Angst vor gesellschaftlichen Explosionen in Griechenland

27. Oktober 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.370

Die Politiken harter Austerität führen in eine Sackgasse – Beispiellose Verarmung und Explosion von Entwicklungen

Die griechische Wirtschaft erzielte in der Periode 2009 – 2015 eine in der weltweiten Geschichte beispiellose Angleichung. Der Verlust von über 25% des Einkommens „dank“ der unglaublichen Opfer des griechische Volkes verursacht Schwindel, stellt aber auch eine klare Warnung dar, dass fortan die Austeritäts-Politiken bei den jedes Mal selben gesellschaftlichen Schichten katastrophal sein werden.

Die Angaben zur Wirtschaft Griechenlands sind beeindruckend:

  1. Laut den Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) sank der persönliche Reichtum der Griechen in der Periode 2009 – 2013 um rund 17.000 Euro.
  2. Die jüngste Erhebung der Credit Suisse führt an, dass die Griechen in der Periode 2008 – 2015 fast eine halbe Billion Dollar ihres Gesamtvermögens verloren. Aus dem Preisverfall bei Immobilien, Aktien und Obligationen wurde am meisten die Mittelschicht getroffen.
  3. Das fiskalische Defizit Griechenlands liegt im Jahr 2015 bei 3,6% (des BIP), gegenüber 15,4% im Jahr 2009. Eine tatsächlich bewundernswerte, aber auch besonders schmerzhafte Angleichung. Sie zeigt jedenfalls eine Tendenz des „Aufräumens“ und der Kürzung nutzloser Ausgaben.
  4. Laut den Angaben der GSEE ist die monatliche Rente von durchschnittlich 1.350 Euro auf 833 Euro beschränkt worden.
  5. Dramatisch ist natürlich die Auswirkung der Krise auf die Arbeitslosigkeit, da sie konstant über 25% liegt, während die Jugendarbeitslosigkeit auf 49% hochgeschnellt ist.
  6. Negativ ist natürlich auch das Element der Verschuldung, die sich bei 178% des BIP befindet und (auf das BIP bezogen) die höchste Verschuldung in der EU ist.

Die Daten über die Wirtschaft zeigen, dass die Wirtschaft und die Gesellschaft an ihren Grenzen angelangt sind. Ein in Kombination mit Kürzungen bei Löhnen und Renten geplantes neues Steuergewitter wird eine gesellschaftliche Explosion herbeiführen und den Zündfunken politischer Entwicklungen darstellen, auch wenn der „Auftrag des Volkes“ (an die Regierung) noch sehr frisch ist. Wenn die griechische Regierung es in den kommenden Monaten nicht schafft, die Lage umzukehren, wird sie sich mit den stetig zunehmenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen konfrontiert sehen.

Zur selben Stunde wird der „heiße Atem“ der Gläubiger einen Nervenzusammenruch hervorrufen, da auch die offizielle Bewertung im November 2015 näher rückt. Die ersten Kontakte zeigen bereits, dass es eine große Abweichungen der Ansichten gibt, welcher Umstand für die griechische Regierung negativ wirken könnte – die entweder mit den Institutionen kollidieren wird, mit allem, was dies für die Wirtschaft impliziert, oder neue schmerzhafte Maßnahmen zur Verabschiedung bringen wird (Versicherungssystem, neuer Steuergesetzentwurf, Eingriffe auf dem öffentlichen Sektor, Versteigerungen der Hauptwohnung) und dort ihre Kräfte messen müssen.

Es wird eingeschätzt, dass der Zeitraum bis Ende des Jahres – also der kommenden 70 Tage – über die Zukunft der Wirtschaft entscheiden und politische Entwicklungen signalisieren wird.

Wohin geht es mit Griechenland?

Dies ist eine Frage, die nur einen Monat nach dem triumphalen Sieg der SYRIZA bei den Wahlen am 20 September 2015 die griechischen Bürger immer häufiger stellen. Sogar auch all jene, die bewusst Alexis Tsipras wählten und überzeugt waren, dass er die Umsetzung eines sehr harten Memorandums besser zu handhaben vermöge, fragen sich inzwischen, ob Griechenland in der Lage ist, irgendwann aus der Krise herauszukommen. Hauptsächlich wiederum, ob die Belastungsfähigkeit der griechischen Gesellschaft eine solche sein wird, dass sie der Regierung gestattet, „Atem“ zu holen und eine mehr wachstumsorientierte und weniger einschränkende Wirtschaftspolitik zu planen.

