Griechenland läuft in Gefahr, noch ein Jahrzehnt zu verlieren

17. März 2018 / Aufrufe: 890

Griechenland braucht eine Reform des öffentlichen Sektors und Investitionen und keinen durch Verschuldung angetriebenen größeren Konsum.

Bloomberg rät den Investoren, ihren Optimismus hinsichtlich des wirtschaftlichen Aufschwungs Griechenlands und seiner Rückkehr an die Finanzmärkte zu zügeln.

In einem Beitrag mit dem Titel „Griechenland steckt bei den Reformen stillschweigend zurück“ betont die Nachrichtenagentur, das Wachstum in Griechenland mag sich in einem niedrigen Grad stabilisiert zu haben zeigen und dass manche dies als Anzeichen einer Rückkehr zur Normalität betrachten, jedoch „ist das Problem bei diesem Optimismus, dass nicht klar ist, woher sich die zukünftigen Antriebskräfte des Wachstums ergeben werden. Der Konsum der privaten Haushalte hat sich etwas erholt, bleibt jedoch mit einem durchschnittlichen Anstieg von 0,65% im Jahr 2017 schwach. Und mit den geplanten zusätzlichen Steuererhöhungen und Rentenkürzungen ist es schwer, Spielräume für eine darüber hinaus gehende Beschleunigung zu sehen.

Investitionen in Griechenland sind nichts für schwache Herzen

In dem besagten Artikel wird unterstrichen, die griechische Regierung habe bei signifikanten Reformen wie der Privatisierung großer Industriebetriebe zurückgesteckt, und führt als charakteristisches Beispiel das Bild einer Aufgabe auf dem Areal des ehemaligen Athener Flughafens „Elliniko“ an, welches das Scheitern Griechenlands in Erinnerung ruft, seine Vermögenselemente zu nutzen. Aber auch die Aufwendungen für Investitionen bleiben „anämisch“, da sie im vergangenen Jahr bei 11% des BIP – gegenüber 27% im Jahr 2007 – lagen und das meiste Kapital für Investitionen derzeit aus der EU kommt, da „die stetigen Änderungen im steuerlichen Umfeld und die schwache Inlandsnachfrage die Lust der Investoren aus dem Ausland zum Teil einschränken„.

Unter anderem erfolgt eine Bezugnahme auch auf das Thema der Verschuldung, wobei die Redakteurin Phyllis Papadavid vertritt, es bestehe keine hinreichende Klarheit, während die Aussichten sich nicht vielversprechend abzeichnen: „Es wird nicht erwartet, dass Europa einem essentiellen Schuldenerlass zustimmt, da es sicherstellen will, dass die übermäßige Verschuldung Griechenlands sich nicht anderswo in der Eurozone wiederholen wird. Mit dem Verhältnis von Verschuldung zu BIP bei 176% und geringen Aussichten auf eine Beschleunigung des Wachstums oder gesunde Kapitalzuflüsse sind Investitionen in Griechenland nichts für Leute mit einem schwachen Herz.

Griechenland krankt an Klientel-System, Bürokratie und Überregulierung

Parallel ergeht die Rede von chronischen Problemen wie dem Klientel-System, der Bürokratie – die Hindernisse für wertvolle Investitionen aus dem Ausland mit dem Resultat errichtet, dass es signifikanten Branchen, die zur Wirtschaft beizutragen vermögen, an Ressourcen und einem Transfer von Know-how mangelt – und der übertriebenen Beaufsichtigung.

Der Artikel betont, dass die Abhängigkeit der griechischen Wirtschaft von dem Konsum und die Anhäufung von Schulden aufhören muss, Zweigen wie dem der Weiterverarbeitung Nachdruck zu verleihen und eine „Bad Bank“ – ein Modell, dass anderswo, einschließlich auch in Spanien, Resultate hatte – zu schaffen ist, zu der die „roten“ Kredite transferiert werden, damit die Möglichkeit der Banken gestärkt wird, Geld auf den Markt zu werfen, was für die Investitionen speziell hinsichtlich der griechischen kleinen und mittelständischen Unternehmen von essentieller Bedeutung ist.

