Griechenlands Lage wird auch 2016 nicht besser werden

9. Dezember 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.634

Alles deutet darauf hin, dass die Dinge sich im Jahr 2016 für Griechenland keinesfalls verbessern, sonder erneut weiter verschlimmern werden.

Seitdem Sotiris Alexopoulos 2010 seine Arbeit verlor, hilft er den Verzweifelten und Mittellosen, die der wirtschaftliche freie Fall Griechenlands schuf. In diesem Jahr begann er, sich auch um eine neue Gruppe Verfolgter zu kümmern: nämlich die zu tausenden im Hafen von Piräus eintreffenden Flüchtlinge.

Wir sind wie sie, wir hatten die selben Bedürfnisse„, meinte der 65-jährige Sotiris Alexopoulos, während er half, Essen und Kleidung an die ungefähr 1.400 Personen die verteilen, die in der Nacht mit einem Schiff von Mytilini, dem Zugangspunkt nach Europa, angereist waren. „Wir sind die Armen, die etwas tun, um sich selbst zu helfen.

Neue Maßnahmen sind Resultat einer dramatischen Kapitulation

Sotiris Alexopoulos und das ungefähr 350 Menschen zählende Netzwerk der Freiwilligen signalisieren das Geflecht der finanziellen und humanitären Krisen, welche die Europäische Union der 28 Mitglieder verfolgen. Das seit 2010 von den Geldern der internationalen Rettungen abhängige Griechenland ist der weiche Unterleib eines Kontinents, der sich anstrengt, die fast 900.000 Asylbewerber zu beherbergen, die in diesem Jahr an den europäischen Küsten ankamen.

Es nähert sich das Jahr 2016 und das Land bleibt weiterhin gleichermaßen anfällig für eine wirtschaftliche Krise als auch gegenüber dem Strom der Menschen unverteidigt, die Syrien und andere Kriegsgebiete verlassen. „Griechenland hat die Gefahrenzone nicht verlassen„, sagte Panagiotis Pikramenos, der die kommissarische Regierung des Jahres 2012 leitete, als Griechenlands Liquiditätsmangel den Euro in Gefahr zu bringen drohte. „Die kommenden Monate werden entscheidend sein.

Nach sechs Jahren der Rezession und Austerität befindet die Wirtschaft sich immer noch in einem chaotischen Zustand. Die Banken schränken die Abhebungen ein, die Renten werden beschnitten und die Arbeitslosigkeit bleibt bei rund 25%. Die Regierung stützt sich auf eine noch kleinere parlamentarische Mehrheit, um noch mehr Gesetzesvorlagen durchzubringen, die von der letzten Hilfsvereinbarung gefordert werden. Immerhin gab es jedoch eine Vereinbarung und die Rettungsgelder fließen.

Die mit dem Verbleib Griechenlands im Euro verbundenen letzten Ausgabenkürzungen beginnen gerade erst spürbar zu werden und die Arbeitnehmer schritten in der vergangenen Woche zu einem zweiten Generalstreik innerhalb nur eines Monats. Die Maßnahmen sind das Resultat einer dramatischen Kapitulation von Seite des Premierministers Alexis Tsipras in einer die ganze Nacht über dauernden 17-stündigen Gipfelkonferenz im Juni 2015, als die Partner der Eurozone sich weigerten, von den Austeritäts-Forderungen abzurücken.

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2015 kamen über 740.000 Flüchtlinge und Immigranten nach Griechenland

Die europäischen Führer haben seitdem ihre Aufmerksamkeit auf die Einschränkung des Zustroms der Menschen aus dem Krieg in Syrien und, zusammen mit ihnen, möglicher Terroristen gerichtet. Die Grenzkontrollen, die auf den Anschlag des 13 November 2015 in Paris folgten, kippen praktisch das europäische Schengen-Abkommen über die freie Bewegung der Menschen, ohne Reisepässe. Ein in der Nähe eines der toten Täter der Anschläge gefundener syrischer Reisepass war auf der griechischen Insel Lesbos registriert worden.

Unter der Drohung von Seite diverser europäischer Regierungen mit dem Ausschluss aus der Schengen-Zone gab Griechenland dem Druck schließlich nach und „ersuchte“ bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel am vergangenen Freitag (04 Dezember 2015) um europäische Patrouillen (sprich unter Mitwirkung der Frontex) entlang der Küsten der Ägäis.

Vor dem Sommer 2015 passierten die Konferenzen der EU, die den Flüchtlingen gewidmet waren, mit einem Bruchteil der Aufmerksamkeit, die dem Drama gezollt wurde, das sich für Griechenland abspielte. Während Premierminister Alexis Tsipras sich darauf vorbereitete, sich am 23 April 2015 mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen, ertranken über 700 Immigranten, als ihr Schiff nahe der Küsten Lybiens versank – ein schmerzhaftes Vorzeichen für das, was folgen werden würde.

Während die Bürokraten während der Dauer des Frühlings und zu Beginn des Sommers nächtelang über den Rechnungsbüchern brüteten, verbrachte Sakellarios Mpiliris diese Monate damit, Leichen aus der Ägäis zu fischen. Herr Mpilioris ist Hafenmeister auf der Insel Leros, wo an den meisten Tagen ungefähr 200 Flüchtlinge – die glücklichen – eintreffen und nach der gefährlichen Reise von der Türkei in der EU ankommen. „Wir arbeiteten während der Dauer dieser Monate die ganze Nacht über und saßen nicht um einen Tisch herum„, meinte der 50-Jährige. „Wir waren draußen auf dem Meer, in der Kälte, und beförderten Körper.

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2015 strömten bis Ende November über 740.000 Flüchtlinge und Immigranten über die Seegrenzen nach Griechenland
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  1. Stella
    10. Dezember 2015, 21:00 | #1

    Armes Griechenland und arme Griechen. Dank Euch werden die reichen Länder Europas von den Riesenflüchtlingsströmen verschont. Die größten Profiteure der Eurokrise (Deutschland, Großbritannien, Frankreich) profitieren auch weiterhin von billigen Öllieferungen in die Türkei (von dort aus in Ihre Länder) und stellen uns Griechen gleichzeitig als Schmarotzer da. Vielleicht sind Sie die Schmarotzer, weil etwas anderes als Unterdrückung und Schmach hat Griechenland durch sie nicht erfahren. Und durch Unterdrückung der Bevölkerung des nahen Ostens ist es ja auch leicht an ihren Ressourcen Geld zu verdienen und seine eigene Bevölkerung mit reichlich Treibstoff für noch mehr Autos zu versorgen. Also wer ist hier der Schmarotzer?

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