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Was die Krise in Griechenland veränderte und was nicht

12. August 2018 / Aktualisiert: 20. August 2019 / Aufrufe: 897

Führten laut der Financial Times acht verlorene und traumatische Jahren zu dem große Ziel, Griechenland zu sanieren?

Was in Griechenland die Krise veränderte und was nicht“ untersucht in einem am 09 August 2018 publizierten Artikel die Financial Times (FT). Von acht „verlorenen“ und „traumatischen“ Jahren sprechend unternimmt die britische Wirtsvchaftszeitung zu erforschen, ab das große Ziel erreicht wurde: wurde Griechenland saniert?

Wurden nach drei Memoranden, einem Verlust von 25% des BIP des Landes, einer Explosion der Armut und der Arbeitslosigkeit die im Argen liegenden Dinge ausgemerzt, die einen großen Teil der Verantwortung für diese beispiellose wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise tragen?

Griechenland durchlebte 8 verlorene Jahre

Die Schlussfolgerungen der FT sind interessant, wenn auch – hauptsächlich den öffentlichen Sektor betreffend – nicht ermutigend, über den charakteristisch angeführt wird, er zeige „eine große Resistenz gegen die Reformen“ und bleibe „tief politisiert„, da sogar auch unter der Regierung der SYRIZA, die angeblich die Bekämpfung des Klientel-Staats zum Hauptziel hatte, 30.000 Einstellungen auf dem öffentlichen Sektor erfolgten.

Seit 2010 ist die griechische Wirtschaft um ein Viertel und das verfügbare Einkommen der Bürger um ein Drittel geschrumpft. Wie in dem Artikel notiert wird, wanderten über 300.000 Menschen aus, während all jene, die zurückblieben, mit einer Arbeitslosigkeit von 20% konfrontiert sind.

Sich auf den 20 August 2018 und den Ausgang aus den Memoranden beziehend merkt die Zeitung an, „zumal das Land sich anschickt, diese düstere Periode am 20 August hinter sich zu lassen, stellt sich die Frage, ob diese traumatischen Jahre“ mittels der Bewältigung sei es wenigstens einiger der Probleme, die zu der Krise beitrugen, zugunsten der Sanierung des griechischen Staats gewirkt haben.

Die Reformen, die – wie die FT betont – Athen zu realisieren vereinbarte, zielten „auf die Bewältigung offenkundiger Mängel ab: ein ‚katastrophal verschwenderisches‘ Rentensystem, eine übermäßige Bürokratie und die tief verwurzelten Steuerhinterziehungsprobleme„.

Andere Maßnahmen – unterstreicht die FT – wie Änderungen im Beschäftigungswesen und die neuen Regeln für die Genehmigung von Unternehmen zielten auf die Forcierung des Wachstums und der Investitionen auf einem Sektor ab, der von überholten Verordnungen und einschränkenden Praktiken seitens der Gewerkschaften umgeben ist.

Griechenlands öffentlicher Sektor ist gegen Reformen … resistent

Die FT bemerkt, von der Seite des privaten Sektors wäre eine zurückhaltende Schlussfolgerung, dass Griechenland den notwendigen Wechsel zu sehen begonnen hat.

Es gibt – wird in dem Artikel angeführt – Anzeichen eines Optimismus unter den privaten Firmen, die der Krise begegneten und nun in die Gewinnzone zurückkehren, sowie auch unter innovativen Unternehmen, die Investitionen anziehen.

Was jedoch den öffentlichen Sektor betrifft, wird in dem Artikel betont, das ineffiziente System öffentlicher Verwaltung habe sich gegenüber den Reformen als resistent erwiesen, was Fragen aufwirft, inwieweit die Mehrheit der Griechen sich zu den strukturellen Reformen voranzuschreiten verpflichtet fühlt, die für den tragfähigen Aufschwung erforderlich sind.

Es wird etlicher Jahre bedürfen, damit die Griechen begreifen, dass eine Anstellung auf dem öffentlichen Sektor – für Absolventen die mit Abstand populärste Option – zukünftig nicht die beste und sicherste Wahl sein wird, da die meisten der gut bezahlten Arbeitsplätze auf dem privaten Sektor sein werden„, erklärte diesbezüglich Panos Tsakloglou, Professor an der Athener Wirtschaftsuniversität.

Die Änderung des privaten Sektors in Griechenland ist schmerzhaft

Wenn der private Sektor sich mehr änderte, geschah dies nicht schmerzfrei, schreibt die FT. Die Maßnahmen beziehen sich auf Kürzungen auf einem privaten Sektor, der zu 95% aus kleinen und mittleren Familienunternehmen besteht.

