergelder ohne Not in die Finanzwirtschaft gepumpt, wieder über griechische Konten. Obama wurde ganz neidisch und klagte den IWF-Chef aus dem Amt.

    Herr Schäuble ist erst 2015 tatsächlich an die Grenze gekommen, als er sah, dass sein gut aussehender griechischer Amtskollege sowohl in GR als auch in der Rest-EU Gehör fand und die Veruntreuung anprangerte. Als die Griechen dann auch noch ihr Referendum nachholten, war die Hoffnung, noch ein drittes Paket zu platzieren vollends geschwunden… bis Tsipras ein Einsehen hatte. Mit gutem Grund. Schließlich hatte dieses Paket mit GR gar nichts zu tun. Der 30 Mrd IWF-Kredit war schon in den ersten zwei Paketen ausgezahlt und der größte Teil davon von Samaras und Tsipras zurückgezahlt worden. Das dritte Paket betraf nur die Veruntreuung von europäischen Steuergeldern für die Finanzwirtschaft, keinen zusätzlichen Kredit für GR.

    Aber warum behauptet Wolfgang ein-jeder-kehr-vor-seiner-Tür Schäuble ausgerechnet jetzt diesen Unsinn, Merkel hätte sich gegen ihn durchgesetzt. Ist es schlechter Stil, jetzt wo Merkel schwächelt? Sind es alte Rechnungen? Sind es Anzeichen von Senilität? Oder… hat etwa Kramp-Karrenbauer einen Deal mit ihm gemacht? Gefällt ihm sein Berliner Altersruhesitz nicht mehr?
    Könnte es sein, dass demnächst das Amt des Finanzministers vakant sein sollte? Fragen über Fragen…

  2. Anton
    24. März 2019, 15:40 | #2

    Was da Schäuble heute erklärt, kann man nun glauben oder nicht. Zumindest sollte man die Enthüllungen von Varoufakis zum Thema „Schäuble“ mit heranziehen.

  3. Einberger Waltraud
    24. März 2019, 23:26 | #3

    Ich bin ein grosser Fan von Yannis Varoufakis, unbedingt die Enthüllungen zum Thema Schäuble mit heranziehen.

  4. peter mayer
    25. März 2019, 19:19 | #4

    Schäuble hat in jede Hinsicht recht. Merkel hätte schon längst abhauen müssen, und nicht das gesamte Europe ruinieren. In Greichenland hätte Varaufakis bleiben müssen. Aber die Welt ist verrückt.

  5. Ronald
    27. März 2019, 17:33 | #5

    „Grexit auf Zeit“ hieß das Zauberwort. Schäuble hat immer gesagt, dass ein Schuldenschnitt nur so möglich wäre, respektive ein Schuldenschnitt mit der Mitgliedschaft in der Währungsunion unvereinbar. Er bekam von beiden Seiten Schläge: Von der den Gläubigern der EU, deren Banken die Forderungen gegenüber Griechenland hätten offiziell abschreiben müssen und von Griechenland, die (natürlich) eine Falle witterten.

  6. Europäer
    2. April 2019, 00:27 | #6

    Jetzt haben wir die Chance, Prof. Varoufakis ins Europ. Parlament zu wählen. Wenn er es schafft, seinen Green New Deal zu arrangieren, bekäme Griechenland jede Menge Investitionen und man kann sich auf den Klimawandel einrichten in ganz Europa.

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