Griechenland, das deutsche Puerto Rico

22. Januar 2019 / Aufrufe: 1.017

Griechenland ist für Berlin eine Art Übersee-Erwerb, genau wie Puerto Rico für die USA.

In der Besatzungszeit waren in Griechenland die Kollaborateure eine Minderheit, auf die mit dem Finger gezeigt wurde. Heute bleiben sie eine Minderheit, haben jedoch die Dreistigkeit, den übrigen mit dem Finger zu drohen.

Daniel Gros ist ein bekannter deutscher Ökonom, Befürworter der europäischen Vereinigung, sofern diese den Zielen Berlins dient. Einer der getarnten Euro-Nazis, die glauben, Griechenland müsse für immer eine Memorandum haben, „weil die griechischen Schuldenmacher keine Steuern zahlen„, Donald Trump als größte Bedrohung für das (deutsche) Europa sieht und meint, Emmanuel Macron sei auf einem guten Weg, „weil er begreift, dass Europa nicht auf dem Geld des deutschen Steuerzahlers basieren kann„.

Griechenland ist auch offiziell zu einem Protektorat Berlins geworden

Dieser Faschistoid also äußerte in einem seiner vielen Interviews an griechische Informationsmedien, diesmal an „Liberal“, auch eine zutreffende Bemerkung. Er verglich Griechenland mit … Puerto Rico. Er unterließ nur zu sagen, dass es sich um das … deutsche Puerto Rico handelt – im Gegensatz zu dem anderen in der Karibik, das de facto eine amerikanische Kolonie darstellt. Das war aber auch nicht nötig, ihn bestätigten die Ereignisse: Die abscheulichen Bilder, die wir jüngst sahen, geben Daniel Gros absolut Recht. Griechenland ist auch offiziell in ein Protektorat Berlins umgewandelt worden. Eine Art von … Übersee-Erwerb, genau wie Porto Rico für die USA. Und der Besuch der Frau Merkel in Athen hatte diesen Symbolismus. Einer Inspektion eines europäischen Eparchen in einer exotischen Kolonie mit Eingeborenen.

Die Szenen von dem Besuch in der Deutschen Schule waren charakteristisch. Zur Ehrung der hohen Eingeladenen sogar auch in der Reihe aufgestellte Kleinkinder, Dutzende „spontane Klatscher“ und eine Frömmigkeits-Atmosphäre, die sie nicht einmal im selbigen Deutschland vorgefunden hätte! Stellen Sie sich vor, Trump wäre hierher gekommen und würde verlangen, das Amerikanische Kollegium oder die Amerikanische Landwirtschaftsschule in Thessaloniki zu besuchen. Mit dem gesamten Personal applaudierend Spalier stehend … .

Auch die Amerikaner haben dies getan, jedoch in der Epoche des Marshallplans. Als sie Griechenland vor dem Hunger retteten. Die Deutschen nehmen offensichtlich an, dass auch sie uns auf ihre Weise … retteten. Deswegen hat auch Frau Merkel jeden Grund, die deutsche Präsenz in Griechenland zu unterstreichen. Deutsche Schulen besuchend, wo sie mit Rührung empfangen wird, mit – sei es auch bankrotten – einheimischen „Botschaftern“ unternehmerischer deutscher Interessen zu Tisch sitzend und – natürlich – bei jeder Gelegenheit die Bedeutung der Vorliebe der Deutschen für Griechenland als touristisches, in letzter Zeit wiederum auch als Ziel einer dauerhaften Niederlassung in Landsitzen betonend, die sie verzweifelten Griechen zu Spotpreisen abkaufen.

Das sagte die deutsche Kanzlerin dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras unverblümt ins Gesicht und jener lächelte verlegen. Die Dame erklärte unumwunden, wie der deutsche Faktor unser Land sieht.

Deutsche lieben Griechenland, aber nicht die Griechen

Berlin betrachtet Griechenland also als einen Teil des balkanischen Puzzles, der sich harmonisch mit den übrigen zusammenfügen muss, damit der „westliche Balkan“ wiedergeboren wird. Ich denke, wie auch der … östliche, der von außen demontiert und auf den Euro-Nazismus zugeschnitten wieder zusammengesetzt wurde.

Griechenland hat natürlich manche aparten Besonderheiten Es hat Küstenlinien wie Häkelspitzen, billige, aber zivilisierte Kellner, Ferienhäuser mit Swimmingpools, die für ein Taschengeld vermietet werden, und viel belebende Sonne. Kann Griechenland sei es auch mit Bulgarien verglichen werden? Der schnuckelige Tsipras, der zum Lämmchen wurde und alle Wünsche erfüllt, mit dem Boxer Borissow, der Amerika schief ansieht? Natürlich nicht.

