Griechenlands Verschuldung ist größte Lüge des Jahrhunderts

4. Dezember 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.317

Laut dem amerikanischen Großinvestor Paul Kazarian ist die angebliche Höhe der Verschuldung Griechenlands die größte Lüge des Jahrhunderts.

Der amerikanische Großinvestor Paul Kazarian und größte private Griechenland-Investor (und -Gläubiger) glaubt, das Land habe kein Problem mit der Verschuldung, da diese ganz einfach nicht 177%, sondern 71% seines BIP betrage.

Wie Kazarian in der Web-Ausgabe der Zeitschrift Spiegel charakteristisch äußerte, ist folglich „die Höhe der griechischen Verschuldung die Lüge des Jahrhunderts„.

Euro-Länder drängen Griechenland Kredite auf und fordern Überschüsse

Der heute 61-jährige Gründer der amerikanischen Investment-Gesellschaft „Japanica Partners“, der in der Vergangenheit auch Bankier bei Goldman Sachs war, stützt seine Ansicht, indem er als Kriterium für die Art der Bestimmung der Verschuldung deren Zeitwert und nicht ihre nominale Höhe anlegt: Berechnet man die griechische Verschuldung korrekt, beträgt ihre Höhe nicht 177,%, sondern 71% des griechischen BIP.

Karazian zufolge hat also die Berechnung der Verschuldung nicht auf Basis ihres nominalen Wertes – sprich 312 Mrd. Euro im Jahr 2015 -, sondern auf Basis des Zeitwerts der Verbindlichkeiten Griechenlands zu geschehen. Wie er gegenüber der deutschen Zeitschrift sagte, ist also „die verdeckte Streichung“ eines Teils der griechischen Verschuldung nicht nur mittels des niedrigen Zinssatzes, sondern auch der großen Prolongierung des Beginns der Tilgung der Schuld – sprich zehn Jahre später als anfänglich vereinbart – mit einzurechnen, und dies bedeutet eine „geringere Belastung wegen der Inflation„.

Der amerikanische Großinvestor betonte sogar gegenüber dem „Spiegel“, „der Zeitwert ist die Basis der finanzwirtschaftlichen Bilanzierung„. Weiter betont er ebenfalls, „Griechenland wird gedrängt, mehr finanzielle Hilfe von den Euro-Ländern anzunehmen, welche diese jedoch nur unter der Voraussetzung der fiskalischen Überschüsse gewähren und die griechische Regierung zu einem schweren Austeritäts-Paket und häufig umstrittenen Reformen treiben„.

Die von Paul Karazian vorgeschlagene Lösung ist, dass Griechenland grundsätzlich die wirkliche Höhe seiner Verschuldung „auf Basis international anerkannter Regeln“ beweist, weil „dann ersichtlich werden würde, dass seine Verschuldung in Wirklichkeit geringer als jene anderer Länder ist„.

(Quellen: Imerisia, Spiegel, Deutsche Welle)

  1. White Tower
    4. Dezember 2016, 06:22 | #1

    Solange Griechenland regelmässig Milliarden an Zinsen und Kapital an Gläubiger zu bezahlen hat, ist egal, wie ehemalige “Superbanker“ das beurteilen. Fakt ist, dass durch die Rückzahlungen kein Geld für das Wesentliche im Land übrig bleibt und die Bevölkerung sowie die Wirtschaft am “Sparen“ sterben … . # Schuldenschnitt oder weiter 20 Jahre Armut – das ist der Deal #

  2. Hans
    4. Dezember 2016, 11:49 | #2

    Herr Kazarian will doch nur sein Geld retten.

  3. Anton
    4. Dezember 2016, 15:00 | #3

    Vorsicht! Es handelt sich um eine reine Rechenoperation. Sie hat sogar einen Nachteil. Natürlich sinkt die Schuldenlast, wenn ich statt den Nominalwert den Zeitwert nehme (wie übrigens auch die (nominale) Lohnerhöhung sich verändert, setze ich diese zu anderen Komponenten, Preise, Steuern usw. in Beziehung). Nur zu was setze ich den Zeitwert der Schulden in Beziehung? Setze ich den Zeitwert nun zum aktuellen Wirtschaftswachstum in Beziehung, habe ich zwar eine günstigere Verhältniszahl. Aber woher weiß ich, wie dessen Entwicklung in der Zukunft aussieht? Da Schulden grundsätzlich immer eine Anleihe auf die Zukunft sind (kann ich überhaupt irgendwann einmal das Geliehende zurückzahlen?), lässt sich zwar z.B. durch Streckung der Rückzahlungsmodalitäten der Zeitwert verbessern, am praktischen Resultat ändert sich jedoch nichts – außer dass – mit Blick auf die Rückzahlungsmodalitäten – sich diese auf dem Papier verbessern. Global betrachtet ist es übrigens genau umgekehrt: Die Schulden wachsen schneller als das Wirtschaftswachstum und damit die Chance auf komplette Begleichung.

