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Griechenland ist Schlusslicht bei sozialer Gerechtigkeit

18. November 2017 / Aufrufe: 601

Der Social Inclusion Monitor Europe 2017 der Bertelsmann Stiftung weist Griechenland bei der sozialen Gerechtigkeit als Schlusslicht der Europäischen Union aus.

Wie sehr sind die Länder der EU sozial gerecht? Der Jahresindex Sozialer Gerechtigkeit der Bertelsmann-Stiftung stellt Verbesserungen, aber auch riesige Unterschiede zwischen Norden und Süden fest, wobei Griechenland auf dem letzten Platz rangiert.

Zehn Jahre nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise zeigen die meisten Länder der EU, sie langsam, jedoch beständig zu überwinden. In dem auf den Fakten der Eurostat für 2016 basierenden Jahresindex Sozialer Gerechtigkeit 2017 wird betont, der Aufschwung des Arbeitsmarkts habe die Situation an der Front der sozialen Gerechtigkeit verbessert.

Top-Ränge für Skandinavien, Schlusslicht sind Rumänien und Griechenland

Mit dem Index Sozialer Gerechtigkeit (Social Justice Index) untersucht die in Gütersloh ansässige deutsche Stiftung seit einem Jahrzehnt die Entwicklungen auf dem Sektor der sozialen Gerechtigkeit auf Basis von 6 Bereichen: Vermeidung von Armut, Beschäftigung, Bildung, Gesundheit, Vermeidung von Diskriminierungen und Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Laut dem Experten des Bertelmann Instituts für soziale Themen, Dr. Daniel Schraad-Tischler, werden „soziale Gerechtigkeit“ und „Chancengleichheit“ von den Autoren des Reports als die Möglichkeiten zur Teilnahme eines jeden Bürgers an der Gesellschaft an dem Ort, an dem er lebt, auf Basis seiner Fähigkeiten und unabhängig von seinem sozialen Hintergrund definiert.

An der Spitze der Rangliste befinden sich Dänemark, Schweden, Finnland, Tschechien, Slowenien, Holland und Deutschland, während den letzten Rang – also Platz 28 – Griechenland inne hat, trotz aller wie auch immer gearteten Verbesserungen im Verhältnis zu den vorherigen Jahren. Laut der Bertelsmann-Stiftung sind 35,6% der griechischen Bevölkerung von Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht. Einen besonderen Nachdruck verleiht der Bericht der Entbehrung materieller Güter bei Kindern, die in Griechenland auf 26,7% anstieg und folglich dreimal höher als vor der Krise ist. (9,7% im Jahr 2007).

Obwohl die Arbeitslosigkeit in Griechenland von 27,7% im Jahr 2013 auf 23,7% im Jahr 2016 sank, ist fast die Hälfte (47,3%) der jungen Leute arbeitslos. Vor vier Jahren erreichte die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland 58,3%. Im selben Moment verzeichnet der Bericht hinsichtlich des Zugangs junger Leute im Alter von 20 – 24 Jahren zu Bildung und Ausbildung eine Verbesserung bei der sogenannten NEET-Rate („Not in Education, Employment or Training“) von 31,3% im Jahr 2013 auf 23% im Jahr 2016. Was die öffentliche Verschuldung betrifft, beträgt diese mittlerweile 181,3% des griechischen BIP.

Insgesamt bewertet der „Social Inclusion Monitor Europe 2017“ Griechenland folgendermaßen (mit 10 als Bestnote):

  • 2,35 Vermeidung von Armut
  • 5,27 Zugang zur Bildung
  • 3,46 Beschäftigung
  • 4,36 Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Vermeidung von Diskriminierungen
  • 3,99 Gesundheit
  • 3,60 Gerechtigkeit zwischen den Generationen

Es sei angemerkt, dass die Angaben zur sozialen Gerechtigkeit auf dem Lebensniveau des jeweiligen Landes basieren. Wie bekannt ist, wird die Grenze für die Armutsgefahr auf 60% des durchschnittlichen (gemittelten) Einkommens eines jeden Mitgliedslands bestimmt. Folglich ist ein direkter Vergleich zwischen den Ländern der EU auf allen Sektoren nicht möglich.

In Deutschland ist der Reichtum gerechter zu verteilen

Trotz des Umstands, dass die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU in Deutschland verzeichnet wird, belegt das Land gerade einmal den 7. Platz. Als negativ bewertet der Index der Bertelsmann-Stiftung, dass 41% der Arbeitslosen in Deutschland Langzeitarbeitslose sind. Parallel haben im Ausland geborene Arbeitnehmer eindeutig weniger Chancen als die Deutschen, Arbeit zu finden. Im Vergleich zu den übrigen Ländern der EU belegt Deutschland hier den 24. Platz. Außerdem stellt der Index sozialer Gerechtigkeit fest, dass trotz des Aufschwungs-Kurses der deutschen Wirtschaft Spielräume für eine Verbesserung bei der Verteilung des Reichtums existieren. Die Armutsgefahr wegen eines übermäßig niedrigen Einkommens hat sich in Deutschland in den letzten Jahren nicht gemindert, stellt der Bericht fest, während er parallel verzeichnet, dass die Armutsgefahr für die über 65-Jährigen anstieg.

Der Bertelsmann-Experte Dr. Daniel Schraad-Tischler kritisiert jedenfalls, dass in Deutschland langfristige politische Pläne für die Sicherstellung der sozialen Fürsorge, aber auch für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei den sogenannten sensiblen sozialen Gruppen fehlen.

(Quelle: www.dw.com, Dpa, afp, kna / Stefanos Georgakopoulos)

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