Russen verlassen Griechenland

17. Oktober 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 1.944

Russland scheint seine Beteiligung an den Ausschreibungen zur Privatisierung der Eisenbahn und des Hafens von Thessaloniki in Griechenland zurückziehen zu wollen.

Mit einem überraschenden Beschluss ihres Vorstands beschloss die Russische Eisenbahn Rossiyskie Zheleznye Dorogi (RZD) am späten Mittwochabend (14 Oktober 2015), ihrem Hauptaktionär – also dem russischen Staat – die Rückziehung ihres erklärten Interesses an Investitionen in Griechenland vorzuschlagen.

Spezieller wurde entschieden, sich weder an den Ausschreibungen für 100% des Aktienkapitals der griechischen Eisenbahngesellschaft TRAINOSE noch für 51% des Aktienkapitals des Trägers des Hafens in Thessaloniki und schließlich auch nicht für 100% der Wartungsgesellschaft für Eisenbahn-Rollmaterial (EESSTY bzw. ROSCO) beteiligen zu wollen.

Geopolitische Entwicklungen und amerikanische Interessen

Der gefasste Beschluss wurde zuständig an die russische Regierung übermittelt, damit sie die finalen Entscheidungen trifft, der Vorschlag auf Gesellschaftsebene ist jedoch negativ„, erklären gegenüber capital.gr bestens informierte Quellen aus Moskau. Die Begründung des Beschlusses der neuen Unternehmensleitung der Rossiyskie Zheleznye Dorogi wurde nicht bekannt, diplomatische Kreise betonen jedoch unter anderem das in diesem Jahr vorausgegangene Ausscheiden von Wladimir Jakunin, einem leidenschaftlichen Verfechter der Expansion nach Griechenland, aus der Führung des russischen Staatsunternehmens sowie auch die weitläufigeren geopolitischen Entwicklungen.

Politische Beobachter fügen an, das Erscheinen der amerikanischen Interessen unterliegenden Watco Companies bei der Ausschreibung bezüglich der TRAINOSE spielte eine Rolle, sowie natürlich auch die weiteren geo-ökonomischen Umstände in Griechenland und der weitläufigeren Region. Die Entscheidung der Rossiyskie Zheleznye Dorogi fällt jedenfalls auch mit dem Besuch des Sondergesandten der US für Energiethemen, Amos Hochstein, in Athen und der Forcierung der amerikanischen Energie-Agenda zusammen, die sich von jener Moskaus unterscheidet.

Der bisherige Zeitplan für die Ausschreibungen

Es war geplant, dass der Termin für die Abgabe verbindlicher Angebote für die TRAINOSE wie auch für die Griechische Wartungsgesellschaft für Eisenbahn-Rollmaterial (EESSTY bzw. Rosco) Anfang Dezember 2015 stattfindet, für den Träger des Hafens in Thessaloniki dagegen im Februar 2016. In der laufenden 2. Phase der Ausschreibung für den Hafen Thessalonikis waren die APM Terminals, Deutsche Invest, Duferco , ICTS, Mitsui, P&O, Yilport und das Konsortium Rossiyskie Zheleznye Dorogi – GEK TERNA in die Vorauswahl gekommen.

Derzeit bleibt unbekannt, ob die GEK Terna allein oder mit einem anderen Partner bei ihrer Beteiligung an dem Ausschreibungsverfahren für den Hafen weitermachen wird. Dies gilt auch für die TRAINOSE, wo der Termin für die Abgabe verbindlicher Angebote für Dezember 2015 festgesetzt worden ist und sich bisher die Rossiyskie Zheleznye Dorogi in einem Konsortium mit der GEK Terna und die rumänische Grup Feroviar Roma beteiligten, mittels der die amerikanische Watco Companies der Ausschreibung beizutreten versuchen soll.

Für die EESSTY / Rosco, in Bezug auf die ebenfalls erwartet wurde, dass bis Ende Dezember 2015 verbindliche Angebote verlangt werden sollten, interessierten sich ebenfalls das Konsortium unter der Rossiyskie Zheleznye Dorogi, aber auch die französische Alstom in Kooperation mit dem griechischen Copelouzos-Konzern und der deutschen Siemens.

(Quelle: capital.gr, Autor: Ilias G. Mpellos)

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