Von den Firmen, die vor der Krise gut liefen, haben ungefähr 20% Innovationen adoptiert und stehen in voller Blüte, und 40% ‚kommen über die Runden‘ und bedienen ihre Verpflichtungen, ohne jedoch Gewinne auszuweisen„, führt der Präsident der Athener Industriekammer und Unternehmer-Veteran Pavlos Ravanis an. Es verbleibt ein 40% der sogenannten – wie er sie charakterisiert – „Zombie-Unternehmen„, wird in dem Artikel angemerkt. „Sie zahlen keine Steuern und erfüllen auch nicht ihre Verpflichtungen an die Banken„, fügte Herr Ravanis an und ergänzte, dass unter diesen Unternehmen weniger als die Hälfte gerettet werden können, selbst wenn sich ein Investor bereit zeigen sollte, große Barbeträge bereitzustellen.

Wirtschaftsminister Stergios Pitsiorlas führte seinerseits an, die fundamentale Herausforderung sei die Ermutigung einer mehr exportorientierten Unternehmenskultur gewesen. „Das beginnt stattzufinden. Den griechischen Firmen wurde während der Krise bewusst, sich den Exporten zuwenden zu müssen um zu überleben„, fügte er der FT gegenüber an.

In dem Artikel werden Beispiele privater Firmen angeführt, die ihre Produktion differenzierten, um sich den Exporten zugewandt an die Krise anzupassen.

Griechenlands öffentlicher Sektor bleibt tief politisiert

Während der private Sektor extrovertierter zu werden scheint, bleibt der öffentliche Sektor jedoch tief politisiert, stellt die FT fest.

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras erklärt, Griechenland sei wegen des „Klientel-Modells“ zurückgeblieben, das die Kultivierung politischer Beziehungen auf allen Ebenen zwecks der Vergabe von Arbeitsplätzen auf dem öffentlichen Sektor, aber auch der Gewährung unternehmerischer Gelegenheiten begünstigte.

Das war vielleicht einer der ernsten und signifikantesten Gründe, die zu dieser Situation führten„, hatte Herr Tsipras im Juni 2018 gegenüber der FT erklärt und dabei angemerkt: „Wir müssen die Reformierung des Landes fortsetzen und uns natürlich bemühen, die Bürger zu überzeugen, Kultur und Verhalten zu ändern.

Über 30.000 Einstellungen auf dem öffentlichen Sektor unter der SYRIZA

Trotzdem hat Herr Tsipras nicht geschafft, selbst seine eigene Partei zu überzeugen, dass die Tage des Klientel-Staats zu Ende sind, führt die FZ charakteristisch an und ergänzt: „Unter Alexis Tsipras‘ Regierungsführung erfolgten über 30.000 Einstellungen auf dem öffentlichen, einschließlich auch einer Menge sogenannter Sonderberater, die von Ministern der SYRIZA ausgewählt wurden.

Die Regierung hat – betont die FT – den breiten Widerstand gegen die Umsetzung einer Plans zur Entpolitisierung der öffentlichen Verwaltung, Stärkung der Transparenz bei den Einstellungen höherer Funktionäre und regelmäßigen Beurteilung der öffentlichen Bediensteten nicht überwunden.

Professor Panos Tsakloglou unterstrich, für bestimmte strukturelle Änderungen werde es Jahre brauchen, wie beispielsweise im Bildungswesen, wo das verzerrte Verhältnis zwischen den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts und einem überholten Universitätsprogramm dazu beitrug, dass das Land über ein Arbeitskräftepotential verfügt, das seiner Meinung nach „zu einem großen Grad gebildet und zu einem großen Grad arbeitslos ist„.

Die Beibehaltung der Reformen ist signifikant

Schließlich unterstreicht die englische Wirtschaftszeitung, die Regierungsfunktionäre und Brüssel seien sich einig, dass „ein signifikantes Barometer für die Absicht zur Änderung sein wird, ob die jüngsten Reformen beibehalten werden„.

Während die SYRIZA sich verpflichtet hat, dass es keine Rückschritte geben wird, und die EU ein System einer post-memorandischer Beaufsichtigung eingerichtet hat, meinen EU-Diplomaten, der politische Druck in Themen wie den Renten und Einstellungen auf dem öffentlichen Sektor werde kommen, wenn das Land sich den Wahlen nähern wird, wie in dem Artikel berichtet wird.

Tsipras wird die schmerzhaftesten Maßnahmen rückgängig machen wollen„, führt ein Diplomat an, auf den sich die Zeitung beruft.

Suche nach einer nationalen Strategie und Zustimmung

Parallel merkte die stellvertretende Leiterin des Bruegel-Instituts Maria Demertzi an, Griechenland habe noch keine gemeinsame Auffassung bezüglich der Gründe oder der Lösung der Probleme des Landes geschmiedet.

