Tourismus zahlt für Flüchtlingsproblem in Griechenland

15. September 2015 / Aufrufe: 3.912

Der Tourismus auf den von Immigranten überschwemmten Ägäis-Inseln Griechenlands erlitt erheblichen wirtschaftlichen Schaden, der sich bereits auch auf 2016 erstreckt.

Wegen der von der vorherigen Regierung gezeigten Unfähigkeit, das Thema der großen Immigrantenströme zu handhaben, nehmen in Griechenland die Auswirkungen auf den Tourismus auf Inseln der Ägäis – wie Lesbos und Kos – mittlerweile große Dimensionen an.

Trotz der infolge der Initiative der Übergangsregierung eingetretenen relativen Verbesserung ist der Schaden im Tourismus bereits durch die vergangenen Monate verursacht worden. Die Auswirkungen betreffen sowohl die diesjährige als auch die kommende Saison 2016, da ausländische Fluggesellschaften Flüge den betroffenen Inseln streichen und Reiseveranstalter zu Stornierungen schreiten oder die konkreten Reiseziele ganz aus ihrem Angebot nehmen.

Flugstreichungen und vorzeitige Hotelschließungen

In einem an den Finanzminister Giorgos Chouliarakis und den Minister für Wirtschaft, Seefahrt und Tourismus, Nikos Christodoulakis, gerichteten Schreiben beschreibt der Vorsitzende des Verbands der Hoteliers von Lesbos, Periklis Antoniou, detailliert die Probleme, denen der Tourismus auf der Insel begegnet, und betont, dass etliche Saison-Hotelanlagen in diesem Jahr beschlossen, 30 bis 45 Tage früher als geplant zu schließen, während auch andere ganzjährig betriebene Anlagen zu partiellen Schließungen schreiten und Aktivitäten reduzieren. Der Rückgang der Übernachtungen und Umsätze der Hotelanlagen der Insel bewegt sich nahe bei 30%.

Parallel stornieren Fluggesellschaften Flüge und ausländische Reiseveranstalter nehmen Lesbos ganz aus ihren Programmen heraus. Konkret beschloss die holländische Sundio, ihren geplanten dritten (wöchentlichen) Flug zu der Insel ab dem 03 Juli 2015 bis zum Ende der diesjährigen Saison nicht durchzuführen. Was die beiden anderen (wöchentlichen) Flüge betrifft, stellt sie diese bereits am 15 Oktober anstatt erst am 29 Oktober 2015 ein. Für 2016 betrachtet der Verband die  Präsenz der Gesellschaft als ungewiss. Die Gesellschaft Corendon, die für die gesamte Saison 2015 drei wöchentliche Flüge geplant hatte, verteilt diese nunmehr auf Ziele in Griechenland und der Türkei. Für 2016 beschloss sie bereits jetzt, die wöchentlichen Flüge auf zwei zu beschränken. Die Chartergesellschaft Transavia, die von holländischen Reiseveranstaltern ergänzend zu ihren eigenen Gesellschaften genutzt wird, beschloss die Flüge am 03 anstatt am 29 Oktober 2015 einzustellen. Thomas Cook fliegt seit Ende August 2015 mit niedrigen Auslastungen, während der schwedische Reiseveranstalter Ving mangels Nachfrage die 212-sitzige Maschine durch eine andere mit 140 Plätzen ersetzte. Ebenfalls ersetzte die dänische Spies für 2016 die 212-sitzige Maschine durch eine andere mit 189 Plätzen. Der dänische Reiseveranstalter Brava Suntours brachte wöchentlich zwei Flugzeuge auf die Insel und strich wegen der niedrigen Auslastung seit Mitte August am vergangenen Freitag die eine Maschine. Ebenfalls wird ein Veranstalter aus Finnland sein Programm für die Insel um zwei Wochen kürzen, während ein Veranstalter aus der Tschechei es völlig strich.

Kreuzfahrtschiffe streichen geplante Landungen

Was die Kreuzschifffahrt betrifft, sind wegen der schlechten Situation im Hafen bisher 5 Schiffslandungen storniert worden und bis zu den Wahlen am 20 September 2015 wird mit der Stornierung weiterer Landungen gerechnet. Der wirtschaftliche Schaden für die Insel ist auch auf diesem Sektor groß, da die (Pro-Kopf-) Ausgaben je Ankunft per Kreuzfahrtschiff auf 60 Euro veranschlagt werden. Der Verband der Hoteliers verlangt von den zuständigen Ministern, Maßnahmen zur Unterstützung der Insel zu ergreifen und fokussiert sich dabei hauptsächlich auf die Beibehaltung des heutigen MwSt.-Status für wenigsten weitere 5 Jahre.

Die Alarmglocke hat wegen der Auswirkungen auf den Tourismus als Resultat der unzulänglichen Handhabung des Immigrantenproblems auch der Verband der Hoteliers von Kos geschlagen. Auf der Insel sind für die diesjährige Saison bereits 170.000 Stornierungen verzeichnet worden, die Verluste von 7 Mio. Euro bei den Umsätzen der Hotels darstellen. Zusätzlich wird die um ein bis drei Wochen vorgezogene Schließung der Hotels in den beiden Monaten September – Oktober zur Minderung der Arbeitsplätze um 30% führen. Laut dem Verband der Hoteliers sind wegen des Immigrantenproblems Konferenzveranstaltungen verloren gegangen, während auch bei den Landungen von Kreuzfahrtschiffen ein Rückgang beobachtet wird. Stornierungen für die Saison 2016 werden auch auf Kos verzeichnet, während die ausländischen Reiseveranstalter bei den bereits unterzeichneten Verträgen nachträgliche Senkungen der Preise verlangen.

(Quelle: Kathimerini, Autor: Stathis Kousounis)

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