Media Markt in Griechenland „wackelt“

19. September 2018 / Aufrufe: 908

Die Zukunft der Media Markt in Griechenland ist ungewiss und es zeichnet sich sogar die Möglichkeit einer Schließung ab.

Die deutsche Kette für elektrische und elektronische Geräte „Media Markt“ (Media Saturn Hellas) vollendet in diesem Jahr 13 Jahre ihrer Präsenz auf dem griechischen Markt.

Obwohl die griechische Wirtschaft – wenn auch kleine – Anzeichen eines Aufschwungs zeigt, soll der Mutterkonzern CECONOMY der Media Markt erachten, es gebe keine weiteren Spielräume für „rote“ Geschäftsjahre und keine Steigerung der Marktanteile ihrer Tochtergesellschaft in Griechenland. Eins der angeblich von ihr untersuchten Szenarien ist der Verkauf der Aktivitäten der „Media Markt“ an eine andere Gesellschaft der Branche.

Media Saturn vermochte sich nicht gegen Kotsovolos durchzusetzen

Die „Media Markt“, die in ganz Griechenland 12 Mega-Läden mit hunderten Beschäftigten unterhält, verzeichnete fünf verlustbehaftete Geschäftsjahre. Die Vertreter der Gesellschaft führen das Absinken der Aktivität auf die gestiegenen Betriebskosten sowie auch den Rückgang der Umsätze zurück.

An Kapital fehlt es der „Media Markt“ nicht, da der Mutterkonzern seine Tochtergesellschaft in Griechenland zu finanzieren vermag, was jedoch nicht bedeutet, dass sie das auf immer und ewig tun wird, zumal im selben Moment hier im letzten Jahrzehnt in den meisten Geschäftsjahren „rote Zahlen“ geschrieben wurden.

Die „Media Markt“ hat nicht geschafft, mit der „Kotsovolos“ (Tochtergesellschaft der britischen Dixons Carphone) zu konkurrieren. Die Funktionäre der ersteren vertreten, dies könne mit mehr Verkaufsstellen erreicht werden, während sie auch Seitenhiebe wegen unterschiedlicher Konditionen – seitens der Banken – bei den Finanzierungsprogrammen der Konsumenten für Ratenkäufe anklingen lassen.

Media Markt könnte für Griechenlands Markt zur „Bombe“ werden

Die Quelle der Probleme für die Branche insgesamt liegt allerdings vielleicht in der Periode vor der Krise. Die vorausgegangene „Immobilien-Blase“ beeinflusste den Markt für Elektrogeräte auf zwei Weisen:

  • Erstens wurde der Kauf neuer Wohnung häufig von der Anschaffung einer neuen Ausstattung für die Wohnung begleitet, was eine große Nachfrage zur Folge hatte. So erklärt sich außerdem auch die Entwicklung einer Vielzahl von Marken auf dem griechischen Markt und der Einzug multinationaler Handelsketten der Branche in der Periode 2005 – 2007.
  • Zweitens führte die große Nachfrage jener Periode und das Bedürfnis der Handelsketten, große Immobilien (big box) zu finden um ihre Läden unterzubringen, diese untereinander in einen formlosen Gebotswettbewerb um den Kauf oder die Anmietung, was ihre Betriebskosten heftig erhöhte.

Mit dem Eintreffen der Krise folgte der Markt jedoch einem freien Fall und stürzte innerhalb von acht Jahren – ab 2007 bis 2015 – um 47% ab. Andererseits wirkte sich der Eintritt in das Memorandum sofort auf den Markt aus. So bewegte sich beispielsweise der Umsatz – während der Markt im ersten Quartal 2010 noch rund 750 Mio. Euro umsetzte – in allen nächsten Quartalen auf dem Niveau von 620 Mio. Euro und ist bis heute nicht einmal auf die Niveaus von Anfang 2010 zurückgekehrt.

In diesen Tagen befindet sich eine geheime Verhandlung mit einem griechischen Großunternehmer, der Kaufhäuser hat, über die Möglichkeit im Gang, einen Teil der Media Markt aufzukaufen und sei es auch nur einige ihrer Läden geöffnet zu halten. Wenn die Verhandlungen kein Ergebnis haben, werden wir dann von einer weiteren den Markt treffenden Megatonnen-Bombe sprechen, wie es vor einigen Jahren mit der „Ilektroniki Athinon“ geschah.

(Quelle: dikaiologitika.gr, basierend auf einer Reportage der Zeitung Kathimerini)

  1. GR-Block
    19. September 2018, 09:46 | #1

    Wann werden die Griechen endlich begreifen, wie wichtig Konsum für eine „florierende“ Wirtschaft ist. Sie müssen dazu ihre Reserven aktivieren, die Konten und das Matratzengeld leer räumen und, wie vor Generationen auch ihre industrialisierten EU-Mitbürger, Äcker, Grundstücke und Häuser verkaufen, um liquide zu werden. Deutsche Investoren wollen keine Konsumenten, die noch zuhause wohnen, ausgewachsene Konsumenten (die nebenbei Miete zahlen). Wenn griechische Konsumenten zu lange unwillig sind und sich zieren, wenn sie Investoren signalisieren, sie seien trotz ihrer Finanzpotenz nicht willkommen, dann werden diese ihr Werben aufgeben und schließlich andere Märkte penetrieren.

    Ja, so ist die moderne Wirtschaft: „erst deflorieren, dann florieren,“ sagt sie, „sonst bleibst du, o Hellas, eine alte Jungfer.“ Stattdessen befriedigt Hellas ihre Kauflust zunehmend über die neuen Medien, womöglich direkt aus China, anstatt bei Mediamarkt und Metro um die Ecke. Noch schlimmer, Hellas prostituiert sich selbst auf den eigenen Märkten. Trotz schwerster Wirtschaftskrise bleiben 34% der Erwerbstätigen selbständig, Platz 2 in der OECD. Bei soviel griechischer Selbstbefriedigung versagt natürlich der deutsche Investor.

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