Umgehung der Kapitalkontrollen in Griechenland

15. Oktober 2015 / Aufrufe: 1.394

Findige Unternehmer in Griechenland umgehen die Kapitalverkehrskontrollen, indem sie bargeldlose Transaktionen über ausländische Banken und Zahldienste abrechnen.

Wenige Tage nach der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland im Juni 2015 passierte ein bulgarischer Staatsangehöriger den Grenzübergang Promachonas und hatte im Kofferraum seines Wagens eine „smarte“, sichere und – hauptsächlich – „legale“ Weise, auf die man sein Geld ins Ausland schafft.

Der Typ transportierte POS-Terminals – Sie wissen schon, solche Geräte, die den Gewerbetreibenden ermöglichen, Debit- und Kreditkarten zu belasten. Und bei seinen Touren nach Griechenland verbrachte er viele davon.

Mit Auslandskonten verknüpfte Terminals

Mehr als 7.000 solche Geräte gelangten auf den griechischen Markt und wurden – ohne MwSt. – von Gewerbetreibenden (hauptsächlich der Tourismus-Branche) gekauft. Es versteht sich, dass sie in keinerlei Zusammenhang mit griechischen Banken stehen. Sie sind bei einer Bank in Luxemburg registriert. Praktisch bedeutet dies, dass jede mittels dieser Geräte erfolgende Transaktion zum direkten Transfer der Gelder nach Luxemburg führt.

Nun werden Sie sich fragen, wie es möglich ist, dass Ihre Karte mittels eines solchen Geräts belastet wird und das Geld nach Luxemburg gelangt. Es ist möglich. Weil die von Ihnen an dem Gerät getätigte Transaktion als im Ausland und unter physischer Anwesenheit (des Karteninhabers) erfolgt betrachtet wird. Und wenn eine physische Präsenz vorliegt, bestehen keine Einschränkungen im Kapitaltransfer. Allgemein können Sie Ihre Karte im Ausland sogar auch für Beträge nutzen, die über dem in Griechenland geltenden Abhebungslimit liegen.

Was die griechischen Behörden dagegen unternahmen? Aus rechtlichen und technischen Gründen vermögen sie nicht viel zu tun.

Anonyme Prepaid-Guthaben und Karten

Es gibt auch einen anderen Weg. Angenommen, Sie haben eine Firma, die Zahlungsdienste, also an den Kiosken vorab bezahlte Code-Nummern, Prepaid-Karten usw. anbietet. Ihre Firma hat ihren Sitz nicht in Griechenland und wird folglich nicht von der Griechischen Bank und dem Generalsekretariat für (öffentliche) Einnahmen kontrolliert. Die Gesetze über Geldwäsche und Steuerentziehung rauschen Ihnen also völlig am Knie vorbei. Sie bieten an den Kiosken Codes an. Die Leute kaufen sie, um an Wettspielen teilzunehmen oder sonstige Käufe im Internet zu tätigen.

Diese Transaktionen werden von keinerlei Seite kontrolliert. Und weil Ihre Firma auch vor den Kapitalverkehrskotrollen Kapitaltransfers ins Ausland tätigte, findet sie nun in dem gesetzlichen Rahmen ein Fensterchen und setzt ihre Überweisungen ohne jede Kontrolle fort. Damit Ihnen die Größen bewusst werden: allein eine einziger Anbieter von Wetten schafft täglich 300.000 Euro ins Ausland. Insgesamt wird veranschlagt, dass auf diese Weisen alltäglich wenigstens 1,5 Mio. Euro aus dem griechischen Banksystem abfließen.

Was wird geschehen? Es muss politische und technische Initiativen geben. Regierung, Kontrollbehörden und die Griechische Bank schulden also, umgehend zu kooperieren. Und höchstwahrscheinlich werden sie dies auch tun.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Kostas Giannakidis)

Kommentare sind geschlossen