Und Bloomberg endet: „Wenn Griechenland in wenigen Monaten aus dem Rettungsprogramm herauskommt, wird es einer stockenden Wirtschaft zu begegnen, sein Banksystem wieder aufzubauen und eine reformatorische Agenda zu stärken haben, die den öffentlichen Sektor zu Gunsten einer mehr von Investitionen und Handel als von staatlichen Aufwendungen und Hilfen der EU angetrieben wettbewerbsfähigeren Wirtschaft entwurzelt. In Ermangelung dessen wird es mit ungünstigen Finanzierungsbedingungen und – noch schlimmer – vielleicht einem weiteren verlorenen Jahrzehnt konfrontiert werden.

(Quelle: iefimerida.gr, basierend auf einem Artikel von Phyllis Papadavid bei Bloomberg)

  1. GR-Block
    17. März 2018, 13:18 | #1

    Während also GR noch angestrengt versucht, einen Teil seiner wirtschaftlichen Souveränität zu retten, plädiert Bloomberg, dass der griechische Staat noch mehr Marktsegmente den ach so schüchternen ausländischen Investoren hinterher wirft. Denn die Austeritätspolitik hatte ja ein zentrales Ziel, nämlich den lokalen Investoren die Liquidität abzugraben. Und das ist gelungen. Kleine und Mittelständische sind – weil ohne Gewinne, deshalb keine Investitionen – im Wettbewerb der Produktentwicklung weit abgeschlagen. Dass ihnen ausgerechnet ausländisches Kapital zugute kommen soll, ist die verlogene Botschaft. Nein, man investiert nicht in neue Konkurrenz. Investoren sind den eigenen Betrieben und ihren Partnern / Konkurrenten verpflichtet, mit denen sie traditionell die Märkte teilen.

    Zugegeben, die griechische Verwaltung muss effizienter werden. Aber das heißt, der Staat muss Geld in die Hand nehmen, seine elektronische Vernetzung vorantreiben, von eigenen Fachleuten Verwaltungssoftware entwickeln lassen und schließlich das Wichtigste: junge, gut ausgebildete Menschen einstellen. Die Zahl der öffentlichen Verwaltungsangestellten muss verdoppelt werden, denn von alters her „with less than 8% of the labour force employed by the government, Greece has one of the smallest government workforces among OECD countries„.
    Erst wenn die Verwaltung personell gestärkt ist, kann reformiert werden. Nur dann erlangt sie, wie vor dem entfesselten Binnenmarkt, wieder ihre Immunität gegen ausländische Korruptionsquellen. Erst dann können griechische Unternehmen ihre Beziehungen zur eigenen Verwaltung wieder herstellen, wie in jedem modernen Industriestaat.
    Das Ziel ist, einen größeren Anteil der Staatsaufträge an die heimische Industrie zu vergeben. Das Ziel ist, den Konsum griechischer Waren zu fördern. Das Ziel ist, dass lokale Unternehmen liquide werden und investieren können. Der intra-nationale Wettbewerb muss wieder entfacht werden. Das stärkt die Abwehrkräfte des Systems. Erst dann darf der ausländische „Investor“ wieder ins Land, aber bitte in homöopathischen Dosen. Man kann eine Krankheit nur dann mit dem Krankheitserreger bekämpfen, wenn man die Dosis rechtzeitig und verschwindend klein verabreicht. Die EU verordnet stattdessen mitten in der höchsten Krise eine homöopathische Überdosis. Warum …? Weil sie von der Pharmaindustrie geschmiert ist, natürlich.
    Apropos, der Geschäftsführer der Deutschen Homöopathie-Union war vorher bei Ciba-Vision, einer Tochter der NOVARTIS … na, dämmert es? Was glaubt Ihr, warum NOVARTIS ins Athener Parlament investiert hat? 🙂

  2. Alfons
    17. März 2018, 15:01 | #2

    Natürlich ist Griechenland noch lange nicht „gerettet“ Aber gerade die Privatisierung, wie jüngst auch beim Wasser, ist kein Ausweg. Denn dafür ist letztlich der Preis zu niedrig (bzw. für eine Erholung der Staatsverschuldung zu hoch). Ebenso war das Bad-Bank-System in Spanien nur kurzfristig eine Lösung (und basierte ja letztlich nur Einschränkungen beim Konsum). Bloomberg will schlichtweg nicht einsehen, dass die ganze Sparpolitik falsch war und sucht dort Gründe, wo keine sind. Gerade der Konsum ist ein wichtiger Wachstumsmonitor, weil er Arbeitsplätze schaffen kann.

Kommentare sind geschlossen