Griechenland ist der Liebling der Deutschen, jedoch – achten Sie darauf – allein als Region auf der Landkarte. Als Land, nicht als Nation. Wenn sie sich seines Volks entledigen – wie sie es im übrigen auch in der Vergangenheit versuchten – und selbst dorthin ziehen könnten, wäre das viel besser. In der Praxis verachten sie uns zutiefst, weil sie uns für noch schlimmer als die Puerto-Ricaner halten. Wie Gros sagt, „in Griechenland bezahlt niemand die Steuern und seine Kredite an die Banken, aber alle wollen ihre Sparguthaben in Sicherheit und unangetastet haben„. Das sagt der neonazistische Rassist und im übrigen „Ökonom“, dabei verkennend, dass eine schweigende Mehrheit von Griechen existiert, die ächzend sowohl Steuern als auch Kredite bezahlt. Fristgemäß.

Das glauben also sowohl Merkel als auch das gesamte deutsche politische Establishment über die Griechen. Und deswegen meint sie auch, das Memorandum sei … die Entschädigung für die schauderhaften Verbrechen zu unseren Lasten gewesen. Genau das sagte sie, hegen Sie keinerlei Zweifel. So meinen sie, … Wiedergutmachung geleistet zu haben! Wissen Sie jedoch, was das Tragische bei der Sache ist? Dass während der Dauer der Besatzung die Kollaborateure des Eroberers eine ekelhafte berüchtigte Minderheit waren. Auch heute bleiben die Lakaien und Kollaborateure eine Minderheit, haben jedoch die Dreistigkeit, uns übrigen mit dem Finger zu drohen. Bis der Vulkan erwacht und die Leute sie jagen werden …

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Giorgos Charvalias)

  1. Kleoni
    22. Januar 2019, 09:43 | #1

    Leider denken nicht wenige Deutsche und auch deutsche Politiker so. Ausserdem kommt noch der Fachkräftemangel dazu. Griechenland hat viele – meist auf Kosten der Eltern durch Frontistirio – Fachkräfte, Resourcen, die Griechenland dringend bräuchte, die aber, verursacht durch die Memoranden/Fremdherrschaft im eigenen Land chancenlos sind. Die Hungerlöhne reichen nicht aus, z.B. um eine Familie zu gründen. Und die Deutsche Schule, eine Privatschule, die einen erheblichen finanziellen Aufwand für die Eltern bedeutet (Schulgeld), um die, anschliessend meistens an einer Hochschule ausgebildeten jungen Akademiker, vor allem auch Ärzte, nach Deutschland zu locken. Griechenland verblutet nicht nur wirtschaftlich.

  2. GR-Block
    22. Januar 2019, 14:39 | #2

    „Deutsche lieben Griechenland, aber nicht die Griechen“ – Gut, das passt ja. Zwar kennt kaum ein Grieche Deutschland, aber die Deutschen und die mag er auch nicht. Das macht gar nichts, weil jene nie darauf Wert legten, von Griechen geliebt zu werden.

    Nicht als sie die Erste Griechische Demokratie (1822-1832) beseitigten, um das Land ins feudalistische Mittelalter der Wittelsbacher zurückzuwerfen. Nicht als 1936 die Glücksburger sechs (6!) ehemalige Ministerpräsidenten ermorden ließen, um einen General preußischer Schule zum Ministerpräsidenten ernennen zu können. Nicht als dieser dem Faschismus ein eindeutiges „Nein!“ entgegen warf, um danach selbst vergiftet zu werden. Nicht als sein Nachfolger ein ebenso eindeutiges „Nein“ dem österreichischen Vasallen des westeuropäischen Feudalismus entgegenwerfen wollte, und dafür erschossen wurde.
    Nicht als der deutsche König der Hellenen, eigentlich hätte auf seine angreifenden Landsleute schießen lassen müssen, aber stattdessen den kampflosen Rückzug anordnete, eine Kapitulation unterschrieb und sich gleich danach aus dem Staub machte. Nicht als seine deutschen Landsleute seine griechischen Untertanen selbst die „Schnürsenkel von den Schuhen nahmen“ (Zitat Mussolini über die Deutschen in GR). Nicht als zur Ernährung einer grausamen Tötungsmaschinerie an der Ostfront 1941/42 hunderttausende in den Straßen Athens und Thessalonikis verhungern mussten.

