Haushalte in Griechenland haben Eigentum, aber kein Geld

4. März 2017 / Aktualisiert: 10. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.382

Ein relativ großer Anteil der Haushalte in Griechenland verfügt über Wohneigentum und sogar Autos und Ferienwohnungen, jedoch eine nur sehr geringe Liquidität.

In seinem Wochenbericht über die wirtschaftlichen Entwicklungen in Griechenland die Schlussfolgerungen aus der regelmäßigen Untersuchung der Europäischen Zentralbank (EZB) über Finanzierung und Konsum der privaten Haushalte präsentierend betont der griechische Industrie- und Unternehmensverband (SEB), dass die – wenn auch geschwächte – Familie immer noch als soziales Sicherheits- und Schutznetz funktioniert.

Laut der Untersuchung leben zwar die griechischen Haushalte zu einem verhältnismäßig großen Grad im eigenen Heim und haben ein Auto (und etliche auch eine Ferienwohnung), jedoch sind ihre Bankguthaben in der Regel sehr niedrig und sie begegnen Schwierigkeiten bei der Bedienung ihrer Kredite.

Haushalte in Griechenland sind in der Regel (noch) nicht überschuldet

Des weiteren geht aus der besagten Untersuchung unter anderem hervor:

Der durchschnittliche griechische Haushalt hat Schulden in Höhe von 15.100 Euro angesammelt. Alle die einen Bau- / Wohnkredit aufgenommen hatten, hatten sich mit 43.700 Euro, und alle, die Verbraucherkredite hatten, mit 4.600 Euro verschuldet. Die Krise hatte zum Resultat, dass der Anteil der Haushalte mit Bankschulden drastisch auf 27,1% zurückging (gegenüber 42,4% in der Eurozone), bei einem analogen Rückgang auch der verbliebenen Kreditverbindlichkeiten, da die Zuteilungen neuer Wohnkredite als auch Verbraucherkredite signifikant eingeschränkt wurden bzw. praktisch auf Null zurückgingen.

  • Die durchschnittliche Verschuldung des griechischen Haushalts im Jahr 2014 belief sich auf 12.100 Euro, während in der Eurozone der entsprechende („durchschnittliche“) Haushalt mit einer Verschuldung von 28.200 Euro belastet war.
  • Das sich in Griechenland auf 53,3% belaufende Verhältnis der Verschuldung zum verfügbaren Einkommen ist sehr viel niedriger als in Irland (102,1%), Spanien (141,8%), Portugal (198,5%), Holland (177,1%) und Zypern (251%). Diese Angaben zeigen laut dem SEB auf, dass die griechischen Haushalte in der Regel nicht überschuldet sind, obwohl sie im Vergleich zu den Haushalten in der Eurozone einer größeren Schwierigkeit bei der Bedienung ihrer Kredite begegnen und ihre Liquidität sehr viel beschränkter ist.
  • 3,2% der Haushalte in Griechenland (gegenüber 5,2% in der Eurozone) haben eine negative Netto-Vermögensposition, ihre Schulden sind also größer als ihr Vermögen. In allen Einkommensstufen, selbst auch in den höchsten, gibt es Haushalte, die eine negative Netto-Vermögensposition haben, die sich in Fällen zuspitzt, in denen der Familienvorstand Eigentümer eines Heims ist und einen Bau- / Wohnkredit bedient, relativ jung ist und eine große Familie hat.
  • 2014 war es in Griechenland nur 13,5% der Haushalte (gegenüber 45,1% in der Eurozone) möglich, auf regelmäßiger Basis Geld zurückzulegen. Diese Quote ist die niedrigste in der Eurozone.

Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung als Dauerzustand

Nach einem Jahrzehnt mit Krediten finanzierten Wohlstands haben die griechischen Haushalte ab 2009 und nachfolgend einen der zu Friedenszeiten größten Rückgange ihres Lebensstandards, Einkommens und Vermögens erlitten„, endet der SEB und fügt an:

Speziell in den wirtschaftlich schwächeren Schichten zeigen sich Armut, Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung als gefestigte Zustände, die nicht anders als mit der schnellen Rückkehr zu Umständen eines gesunden Aufschwungs der privaten Wirtschaft umkehrbar sind. Für die große Masse der Haushalte wird den Herausforderungen aus der Verschlechterung ihrer sozioökonomisch Charakteristika jedenfalls begegnet, ohne dass systemische Diskontinuitäten verursacht werden.

(Quelle: Imerisia)

  1. GR-Block
    4. März 2017, 22:38 | #1

    Haushalte in Griechenland sind in der Regel (noch) nicht überschuldet“ – Im provinziellen GR war es schon immer die Regel, sich nicht zu verschulden. Das ist nur in der Konsumgesellschaft von Industriestaaten ein volkswirtschaftliches „Ideal“. Dagegen sichert der Grieche schon seit Jahrhunderten seine finanzielle Unabhängigkeit und die seiner Kinder durch vernünftige, krisensichere Investitionen und geringen Konsum (BIP).

    Ein relativ großer Anteil der Haushalte in Griechenland verfügt über Wohneigentum und sogar Autos und Ferienwohnungen, jedoch eine nur sehr geringe Liquidität.“ – Richtig, und diesen Zustand zu ändern, ist das nicht-erklärte Ziel der EU, und zwar auf Betreiben ihrer Athener Teilhaber. Ein kapitalistischer Staat kann korrupten „Investoren“ nur zuarbeiten, indem er seinem Volk derart konservative Anlagen liquidiert. D.h., Einkommen sollen soweit vernichtet werden, bis Immobilien feil geboten werden müssen um zu überleben. Dann greifen „Investoren“ doppelt zu. Sie kaufen die Immobilien zu Dumpingpreisen und vermieten sie an die ursprünglichen Besitzer; also deutsche Verhältnisse seit 5 Generationen.

    GR muss kämpfen, um die geforderte Umstrukturierung der Volkswirtschaft zu unterlaufen. Die „Investoren“ müssen von den Märkten fern gehalten werden, damit der griechische Selbständige (immerhin 35% der Beschäftigten) sich behaupten kann. Damit es sich für griechisches Geld wieder lohnt, investiert zu werden anstatt bei deutschen Banken zu vermodern. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Der westeuropäische Kapitalismus kann mit dem ursprünglichen auf einem freien Wettbewerb basierten nicht wirklich umgehen. Das „Geheimnis“, warum die Selbständigkeit während der verordneten Krise nicht nur nicht abnimmt, sondern im Verhältnis zur Beschäftigung sogar steigt, bleibt ihm verborgen. Vielleicht hatte Tsipras recht, vielleicht musste man den Finanzkrieg nur aussitzen, vielleicht sind jetzt die 7 mageren Jahre vorbei. Wer überlebt hat, begräbt die Toten und beginnt den Wiederaufbau. Wie nach einem richtigen Weltkrieg reicht der ehemalige Nazi jetzt die Hand zur Versöhnung und „bekundet Sympathie für Griechenlands Premier und Volk„.

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