Griechenland übernimmt Ägyptens Vertretung in Katar

7. Juni 2017 / Aufrufe: 444

Ägyptens diplomatische Vertretung in Katar wird von Griechenland übernommen.

Laut dem ägyptischen Außenministerium wird nach Kairos Beschluss, „seinen diplomatischen Beziehungen zu dem auf der Adoption eines gegenüber Ägypten feindlichen Verhaltens beharrenden Staat Katar ein Ende zu setzen„, Griechenlands Botschaft in Doha übernehmen, Ägypten diplomatisch zu vertreten.

Ägypten ist eins der sechs Länder (Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen und Malediven) die – ein diplomatisches „Erdbeben im Mittleren Osten hervorrufend – überraschend beschlossen, ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar zu unterbrechen und das Land dabei beschuldigen, den Terrorismus zu unterstützen.

Griechenland pflegt traditionell gute Beziehungen zu Ägypten

Die Entscheidung zur diplomatischen Vertretung Kairos durch die griechische Botschaft in Doha traf Außenminister Nikos Kotzias und entsprach damit einem Ersuchen, das im Rahmen einer telefonischen Unterredung am 05 Mai 2017 von seinem ägyptischen Amtskollegen Samih Hasan Schukri zum Ausdruck gebracht wurde.

Wie in der einschlägigen Bekanntmachung des griechischen Außenministeriums betont wird, stehe Griechenland im Rahmen der traditionell zu der arabischen Welt unterhaltenen freundschaftlichen Beziehungen allen Seiten zur Verfügung, um auf jede Weise zum Nutzen der regionalen Kooperation und Stabilität beizutragen.

Dass Ägypten sich an Griechenland wendete, kam als ein durchaus normaler Zug, da Athen nicht wenige Male die Vertretung Kairos bei internationalen Institutionen übernommen hat. Es sei in Erinnerung gerufen, dass Griechenland während der vorhergegangenen zeitlichen Periode einen beständigen Unterstützer Kairos innerhalb der Europäischen Union darstellte, damit ein eventueller Abbruch der Beziehungen zwischen Brüssel und Kairo anlässlich der politischen Entwicklungen in dem großen arabischen Land abgewendet wird.

Ebenfalls unterhält der ägyptische Außenminister ein sehr enges persönliches Verhältnis zu seinem griechischen Amtskollegen Nikos Kotzias und zählt zu den festen Unterstützern der Konferenz bezüglich der Sicherheit und Stabilität der Insel Rhodos, die vor wenigen Tagen im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr auf der Dodekanes-Insel durchgeführt wurde.

Die griechische Community in Katar ist beunruhigt

Weiter sei angemerkt, dass die Anzahl der derzeit in Katar lebenden Griechen auf 3.000 – 5.000, möglicherweise sogar 8.000 Personen veranschlagt wird, von denen manche schon seit etlichen Jahren dort leben, während andere – nicht zuletzt infolge mangelnder beruflicher und wirtschaftlicher Perspektiven in Griechenland – erst in letzter Zeit in das Land kamen.

Zu den in Doha lebenden Griechen zählen Diplomingenieure, Maschinenbauingenieure, Chemiker, Mechaniker, Piloten, Flugbegleiter, Hotelbedienstete, Trainer, Physiotherapeuten, Veranstalter für sportliche Wettkämpfe und andere, von denen wiederum viele im Rahmen der Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 beschäftigt sind.  Die griechische Community in Katar ist dank des in den arabischen Staaten „starken Markenzeichens“ Griechenlands außerordentlich beliebt, aber auch beachtenswert. In Doha gibt es sowohl eine griechische Schule als auch eine griechische Kirche.

Die aktuellen Entwicklungen beunruhigen – wie im übrigen die gesamte Bevölkerung – natürlich auch die in Katar befindlichen Griechen, zumal sie nach dem praktisch aus heiterem Himmel auf fast allen Ebenen verhängten Embargo das Land gegebenenfalls kaum noch spontan zu verlassen vermögen, falls es wirklich zu einem „Knall“ kommen sollte.

(Quellen: dikaiologitika.gr, kathimerini.gr, diverse Presseberichte)

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