Gewerkschaftspack in Griechenland kennt keine Grenzen

27. September 2017 / Aufrufe: 1.182

In Griechenland verlangte ein 8 Jahre lang bei vollen Bezügen beurlaubter sogenannter Berufsgewerkschaftler von seinem Arbeitgeber obendrein auch noch Urlaubsgeld.

Der Oberste Gerichtshof (Areopag) in Griechenland wies den Antrag (die Klage) eines gewerkschaftlichen Funktionärs ab, der 8 Jahre lang bei vollen Bezügen nebst Sozialversicherung sogenannten „Gewerkschaftler-Urlaub“ hatte und von den Gerichten verlangte, Sommerurlaub zu bekommen, aber auch seinen Arbeitgeber zu verpflichten, ihm rückwirkend das (gesetzliche) Urlaubsgeld nebst einem 100%igen Zuschlag zu zahlen.

Spezieller wurde der Arbeitnehmer im Februar 1985 bei einer Versicherungsgesellschaft mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag (Vertrag über abhängige Beschäftigung) privaten Rechts als Angestellter eingestellt.

8 Jahre Urlaub waren Gewerkschaftsfunktionär in Griechenland nicht genug!

Ab 2004 und seitdem 8 fortlaufende Jahre lang war der besagte Angestellte gewähltes Mitglied des Generalvorstands der Föderation der (gewerkschaftlichen) Versicherungsverbände Griechenlands (OASE), wegen seiner Eigenschaft als Gewerkschaftler von der Verpflichtung zur Erbringung abhängiger Arbeit bei der Arbeitgeberfirma freigestellt worden und und (vorübergehend) zur OASE versetzt worden. Er erhielt also (praktisch ohne zu arbeiten!) seine sämtlichen Bezüge (Grundgehalt, Zulagen usw.).

Der umstrittene Angestellte hatte verlangt, dass ihm die Arbeitgeberfirma schriftlich bekannt gibt, „wann sie ihm den jährlichen Erholungsurlaub für die drei Jahre 2009 – 2011 gewähren werden wird“ und forderte anderenfalls, „dass sie ihm die gesetzliche Entschädigung für eine Nichtgewährung des Sommerurlaubs zahlt„. Die Versicherungsgesellschaft entsprach der Forderung des Gewerkschaftlers nicht und letzterer zog vor Gericht.

Das Berufungsgericht (Oberlandgericht) Athen gab dem in Rede stehenden Gewerkschaftler Recht und akzeptierte, dass die Arbeitgeberfirma, die 8 fortlaufende Jahre lang seine Bezüge entrichtete, wegen ihrer Schuld auch die Sommerurlaubsgelder für die Jahre 2009 – 2011 zu zahlen schuldete. Somit urteilte das Berufungsgericht dem Gewerkschaftler den Betrag von 48.724 Euro zu.  Die Versicherungsgesellschaft ging jedoch vor dem Areopag in Revision und von den Richtern des Obersten Gerichtshofs wurde befunden, dass das Urteil des Berufungsgerichts eine widersprüchliche und unklare Begründung hatte, und wies den Revisionsantrag des Gewerkschaftlers als unschlüssig ab.

Abschließend befand der Areopag, dass das Arbeitgeberunternehmen weder die Urlaubsbezüge noch auch den 100%igen Zuschlag zu entrichten schuldete. Und dies, weil die Firma aus dem Grund, dass der Angestellte kontinuierlich 8 Jahre lang ohne Unterbrechung in „Gewerkschaftler-Urlaub war“ und der Firma, die ihn eingestellt hatte, nicht seine Arbeit erbrachte, objektiv und unabhängig von ihrem Willen nicht die Möglichkeit hatte, dem Angestellten Erholungsurlaub zu gewähren.

(Quelle: topontiki.gr)

  1. Die Deutsch-Griechin
    28. September 2017, 17:06 | #1

    Griechenland steht nicht umsont da, wo Griechenland steht. Solche Abzocker sind keine Einzelfälle.

  2. Manfred Gante
    28. September 2017, 20:21 | #2

    Dreister geht es wohl nicht. Acht Jahre lang bei vollem Gehalt die Eier geschaukelt und den Arbeitgeber abgezockt. Klare richterliche Entscheidung, die hoffentlich Nachahmer abschreckt.

  3. Konstantin
    29. September 2017, 13:56 | #3

    Ab einer bestimmten Mitarbeiteranzahl werden auch bei uns in Deutschland Gewerkschaftler freigestellt damit sie den Gewerkschaftsjob auch ungehindert erledigen können.
    Genau dafür werden sie ja von den Mitarbeitern gewählt.
    Das ist auch notwendig und nichts besonderers, die Freistellung von der Arbeit hat nichts mit Urlaub zu tun.
    Schon alleine 8 Jahre Betriebsratstätigkeit mit 8 Jahren Urlaub zu vergleichen ist eine Frechheit.
    Ich wüsste jetzt nicht wirklich warum einer der sich 8 Jahre für die Mitarbeiter einsetzt keinen Urlaub erhalten sollte. Es sei den er wurde auch von seiner Betriebsratstätigkeit beurlaubt, dann ist das nach vollziehbar.

  4. Die Deutsch-Griechin
    29. September 2017, 22:47 | #4

    Die Frage ist, ob ein Mensch als Gewerkschaftler genauo viel und hart arbeitet wie seine Kollegen und ihm genauso viel Urlaub zusteht.

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