Der Grund, aus dem die Programme dermaßen lange andauerten, liegt darin, dass wir kein Einverständnis aufzubauen schafften„, erklärte sie gegenüber der FT und fügte an: „Wir sind unfähig, uns hinzusetzen und zu sagen, ‚welches ist das Problem, wie können wir es lösen?‘. Und das ist es, was Griechenland zurück hält.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Anton
    12. August 2018, 15:33 | #1

    Ja, die „Reformen“ sollen es lösen. Dabei gibt es genügend Erfahrungen mit Reformen. Z.B. in Deutschland mit seinen Renten- und Arbeitsmarktreformen (und deren Resultate). Bei den Privatisierungen reduziert man jedoch in Deutschland mittlerweise wegen Verlustgeschäft. Offenbar braucht man einen starken Staat: Wegen der schlechten personellen Besetzung des Zolls beispielsweise, verliert Deutschland jedes Jahr Milliarden an Steuern durch Steuerbetrug. Und was speziell die Abwanderung von Fachkräften aus Griechenland betrifft: Deutschland profitiert davon – gerade wegen der Reformen in Griechenland. So präsentiert die FT letztlich nur ihre Unfähigkeit zu lernen. Umgekehrt kann man aber aus den griechischen Erfahrungen lernen, dass alle Reformen nicht viel bringen, solange die Reformer lernunfähig sind (klar, hätte Tsipras nicht mitmachen dürfen). Aber einen Erfolg verschweigen sie: Trotz der ganzen Katastrophe mussten die Gläubiger keine Angst vor Verlust haben. Einmal abgesehen von 2012; aber da ging es ja auch nur um Bankrettung, nicht um Rettung der griechischen Wirtschaft. Aber dieses permanente Schuldenmachen um Schulden zu bezahlen, lässt die FT wohl nicht zufällig weg.

  2. GR-Block
    15. August 2018, 18:54 | #2

    25% weniger BIP, 20% Arbeitslosigkeit, 300 000 Emigranten – furchtbar.
    Und ja, fast nur den privaten Sektor hatte es getroffen. Wie sollte es auch anders sein? Die EU-gemachte Krise hatte die 95% kleine und mittelständische Betriebe aufs Korn genommen. Sie sollten den Markt freigeben … für ausländische „Investoren“. Denn die inländischen wurden ja vorher knapp gehalten in ihrer Liquidität. Die EU verlangte, dass die Privatwirtschaft – und dazu gehören Banken – die Misswirtschaft der Regierung kompensieren sollte. Das verbrennt potentielle Investitionsmittel für inländische Unternehmen und bremst dadurch die lokale Konkurrenz aus.
    Dagegen ist und war der griechische öffentliche Sektor schon immer nur mittelmäßig groß. Und was die Staatsverwaltung angeht, sie war laut OECD schon immer die kleinste unter den alten EU-Ländern (nur manche ex-kommunistischen Staaten haben naturgemäß eine noch kleinere).
    In der tiefsten Krise wurde der kleine Staat noch einmal verkleinert, um an der falschen Stelle Geld zu sparen. Denn ein kleiner Staat ist anfällig gegen Korruption. Die Korruption im Flick’schen Maßstab kam aber mit der Öffnung der Grenzen durch den Binnenmarkt. Länder der EU mit wenigen Verwaltungsangestellten gerieten unter massivem Korruptionsdruck der FUKG-US Staaten. Beweis: skandinavische Länder. Da ist jeder Dritte in der Staatsverwaltung tätig. Die Flick’sche Korruption hat keine Chance.
    Nun ist es an der Zeit den Kahlschlag wieder aufzuforsten, und schon wehrt sich der Kapitalismus: laut FT seien die 30000 Neueingestellten alle Verwandte des linken Tsipras. Nunja … brauner Faschismus ist kein Alleinstellungsmerkmal nur eines Volkes.

    Die Ideale der EU sind: 50% der Bevölkerung müssen arbeiten, davon 90% fremdbestimmt als Angestellte, jedoch kaum jemand im demokratisch gewählten Staat. So etwas nannte man früher Feudalismus, heute sind es die Werte der EU (!).
    In GR ist trotz Binnenmarkt traditionell jeder Dritte selbständig, und das muss weg … sagt der Feudalismus. Gleichzeitig soll der demokratische Staat reduziert und die Staatsgewalt nach Brüssel delegiert werden, also ins Herz des Feudalismus. Kein Wunder, dass man den Griechen nicht traut: „Tsipras wird die schmerzhaftesten Maßnahmen rückgängig machen wollen“ damit er wiedergewählt wird. Also muss man ihm rechtzeitig einen lukrativen Posten in der Privatwirtschaft anbieten. Dann wird auch die FT wieder optimistischer in die griechische Zukunft schauen.

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