Griechenland muss Arbeitsproduktivität steigern

9. Februar 2019 / Aufrufe: 487
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Wenn wie in Griechenland die Menschen im Vergleich zu anderen Ländern mehr Stunden arbeiten, jedoch viel weniger produzieren, läuft etwas überhaupt nicht gut.

Vor einigen Tagen gab die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Angaben für 2017 in Zusammenhang mit der Arbeitsproduktivität in Griechenland und seinen übrigen Mitgliedsländern an die Öffentlichkeit.

Unter insgesamt 36 Staaten rangiert Griechenland sich auf Platz 29, während Irland, das Ende 2013 aus dem Memorandum herauskam, den ersten Rang bei Arbeitsproduktivität belegt.

In Griechenland wurden 2017 nur 43,8 $ / Stunde erwirtschaftet

Bevor wir fortfahren sollte an dieser Stelle jedoch erklärt werden, dass die Messung der Arbeitsproduktivität überhaupt keine einfache Sache ist. Und dies, weil Qualitätsfaktoren wie die Qualität der Arbeit, der Wert des erzeugten Produkts, der umgekehrt analog zur Menge sein kann, und andere Größen mitspielen. Dies gilt insbesondere bei den sogenannten Wissens-Arbeitern wie z. B. Software-Programmierern, die entweder Routinearbeiten oder sich nicht wiederholende Arbeiten ausführen können.

Im vorliegenden Fall bedient die OECD sich des je Arbeitsstunde generierten Produkts (BIP) um die Arbeitsproduktivität in jedem Land zu messen. Die Fakten sind von Interesse, weil sie zeigen, dass die Beschäftigten in Ländern mit vergleichsweise niedrigerer Arbeitsproduktivität –  wie Griechenland oder Mexiko – sehr viel mehr Stunden arbeiten.

In Irland waren bei einer durchschnittlichen Arbeitsproduktivität von 99,5 Dollar im Jahr 2017 die jährlichen Arbeitsstunden im Durchschnitt 1.738. In Norwegen waren es bei 83,1 Dollar 1.419 Stunden, in Deutschland bei 72,2 Dollar 1.356 Stunden und in den USA mit einer Arbeitsproduktivität von 72 Dollar im Durchschnitt 1.780 Stunden jährlich. In Griechenland mit seinen 43,8 Dollar werden die jährlichen Gesamtarbeitsstunden auf 1.906 veranschlagt.

Arbeitsproduktivität in Griechenland geht seit Jahren zurück

Jemand mit einem weiteren, internationalen Horizont mag die vorstehenden Angaben nutzen um zu vertreten, die Reduzierung der Arbeitstage von fünf auf vier in der Woche könne die Produktivität steigern, ohne das erzeugte Produkt zu beeinflussen. Wenn sich jedoch sein Interesse auf die Leistungen Griechenlands fokussiert, sind die Zahlen überhaupt nicht zufriedenstellend. Noch viel weniger, wenn er einen Blick auf die von der OECD angeführte jährliche Änderung des generierten Produkts (BIP) je Arbeitsstunde in konstanten Werten wirft. Seit 2008 bis einschließlich 2017 waren die jährlichen Änderungen des Arbeitsproduktivitäts-Index alle negativ, mit Ausnahme das Jahr 2010, in dem sie unverändert blieb, und das Jahr 2014, in dem sie positiv ausfiel.

Mit dem Umstand als gegeben, dass der langfristige Wachstumsrhythmus einer Wirtschaft direkt mit der Arbeitsproduktivität verbunden ist, ist die vorstehende Entwicklung beunruhigend. Und das, weil sich keine signifikante Änderung zum Besseren bei den drei Hauptfaktoren abzeichnet, welche die Arbeitsproduktivität beeinflussen. Einfach gesagt Arbeitskräftepotential, physisches Kapital (z. B. Investitionen usw.) und technologische Änderungen. Damit die Lage sich zum Besseren ändert, ist eine kontinuierliche langfristige Bemühung sowohl auf Unternehmens- als auch auf zentralem Niveau erforderlich. Es mag Ausnahmen gegeben, die Regel beruhigt jedoch nicht.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. GR-Block
    9. Februar 2019, 18:11 | #1

    Die gängige wirtschaftswissenschaftliche Definition, „Arbeitsproduktivität“ = erzeugtes BIP pro Arbeitszeit, hat natürlich wenig mit der Produktivität von Menschen zu tun. Sie wird nämlich v.a. durch die erzielbaren Marktpreise dominiert. Beispiel:
    Wenn ein produktiver japanischer Autohersteller in Europa ein exzellentes Produkt zu 20.000 € auf den Markt bringt, kann ein „produktiver“ deutscher Autohersteller trotzdem ein mittelmäßiges (z.T. gefaketes) Produkt zu 24.000 € verkaufen. Weil es sein (europäischer) Markt hergibt, kann der Deutsche dabei 20% mehr BIP pro Auto „erzeugen“. Und das, obwohl japanische Ingenieure besser und japanische Roboter (wie vor Jahrzehnten) schneller und viel präziser gearbeitet haben. Somit ist der Deutsche zwar „produktiver“, der Japaner aber produktiver.
    Im Fall GRs heißt das, dass die hiesige erstklassige Produktion – ich genieße gerade wieder normale Nahrungsmittel in Thessaloniki – durch holländische, französische und deutsche Gewächshaus-Massenware von den internationalen Märkten gedrängt werden, und zwar mittels protektionistischer Subventionen aus Zeiten der alten EWG9. Diese Subventionen werden nicht nur an Bauern mit sehr großen Höfen, sondern auch an Düngemittel- und Pestizidhersteller (BASF) vergeben. Griechische Bauern haben aber kleine Höfe und ziehen dort mit weniger Chemie ihre Produktion aus dem Boden, manchmal sogar zweimal im Jahr. Das ist nach dEUfinition nicht „produktiv“ und deshalb weniger subventionswürdig.

    Arbeitsproduktivität in Griechenland geht seit Jahren zurück“ – Klar, die Gehälter sind ja abgestürzt, und deshalb das BIP. Obwohl nun wieder mehr Menschen arbeiten, bleibt das Gesamt-BIP stabil niedrig, weil sie weniger verdienen, für die gleiche Arbeit. Ergo, das BIP pro Arbeitsstunde, also die „Produktivität“ sinkt. Und genau das war schließlich der Zweck der Krise.
    Die notorisch Beunruhigten sollten sich also entscheiden. Wollen sie, wie behauptet, zur Rettung Griechenlands die Gehälter kürzen, und damit auch das BIP und die Arbeitsproduktivität? Oder soll das BIP in die Höhe? Dann sollten die Arbeitenden deutliche Lohnerhöhungen erhalten und damit konsumieren, nicht sparen. Was nicht geht, ist eine wie auch immer geartete Niedriglohn-„Produktivitätssteigerung“. Das wäre ein klassisches Oxymoron. Aber modernen Wirtschaftswissenschaftlern fehlt ja jegliche klassische Bildung.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.