Die Fronten, denen der griechische Premierminister zu begegnen hat, sind jedoch viele, und es ist sicher, dass sehr zügig der (politische) Verschleiß eintreten wird, so sehr auch eine Bemühung zur kommunikativen Handhabung erfolgt. Das „Getöse“ um die TV-Lizenzen, die Versprechungen bezüglich der Bekämpfung der Steuerhinterziehung, der unerbittlichen Verfolgung all jener, die in „verdächtige“ Fälle wirtschaftlichen Charakters verwickelt sind, und der Stützung der sozial Schwachen zu Lasten der Vermögenden wirkt als vorläufiger „Flicken“ einer Politik, die große Schichten der Bevölkerung heimsucht.

Es gibt aber auch Befürworter der Ansicht, Griechenland habe mit der Unterzeichnung des Memorandums und mit den Wahlen einfach nur eine Nachfrist für den … Grexit erhalten. Viele befürchten also, dass die Umsetzung des Programms so wie so unmöglich ist, zumal die griechische Gesellschaft nicht weiter belastungsfähig ist. Bei den dramatischen Angaben bezüglich der öffentlichen den Einnahmen wird sogar eingeschätzt, dass die „stille“ Wut, die durch einen eigenartigen Zahlungsstopp (von den nicht Vermögenden aus verständlichen Gründen, von den Vermögenden als Protest) zum Ausdruck gebracht wird, das Land mit mathematischer Genauigkeit gegen die Wand fahren wird.

Es gibt natürlich auch Optimistischere, die einschätzen, dass die Wirtschaft aus der Krise hinausgelangen wird, nachdem die erforderlichen Züge einerseits für die Rekapitalisierung der Banken und andererseits die Vereinbarung über die Verschuldung geschehen. Bis dahin jedenfalls ist das, was beobachtet wird, eine … nationale Depression und ein stummer Protest wegen der fünfjährigen Opfer und des Fehlens von Hoffnung.

(Quelle: Imerisia, Autor: Ilias G. Mpenekos)

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  1. Ingrid
    27. Oktober 2015, 18:22 | #1

    Natuerlich muessen Steuern bezahlt werden und vieles ist in den letzten Jahrzehnten in Griechenland versaeumt worden. Aber was jetzt gerade abgeht sprengt alle Dimmensionen. Viele Kleinunternehmer muessen schliessen. Der Umsatz ist dank der Kuerzungen eingebrochen, die steigenden Kosten der Steuer und der Sozialversicherungen koennen nicht mehr erwirtschaftet werden.
    Was dann? Arbeit suchen? Wo? Es gibt keine Arbeit – also droht Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch. Das AUS fuer die Familie. UND das AUS fuer den Staat. Keine Arbeit = keine Steuern! Das sollte auch der Regierung in Griechenland, sowie Bruessel klar sein. Reformen sind dringend notwendig, allerdings nur mit Schaffung von Arbeitsplaetzen moeglich.

  2. Delta120
    27. Oktober 2015, 20:06 | #2

    Erst wenn die Griechen monatelang auf die Straßen gehen und bereit sind den Euro auf zu geben und aus der EU und Nato aus zu steigen, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Da das Tsipras und Kollegen nicht vorhaben, gibt es jetzt wieder ein nettes Schauspiel und am Ende werden die Griechen alles tun was in den Verträgen steht.

  3. Ursula Katharina Papajoannou
    28. Oktober 2015, 22:19 | #3

    Eine dermaßen schlechte Übersetzung macht doch keinen Sinn, wie die, dieses Artikels!

    • Team
      29. Oktober 2015, 00:04 | #4

      Wie wäre es, erst einmal selbst korrektes Deutsch und dann vielleicht – sei es auch unter mehr oder weniger erheblichen Abstrichen – Griechisch zu lernen? Im übrigen sind „bessere“ Übersetzungen selbstverständlich immer willkommen … !

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