Griechenland: Wir belasten unsere Kinder!

28. November 2015 / Aufrufe: 1.152

Die bisherigen Rentenreformen in Griechenland und anderen EU-Ländern führten zu einer Ausweitung der Kluft zwischen den Generationen.

Die Reform des Rentensystems in Griechenland gilt als erforderlich, damit auch in Zukunft die Renten gezahlt werden können. Die Reform wird jedoch keinen Erfolg haben, solange sie zu einer Ausweitung der Generationskluft führt.

Würden alle Griechen mit 65 Jahren in Rente gehen, läge auf Basis der Daten des Ergani-Systems die jährliche Aufwendung für Altersrenten um bis zu 8 Mrd. Euro oder ungefähr 4% – 4,5% des BIP niedriger. Das Land würde im Haushalt große primäre Überschüsse haben, die öffentliche Verschuldung würde als kreditwürdig gelten und das Land wäre aus dem Memorandum herausgekommen oder erst gar nicht hineingeraten.

Renten gegen Stimmen war Griechenlands Markenzeichen

Wäre mit der Umsetzung der obigen Verrentungsregel sogar schon vor vielen Jahren begonnen worden, wäre das Land gar nicht erst in dieser desolaten Lage angelangt. Viele der heutigen Rentner wären natürlich aus ihrer Bequemlichkeit gerissen worden und diverse andere hätten Stimmen verloren. Die heutigen Arbeitnehmer und hauptsächlich die jungen Leute würden jedoch weniger Lasten haben, weil die Refinanzierung und Tilgung der öffentlichen Verschuldung weniger Steuern erfordern würde. Und die ausländischen Gläubiger wären ebenfalls fröhlich, weil die hohen Primärüberschüsse als eine Art Garantie fungieren würden, dass sie ihr Geld zurück bekommen werden.

Dies ist jedoch nicht der Fall. Und wie könnte es auch, wenn die generöse Verrentung mit Stimmen als Gegenleistung das Markenzeichen Griechenlands war, unter Toleranz der arbeitenden Generationen.

Die von der Regierung vorbereitete neue Runde der Reform des Versicherungssystems gehorcht der Logik der Einschränkung der staatlichen Finanzierung des Rentensystems, damit die fiskalischen Zielvorgaben erreicht werden. Es sei in Erinnerung gerufen, dass die Einsparungen mittels des Rentensystems sich in den beiden Jahren 2015 – 2016 auf 1,8 Mrd. Euro belaufen, wovon sich ungefähr 1,1 Mrd. Euro auf das Jahr 2016 beziehen. Die Reform zielt auf die Erhaltungsfähigkeit des Rentensystems und wird nicht die letzte sein.

Begünstigung der heutigen Rentner zu Lasten der zukünftigen

Die Historie der griechischen Reformen sowie auch jener anderer Länder der EU scheinen in die Ausweitung der Kluft zwischen den neuen und alten Generationen zu führen. Hauptsächlich weil sie üblicherweise die heutigen Rentner gegenüber den zukünftigen begünstigen, welche die heutigen Arbeitsnehmer sind.

Das zeigt abgesehen von allem anderen eine Studie des Bruegel-Instituts zu dem Thema der Generationskluft (intergenerational divide), von der viele annehmen, dass sie in der Europäischen Union in den kommenden Jahren vorherrschen wird. Spezieller in Bezug auf Griechenland zeigt die Studie, dass die erfolgten Reformen im Rentensystem zwischen 2007 und 2013 zu einer drastischen Verschiebung führten.

Einfach gesagt wurde 2013 die Überlegenheit der zukünftigen Rentner (heutigen Arbeitnehmer) gegenüber den damaligen Rentnern auf Basis des Einkommens des Jahres 2007 völlig umgekehrt. Dies bedeutet, dass die Reformen im Rentensystem die Arbeitnehmer und zukünftigen Rentner im Verhältnis zu den aktiven Rentner mehr belasteten. Jedoch wird keine Reform Erfolg haben, solange sie zu einer Ausweitung der Generationskluft führt.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Anton
    28. November 2015, 15:56 | #1

    Für mich reiht sich der Artikel in das bekannte Schema ein, wo jung gegen alt ausgespielt wird und von den tatsächlichen Ursachen abgelenkt werden soll. Vor allem gibt es ja bereits Erfahrungen mit dem Heraufsetzen des Rentenalters – z.B. in Deutschland. Nach offiziellen Statistiken erreichen nur wenige Rentner hier das hochgesetze Rentnenalten. Die Arbeitslosenquote ist hoch, was zu einer Belastung bei ALG I und ALG II führt. „Jede zweite Rente war 2012 niedriger als Hartz IV“, meldete die FAZ bereits 2013. Will der Staat eine Verarmung im Alter vermeiden, muss er die Rente wiederum aus Steuergeldern aufstocken (Mindestrente), er zahlt dann, statt Steuergelder einzusparen. Gelöst wird dies einerseits in Deutschland durch Mini-Jobs für Rentner. Dafür müssen allerdings Jobs vorhanden sein. In Griechenland sieht es überhaupt nicht danach aus. Man muss aus der Rezension überhaupt erst einmal herauskommen – und das betrifft auch die Jungen. Andererseits kann man einfach die Verarmung in Kauf nehmen. Für mich ist genau dies das Konzept der Troika für Griechenland – aber ebenfalls für die Jungen, die für Löhne arbeiten sollen, die weder für eine spätere ausreichende Rente sorgen, noch gegenwärtig existenzsichernd sind. Die Jugendarbeitlosigkeit kann nicht durch Armutsrenten überwunden werden.

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