    Als „Wiedergutmachung“ hat der deutsche König der Hellenen ohne Wahlen einen, dem Feudalismus loyalen, Ministerpräsidenten ernannt, damit dieser 1961 GR an die EWG verkauft (Assoziierungsabkommen). Nach der Militärdiktatur hatte der (déjà-vu) abermals „Ernannte“, die Aufgabe, den deutschen König zurückzuholen. Als das Volk dagegen stimmte, steckte er das Land zur Strafe 1981 sofort in die EWG; ein wenig übereilt, fünf Jahre vor der geplanten „Süderweiterung“ (mit Spanien, Portugal).
    Just in jener Zeit hatten die Bonner Bundestage die Korruptionsgesetze verschärft, um die neuen Märkte zu erobern: Korruption gegen andere Länder wurde nun, nicht nur steuerlich gefördert. Nein, die Finanzämter wurden zusätzlich angewiesen, gegenüber der Staatsanwaltschaft das Steuergeheimnis zu wahren. Auslandsschmiergelder wurden bei der Steuererklärung zwar absetzbar angemeldet, aber der Empfänger im Ausland nun nicht mehr genannt.
    Bis die OECD bei allen Mitgliedern eine entsprechende Konvention gegen die Auslandskorruption durchsetzte. Deutschland hatte als Hauptverursacher als Vorletzter der Konvention zugestimmt. GR als Hauptopfer deutscher Korruption war bei den allerersten dabei.

    Es ist nicht einfach, sich gegen den deutschen Feudalismus zu wehren, aber es geht. Mit viel Geduld und manchmal mit radikalen Methoden. Deutsche Könige haben die Griechen mit Unterbrechung von 1833 bis 1973 regiert. Ein demokratisches Wahlsystem gab es stattdessen nur 1916-1920 (Venizelos Gegenregierung), 1924-35 (Zweite Hellenische Demokratie), April-September 1944 (Κυβέρνηση του βουνού, „Bergregierung“ der EAM).
    Genutzt hatte es den Königen mit ihrer Diktatur nie. Die ersten zwei mussten abdanken, der dritte wurde auf offener Straße erschossen, der vierte vom Affen Gebissen, der fünfte beging klammheimlich „Republikflucht“, der sechste litt an Krebs und wurde von seinen Ärzten erlegt. Der siebte deutsche Feudalherr aber wagte 1974 mehr Demokratie und ließ sich schließlich abwählen.

    Das sollte nie wieder passieren! Es mussten die engen Beziehungen zwischen D und GR wieder hergestellt werden. Die Wirtschaft der Selbständigen musste in die Knie gezwungen werden, die explodierende demokratische Entwicklung nach links gestoppt und von Giganten aus Musik und Dichtkunst abgelenkt werden. Deshalb verschärfte Deutschland seine imperialen Handelsgesetze (Intensivierung der Auslandskorruption), förderte die politischen Karrieren ausgewählter griechischer Bildungseliten (Brüder Simitis) und „Dieter Thomas Heckte“ Karrierestrategien für mittelmäßige „Künstler“ wie Mouskouri, Cordalis, Leandros aus, für das deutsche Fußvolk. Eine gewaltige Touristenwelle schwappte über Hellas. Das griechische Fußvolk war überwältigt, dass es – für es vollkommen unerwartet – auch liebenswerte Deutsche gab.
    Jedoch konnten nun deutsche Waren ungehindert über die Grenze und mit Dumpingpreisen die hochqualitativen Produkte der zu 50% selbständigen Griechen vom Markt verdrängen. Der Tourismus wurde von internationalen Konzernen übernommen, der Maschinenbau vollständig eingestellt, die Weiterverarbeitung reduziert. Dann wurde das Regulativ Abwertung mittels EURO abgeschafft.
    Als GR 2011 als Gegenmaßnahme ein Anti-EU-Referendum vorbereitete, wurde dieses von der fEUdalistischen Wirtschaftsgemeinschaft abgeschmettert und von den FUKG-Staaten ein Brüsseler Banker zum Ministerpräsidenten ernannt, ohne demokratische Wahlen (déjà-vu). Das Volk antwortete mit einem „radikal“-politischen Einschnitt und wählte einen Rocker ins Parlament mit der höchsten Stimmenzahl aller Zeiten in einem griechischen Wahlbezirk. Als Finanzminister errichtete er Februar-Juli 2015 ein demokratisches Finanzregime, dass den Feudalismus ins Visier nahm, sodass das Volk ihn in einem Anti-EU-Referendum mit überwältigender Mehrheit bestätigte. Der Feudalismus reagierte wie gewohnt mit Drohgebärden und Karrierenangeboten, sodass der fast genauso stimmgewaltige Ministerpräsident das Referendum kippte.
    Und wie geht es jetzt weiter? Ach ja: „in Griechenland bezahlt niemand die Steuern und seine Kredite an die Banken, aber alle wollen ihre Sparguthaben in Sicherheit und unangetastet haben“ – Klar, und sie werden damit durchkommen. Wetten?

  3. Chris
    23. Januar 2019, 18:55 | #3

    Danke! Das „sitzt“, lese immer gerne Ihre Kommentare, warte fast schon darauf und erfreue mich an Ihrem Wissen, wenn Sie schreiben.
    Alles Gute, C.!

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