Enormer Mangel an Talenten in Griechenland

4. November 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.236

6 von 10 Arbeitgebern in Griechenland haben Schwierigkeiten, ihren Anforderungen entsprechende Arbeitnehmer zu finden.

Laut den Ergebnissen der jährlichen internationalen Untersuchung der ManpowerGroup über den Mangel an Talenten für das Jahr 2016 haben in Griechenland 6 von 10 Arbeitgebern Schwierigkeiten, Arbeitsplätze zu besetzen.

Diese Quote (59%) bleibt für das zweite Jahr in Folge stabil und ist die höchste, die in Griechenland in den letzten 9 Jahren der Durchführung der Untersuchung im Land verzeichnet wird und liegt 19 Prozentpunkte über dem internationalen Durchschnittswert (40%).

Unterqualifikation, Lohnforderungen und Mangel an Kandidaten

Der Mangel an technischen Fertigkeiten (29%), geforderter Erfahrung (27%), persönlichen Qualifikationen (12%), die Forderung nach einer höheren Vergütung im Verhältnis zu der angebotenen (11%) und der Mangel an verfügbaren Interessenten oder das Fehlen interessierter Kandidaten (11%) werden als Hauptgründe für die Schwierigkeit verzeichnet, Arbeitsplätze zu besetzen..

Auf weltweitem Niveau begegnen 40% der Arbeitgeber Schwierigkeiten, Arbeitnehmer mit den geforderten Qualifikationen zu finden, welche Quote einerseits im Vergleich zu 2015 um 2 Prozentpunkte höher liegt und andererseits die seit 2007 weltweit höchste ist – welcher Umstand bestätigt, dass bei dem Mangel an Talenten keine Anzeichen eines Rückgangs erkennbar sind.

Die größten Schwierigkeiten, Talente zu finden, verzeichnen weiterhin die Arbeitgeber in Japan (86%), gefolgt von denen in Taiwan (73%), Rumänien (65%), Hongkong (69%) und der Türkei (66%). Griechenland liegt mit einer Quote von 59% auf dem 8. Platz der weltweiten Rangliste und sank damit im Vergleich zu 2015 um einen Platz ab. Europäische Länder wie Norwegen (16%), Holland (17%), Großbritannien (18%) und Irland (20%) scheinen dagegen bei der Anziehung von Talenten keinen besonderen Problemen zu begegnen.

Top-Mangelberuf auch in Griechenland: Profi-Verkäufer

Die Arbeitgeber in Griechenland begegnen für das achte aufeinanderfolgende Jahr den größten Schwierigkeiten bei der Besetzung von Positionen auf dem Sektor der „professionellen Verkäufer“, gefolgt von der Qualifikation des „Personals für IT-Dienste“, die 2015 auf Rang 6 der Rangliste lag. Auf dem 3. Platz liegen die „spezialisierten Techniker“, welche Qualifikation sich seit 2011 stabil unter den ersten 5 Rängen befindet. Es ist anzumerken wert, dass Qualifikationen wie „Personal für den Gastronomie- und Hotelbereich“ sowie auch „Kraftfahrer“ auf die Liste zurückkehren und entsprechend auf Rang 8 und 9 liegen. Im Vergleich zu der Liste der „Top 10“ des Jahres 2015 aus der Aufstellung herausgefallen sind „Arbeiter“ (2015 Rang 9) und „Verkaufsleiter (2015 Platz 10).

Auf weltweitem Niveau verbleiben für das fünfte aufeinanderfolge Jahr stabil die „professionellen Verkäufer“ an der Spitze der Positionen, bei denen es den Arbeitgebern am schwersten fällt, sie zu besetzen. Das „Personal für IT-Dienste“ bleibt weiterhin schwer zu finden und liegt in diesem Jahr auf Rang 2, während auf Platz 3 der weltweiten Rangliste die „Ingenieure“ figurieren.

Die 10 Positionen in Griechenland mit den größten Schwierigkeiten, sie zu besetzen

2015 2016
1 Professionelle Verkäufer Professionelle Verkäufer
2 Hochrangige Funktionäre Personal für IT-Dienste
3 Spezialisierte Techniker Spezialisierte Techniker
4 Diplomingenieure Diplomingenieure
5 Verwaltungs- & Büropersonal Hochrangige Funktionäre
6 Personal für IT-Dienste Techniker
7 Techniker Verwaltungs- & Büropersonal
8 Personal für Buchhaltungs- & Finanzabteilungen Personal für den Gastronomie- und Hotelbereich
9 Arbeiter Kraftfahrer
10 Verkaufsleiter Verwaltungs- & Büropersonal

(Quelle: Imerisia)

  1. Kleoni
    4. November 2016, 07:59 | #1

    Hochqualifizierte Fachkräfte sind doch schon längst ins Ausland abgewandert, wo sie nicht nur besser bezahlt werden, sondern auch viel bessere Arbeitsbedingungen finden. Und auch Top Verkäufer können nicht mehr verkaufen, weil vielen Griechen schon längst das Geld ausgegangen ist.

