Sparer misstrauen Griechenlands Banken

6. Januar 2016 / Aktualisiert: 07. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.064

Laut der internationalen Presse zeigen die Sparer in Griechenland sich eher unwillig, ihr Geld an die Schalter der Banken zurückzubringen.

Eine Reportage bei Bloomberg berichtet, „Da der griechische Premierminister Alexis Tsipras sich auf eine weitere Runde harter Verhandlungen mit den Gläubigern vorbereitet, zögern die Sparer weiterhin, die Ansicht zu adoptieren, dass die Gespräche des laufenden Jahres für sie selbst und die Position des Landes in der Eurozone weniger gefährlich sind als sie es 2015 waren„.

Laut der internationalen Agentur „zeigten die von der Griechischen Bank bekannt gegebenen Angaben, dass die Abflüsse von Guthaben sich im November über den zweiten aufeinanderfolgenden Monaten fortsetzten, und zwar trotz der strengen Kapitalverkehrskontrollen, die seit dem vergangenen Sommer mit der Verhängung eines Plafonds bei den Barabhebungen und dem Transfer von Geldern ins Ausland zur Anwendung gebracht worden sind„.

Laufende Verpflichtungen tragen zu Abfluss der Guthaben bei

Die Guthaben der privaten Haushalte und Unternehmen bei den griechischen Banken gingen im November 2015 nahe an das Jahrestief auf 120,9 Mrd. Euro zurück, was in den letzten zwölf Monaten die Gesamtabflüsse auf Rekordniveaus von über 43 Milliarden bzw. 26,4% der Gesamtheit der Einlagen steigen ließ.

Allerdings scheint der Bloomberg-Artikel nicht die Tatsache der erhöhten Verpflichtungen der Unternehmen und Haushalte zu berücksichtigen, die trotz der Kapitalverkehrskontrollen die Guthaben weiter abnehmen lassen. Jedenfalls vertritt Bloomberg, der nicht erfolgende Zufluss von Guthaben in die Kassen der Banken könnte das Ziel der Regierung bezüglich der Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen im 2. Halbjahr 2016 zunichte machen.

Die Unwilligkeit, die im Ausland geführten oder unter den Matratzen aufbewahrten Guthaben und Gelder zu den Banken zurückzubringen, hindert die Gläubiger daran, die bereitgestellten Mittel in die reale Wirtschaft zu lenken, während die Regierung darum kämpft, Griechenland nach einem Jahr voller Unruhen, welches das Land an den Rand zum Ausscheiden aus der Eurozone brachte, 2016 aus der Rezession zu bringen.

Ebenfalls in dieser Woche von der Griechischen Bank veröffentlichte weitere Daten zeigten, dass die „Enthebelung“ (deleverage) des privaten Sektors sich im November 2015 beschleunigte, wobei die Restsalden der Kredite seit dem vorherigen Jahr einen Rückgang um 2,2% zeigen.

Rekapitalisierung der Banken war ein signifikanter Schritt

Die Analysten beharren jedenfalls, die jüngste erfolgreiche Vollendung der Rekapitalisierung der griechischen sytemischen Banken sei ein signifikanter Schritt in Richtung der schrittweisen Wiederherstellung des Vertrauens der Sparer. Sie betonen jedoch, der Prozess sei langsam und werde von der politischen Stabilität und der reibungslosen Umsetzung des Programms durch die Regierung abhängen, das letztere mit ihren Gläubigern vereinbarte.

Auf der selben Wellenlänge bewegte sich auch die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ unter dem zentralen Gedanken: „Griechische Banken in einem Teufelskreis

Trotz der Kapitalverkehrskontrollen in den letzten sechs Monaten setzt sich der Abfluss der Guthaben fort, im Fall einer Lockerung der Kontrollen könnte dies zu noch größeren Verlusten von Guthaben führen„, betont der deutsche Korrespondent. „Solange die Beschränkungen bestehen bleiben, wird es den Banken nicht möglich sein, die Guthaben zu erhöhen. Der ‚Schlüssel‘ liegt in der Beschleunigung der Umsetzung der Reformen, wie der Leiter der griechischen Zentralbank, Giannis Stournaras, betonte„.

Kapitalverkehrskontrollen – Rettung oder Fluch?

Die Banken schulden ihre Existenz den Kapitalverkehrskontrollen, inzwischen hat dieses Rettungsinstrument sich jedoch zu einem Fluch gewandelt„, stellt der Redakteur fest: „Solange weiterhin die Kapitalverkehrskontrollen gelten, sinkt die Bereitschaft der Griechen, ihr Geld den Banken anzuvertrauen.

Die griechischen Banken haben natürlich sowohl auf die Rückkehr der Guthaben als auch die richtige Handhabung der „roten“ Kredite Acht zu geben.

Soros: Nur Deutschland kann die Spaltung Europas verhindern

Zu Erklärungen schritt derweilen auch der amerikanische Großinvestor George Soros. Der Mensch, der einmal mit spekulativen Offensiven gegen das britische Pfund an nur einem einzigen Tag um eine Milliarde reicher wurde, sprach zu dem deutschen Wirtschaftsmagazin „Wirtschaftswoche“ über die schwierige Lage, in der sich Griechenland, aber auch Deutschland befindet, das seiner Ansicht nach das einzige Land ist, das ein Auseinanderbrechen Europas zu verhindern vermag.

(Quelle: Imerisia)

  1. yock48
    6. Januar 2016, 20:28 | #1

    Man darf nie vergessen, das Herr Soros ausschließlich seine eigene Interessen im Blick hat, das Schicksal Europas, Griechenlands oder Deutschlands interessiert ihn nicht.

  2. Stella
    7. Januar 2016, 22:56 | #2

    Ist es ein Wunder, dass die Griechen dem Bankensystem Misstrauen? Nach allem was passiert ist und jeden Tag immer noch passiert. Jeder der etwas von seinem ersparten retten konnte, bringt das hart Ersparte Geld bestimmt nicht zu einer griechischen Bank, oder. Es ist auch weiterhin so, dass Die Menschen in Griechenland täglich nur einen bestimmten Betrag abholen dürfen. Man hat die Menschen vollends geknebelt. Auslandsüberweisungen können überhaupt nicht getätigt werden. Hinzu kommt eine immens hohe Arbeitslosigkeit, eine mangelhafte medizinische Versorgung, Rentenkürzungen, Steuererhöhungen u.s.w.. Also wo soll da Kapital entstehen um es auch noch zur Bank zu bringen. Wenn man das Versagen der europäischen Politik definieren möchte, dann ist Griechenland das traurigste Beispiel hierfür. Die größte Strafe die man einem Menschen antun kann ist „Armut“. Im Krieg kann man sich verteidigen, aber das hier ist schlimmer. Ist das das Europa was wir Menschen erstreben. Indem ein Teil sich die besten Rosinen rauspickt und der Rest leiden muss. Vielleicht sollte man dann wirklich über eine Trennung Europas nachdenken. Ich möchte nicht, dass meine Kinder in diesem Europa aufwachsen.

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