Das wahre Gesicht der Krise in Griechenland

13. Oktober 2015 / Aufrufe: 1.633

Das Versicherungssystem wird in Griechenland das wahre Gesicht der Krise offenbaren.

In Griechenland scheinen mit zügigen Schritten die Tage zu nahen, wo das Arbeitsministerium aufgerufen sein wird, seinen Plan für das Versicherungssystem des Landes zu präsentieren.

Hätte Giorgos Katroungalos (unter der neuen SYRIZA-Regierung derzeit Minister für Arbeit, Sozialversicherungen und gesellschaftliche Solidarität) sich in der vergangenen Woche nicht nach Lima in Peru zu Begegnungen mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF) begeben, wäre dieser Zeitraum vielleicht noch mehr beschleunigt worden.

Eine Ausbalancierung ist nur „nach unten“ möglich

Jedoch auch so laufen alle Informationen darauf hinaus, das die kommende Woche uns die … Freude und Ehre gewähren wird, uns mit einem neuen Versicherungsmodell zu befassen. Einem Modell, das in dem Bericht des „Ausschusses der Weisen“ beschrieben werden, im weiteren Verlauf jedoch weiter zu spezifizieren sein wird – was bedeutet, dass seine Kosten so genau wie möglich berechnet werden.

Eine wirklich schwierige Aufgabe, da die Versicherungsmathematiker annehmen, in der Praxis nicht alle erforderlichen demographischen Daten zur Verfügung haben zu können, um in der Lage zu sein, mit absolutem Erfolg zur erforderlichen Kostenberechnung zu schreiten. Das neue Sozialversicherungsmodell muss jedoch – sei es auch nur „partiell“ erfolgreich – in seinen Kosten veranschlagt und im weiteren Verlauf verabschiedet und Gesetz des Staates werden.

Und genau da wird jeder Versicherte wahrnehmen, was ihn für die kommenden Jahre erwartet. Die meisten werden feststellen, dass die Anzahl ihrer benötigten Versicherungsjahre, um in Rente zu gehen, signifikant steigen wird, wie ebenfalls auch die Altersgrenze (sprich das gesetzliche Renteneintrittsalter). Andere werden begreifen, dass selbst dann, wenn dies eintritt und sie also schaffen werden, sich auf der Seite der Rentner einzufinden, die Rente, die sie erhalten werden, viel niedriger als die sein wird, die sie vielleicht erwarteten, erhofften und die ihnen – warum nicht – auch gebührt.

Es ist taktlos, den Begriff „Trinkgeld“ (oder „Taschengeld“) zu verwenden, wenn wir uns auf Renten beziehen, da sie sich an eine sehr „spezielle“ Kategorie von Bürgern richten, die Realität ist jedoch, dass die gezahlten Renten fortan kontinuierlich sinken werden. Die Ausbalancierung der Beiträge und Leistungen wird nur „nach unten“ erfolgen, weil es keinen Weg für das Gegenteil gibt. Das wirkliche Gesicht der heutigen Krise wird die Generation erleben, die jetzt arbeitet und produziert oder vielleicht versucht, zu arbeiten und zu produzieren, was ihnen die Arbeitslosigkeit jedoch verwehrt, und zwar noch für viele Jahre. Genauer gesagt wird sie es … mit sich schleppen, je mehr die Jahre verstreichen und je mehr sie sich der Rente nähert.

Die Fehler der letzten 30 Jahre rächen sich nun

Der Kampf ist offensichtlich ungleich. Jedoch auch so werden manche vielleicht begreifen, dass das „Schutzwölkchen“, das für die vorherigen Generationen existierte, verschwunden ist. Nun werden sie einfach die harte Realität durchleben, die sie selbst mit ihrem Wirken, mit ihrer Unterstützung, mit ihrer Stimme und selbst auch mit ihrer Toleranz in den politischen Aktivitäten der letzten fünf Jahre schufen.

Die Realität ist jedoch oft genug schmerzhaft und bringt uns dazu, eventuelle Fehler und Versäumnisse wahrzunehmen. Es ist die Stunde gekommen, dass die griechische Gesellschaft sich im „Spiegel“ betrachtet, ohne Make-Up und ohne Schminke. Ohne Ausnahmen und … diffuse Stellen. Ohne begünstigende Bestimmungen und „Bequemlichkeitszonen“. Dann wird sie vielleicht (endlich) die Fehler begreifen, die sie in den letzten 30 Jahren beging und die leider drohen, ihren Kindern eine „würdevolle“ Rente vorzuenthalten, wenn jene Stunde kommen wird.

Einen schönen Tag noch und viel Glück …

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Vasilis Angelopoulos)

  1. 13. Oktober 2015, 06:42 | #1

    Es gäbe durchaus noch Optionen, aber nicht mit dem Euro und wohl nicht in der EU. Die EU hat unmissverständlich klar gemacht, dass sie Grichenland nicht helfen will. Einige sehr harte Jahre lassen sich natürlich nicht vermeiden, aber 30 Jahre sind nur dann nötig wenn der Euro nicht aufgegeben wird. Die notwendigen Reformen werden Schäuble und Co allerdings nicht gefallen. Als Handelspartner bieten sich Russland, Iran, Türkei, China einige Balkanländer und weitere Staaten an. in Russland und China wird sowieso in einigen Jahren das Geld verdient.

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