  2. Bernd Engelking
    4. November 2016, 14:48 | #2

    Warum wird an dieser Stelle nicht erwähnt, wie viele hoch Qualifizierte das Land verlassen haben, auf aufgrund der falschen neoliberalen Sparpolitik, also der Strukturreformen, die auch hier unterstützt werden?

  3. GR-Block
    4. November 2016, 18:22 | #3

    Merkwürdig … wo doch die Arbeitslosigkeit in GR bei gut Ausgebildeten bis hin zu Akademikern grassiert. Und nur ein Teil von ihnen verlässt tatsächlich das Land. Wenn also Arbeitgeber „Unterqualifikation, Lohnforderungen und Mangel an Kandidaten“ monieren, dann können jene keine Griechen sein. Ach ja, die ManpowerGroup ist ja auch nicht griechisch. Wie man liest, sei sie die Erfinderin der Zeitarbeit. Wie, wollen jetzt etwa die ausländischen „Investoren“ endlich ins Land und bitten um einen allerletzten Anreiz, das Maßschneidern des unbeugsamen Griechen?
    „Mangel an technischen Fertigkeiten (29%), geforderter Erfahrung (27%)“ – Soll nun der bankrotte Staat etwa die Kosten für die Einarbeitung der Facharbeiter auch noch selbst übernehmen, wie das in den Luxusstaaten üblich ist?
    „Mangel an persönlichen Qualifikationen (12%)“ – Beruflich überqualifiziert aber persönlich unterqualifiziert. Tja, Investoren brauchen eben Indianer und keine Häuptlinge.
    „Forderung nach einer höheren Vergütung (11%) – Das ist in GR Tradition. Wer für einen Hungerlohn arbeiten muss, der will wenigstens keinen Chef und wird selbständig. Bleiben also nur noch jene für eine Anstellung, die ÜBER dem Sozialminimum verdienen möchten. Da ist der Grieche ganz unsolidarisch mit dem „Investor“.
    „Fehlen interessierter Kandidaten (11%)“ – Nun, da kann jetzt der vom Zaun gebrochene, wahlpolitisch opportune Streit mit der Türkei Abhilfe schaffen. Merdogan werden dafür sorgen, dass interessierte syrische Kandidaten in GR die ManPower-Lücke füllen. Ein paar 10.000 sind jetzt schon in den Auffanglagern. Die EU braucht nur noch Gelder für die Weiterbildung vor Ort freizugeben um deren Anlernung zu finanzieren, bevor die beruflich, persönlich, politisch Geeigneten von der EU abgesaugt werden (die anderen bleiben im Lager). Mal sehen, wer das als Erster vorschlägt.

  4. V 99%
    5. November 2016, 00:25 | #4

    Danke an den Kommentator ανώνυμος bei Imersia: „You give peanuts, you get monkeys!“ Hahahah …

  5. Konstantin
    5. November 2016, 15:26 | #5

    Als ob es nicht genügend qualifizierte und überqualifiezierte Arbeitssuchende in Griechenland geben würde. Nicht alle sind ausgwandert. Diesen Artikel der auf Untersuchungen eines der größten Personaldienstleisters basiert halte ich für lächerlich. Ein plumper Versuch die Personalkosten noch weiter zu drücken und noch preiswertere Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen.
    Syrer und co sind ja genügend verfügbar, jetzt muß man nur noch eine Möglichkeit finden, diese auf Staats und EU Kosten aus zu bilden und dann mit Staatshilfen bei Zeitarbeitsfirmen fast umsonst arbeitend unter zu bringen. So schafft sich der Kapitalismus Billig- und Tagelöhner.
    Besonders amüsant ist, dass Top Profiverkäufer gesucht werden, gerade da wo die Wirtschaft schrumpft, die Gesetze alle Nase lang geändert werden, die Steuerbelastung unhaltbar und unberechenbar sind.

  6. Locutus
    10. November 2016, 00:18 | #6

    Die ManpowerGroup ist eine der miesesten Zeitarbeitsfirmen aller Zeiten. Bloß weg damit! Deren Untersuchungen haben keinen Wert. Die meisten gut qualifizierten Fachkräfte arbeiten schon längst im Ausland. Der Braindrain macht sich leider schon lange in Hellas bemerkbar.

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