  4. V 99%
    4. Dezember 2016, 18:20 | #4

    Sehr vertrauenswuerdiger Mensch der Hr. Paul Kazarian, ehemals bei GS … . Haben nicht die Banker von Goldman Sachs schonmal Anfang der 2000er die Staatsbilanzen Griechenlands mit Hilfe eines sogenannten Waehrungs-Swaps „schoengerechnet“ und so der griechischen Regierung geholfen, die wahre Hoehe der staatlichen Kreditaufnahme und des Haushaltsdefizits für einige Zeit zu verschleiern?

  5. Moppel
    4. Dezember 2016, 21:29 | #5

    Kazarians Argumentation leuchtet durchaus ein. Allein die ersten „Hilfskredite“ der sogenannten (europäischen) „Partner“ hätten mehr als ausgereicht, um die gesamte Verschuldung Griechenlands zum (damaligen) „Markt- / Zeitwert“ aufzukaufen. Damit wäre Griechenland nicht nur seine gesamte Verschuldung auf einen Schlag los gewesen, sondern auch noch eine Menge Geld übrig geblieben, um anstatt tumber Austerität essentielle Umstrukturierungen oder sei es auch nur bis auf weiteres die Tilgung (besagter Kredite) zu finanzieren. Ein Schelm, wer Böses (dabei) denkt …

  6. GR-Block
    5. Dezember 2016, 19:07 | #6

    Ein Herr Kazarian braucht nichts zu beschönigen. Davon hängt seine Karriere nicht ab. Damit ist er weit glaubwürdiger als jene, die den Bänkern zuarbeiten, aber dem Wählervolk ein demokratisches Idyll verkaufen müssen.
    Natürlich waren die „Hilfskredite“ nur FAKE, virtuelles Geld. Ein 80-Mrd-Schiff braucht keine 320-Mrd-Ladung, außer man möchte es versenken. 20 Mrd hätten da gereicht, um die Wirtschaft GRs durch die Decke gehen zu lassen. Aber die EU fördert nunmal keine Konkurrenz zu sich selbst. Sie fördert nur sich selbst.
    Die Alteingesessenen haben seit 2010 über ihre Komplizen in den 5 GIIPS-Staaten 1,85 Bio € (!) in die Privatwirtschaft pumpen lassen, vorgeblich als „Hilfe“. Da staunt der Amerikaner und der Japaner wundert sich. Für Russen und Chinesen dagegen ist das Jahrzehnte alte, typische Wessi-Heuchelei. Während letztere dem Kommunismus abschwörten, wird die staatliche Subventionierung der Privatwirtschaft durch EU-Steuergelder munter weiter ausgebaut. Tja, das heißt dann wohl, Wasser predigen und Bier saufen.

    Natürlich hat GS die einzelnen EURO-Kandidaten darin beraten, wie man seine Haushaltszahlen in Form bringt, und natürlich ist daran nichts Betrügerisches. Schließlich ist es die EU, die ihre Mitglieder zu GS schickt um genau dies zu erreichen, nämlich Zahlenakrobatik nach gleichen Standards. Diese Doppelzüngigkeit ist es, die der amerikanische Bänker und Großinvestor anprangert.
    GR brauchte 2010 ein paar Mrd € Überbrückungskredit um den Lehman-Schnupfen zu überwinden. Papandreou aber erhielt eine Abfuhr vom IWF, weswegen Obama Strauss-Kahn den Marsch blasen ließ. Die EU reagierte sofort und drückte durch ihre Athener Komplizen GR den zehnfachen „Kredit“ auf. Natürlich war mit Papandreou, Samaras, und Tsipras vereinbart worden, dass es sich bei den faulen Kreditpaketen um FAKES handelt. Das genau war ja der Deal. Es wurde aber nicht geklärt, wann man den FAKE aufklären wollte. Varoufakis versuchte es nach 5 Jahren zu erzwingen und musste gehen.
    Die EU wollte schnell noch ein drittes Paket veruntreuen und hat wohl deshalb ein Angebot gemacht, das selbst ein Tsipras nicht ausschlagen konnte. Jetzt drückt sich jeder davor, den Deal den Wählern zu eröffnen. „Das sollen mal die nächsten Regierungen tun,“ denkt man sich, „wenn wir längst unsere Beraterverträge genießen.“

    Aber welcher Europäer kann schon einen amerikanischen Investor den Marsch blasen. Solche Leute plappern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und fahren dabei trotzdem Gewinne ein. Einer schaffte es sogar, fast jedem den „Varoufakios Daktylos“ zu zeigen, und ließ sich trotzdem als Republikaner ganz demokratisch zum Präsidenten wählen. Da verstehe einer die Welt.

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