Griechenlands Rentensystem und der Mythos der Ausschüsse

1. September 2015 / Aufrufe: 1.389

In Griechenland wurde wieder einmal ein Ausschuss gebildet, der sich mit dem Rentensystem befasst, jedoch kaum zu einer essentiellen Lösung beitragen wird.

Wenn man ein Problem nicht lösen möchte, bildet man einen Ausschuss.“ Es handelt sich um einen alten Spruch, der in der politischen Szene Griechenlands ohne Ausnahmen bis heute gilt. Der Ausschuss diskutiert, wägt Für und Wieder ab, macht Vorschläge für die Lösung eines Problems, die politische Führung umarmt die Vorschläge als besonders signifikant … und letztendlich geschieht etwas ganz anderes.

Dies war bisher der Verlauf der Ausschüsse und es ist nicht zu erwarten, dass sich umgehend etwas zum Besseren ändern wird. Außer die Realität selbst straft uns Lügen, für welchen Fall wir vorab dem Ausschuss gratulieren würden, der es schaffen wird, sich durchzusetzen.

Lösungen werden erst kommen, wenn die Gesellschaft sich mit ihren Fehlern auseinanderzusetzen beginnen wird

Anlass für den Prolog über „Ausschüsse“ ist der neu gegründete, der sich mit dem Versicherungssystem befasst. Seine Mitglieder sind ausgezeichnet. Die Absichten der Führung sind ebenfalls gutmütig. Jedoch erklärte niemand aus dem Arbeitsministerium uns, wie die Gläubiger überzeugt werden sollen, die wie auch immer gearteten Vorschläge des Ausschusses zu akzeptieren, wo doch die grundlegenden Achsen des neuen Versicherungsgesetzes bereits ratifiziert worden sind.

Ob sie eine neue Idee, einen Gegenvorschlag für das Versicherungssystem „verkaufen“, nicht zuletzt auch angesichts der Wahlen Eindruck schinden wollen, kein Problem. Hinsichtlich der Essenz erscheint es jedoch reichlich schwierig, dass jemand die Vorschläge eines Ausschusses ernst nimmt, dem nicht einmal eine versicherungsmathematische Studie zur Verfügung steht um seine Positionen zu stützen. Es ist sehr gut, dass von einem neuen, tragfähigen Versicherungssystem gesprochen wird, das Bedingungen der Würde für die Rentner umsetzen wird, in der Praxis ist so etwas jedoch wohl unmöglich.

Außerdem gibt es zehntausende Rentner, die wenigstens in den letzten 20 Jahren „wohltätige“ Bestimmungen des Versicherungssystems in Anspruch genommen haben, ohne die entsprechenden Versicherungsbeiträge entrichtet zu haben. All diesen Rentner kann das neue Versicherungssystem natürlich nichts anhaben, folglich bleibt die Ungerechtigkeit gegenüber den nächsten Generationen erhalten. Sie wird sogar von Jahr zu Jahr aufgebläht, da die jungen Arbeitnehmer fortan immer mehr zu arbeiten haben werden, damit auch sie – wie ihre Vorgänger – in Rente gehen können. Ebenfalls werden sie immer geringere Renten erhalten, die umgekehrt analog zu den Arbeitsjahren sind, die sie in das System einbrachten. Ein System, das darin fortfahren wird, sie ungerecht zu behandeln, weil es in der Vergangenheit ganz offensichtlich gewisse andere begünstigte.

Folglich sollten wir nicht von Ausschüssen erwarten, Lösungen zu geben. Diese werden nur kommen, wenn die Gesellschaft beschließt, sich mit ihren Fehlern auseinanderzusetzen. Etwas solches geschieht jedoch leider nicht, und so kommt irgend eine … Troika, um Renten und die Anrechte aus Jahrzehnten mit dem Messer zu kappen.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Vasilis Angelopoulos)

  1. GR-Block
    1. September 2015, 02:54 | #1

    Dummes Geschwätz! Nach dem Motto: erst muss man die Gesellschaft ändern … kann jeglicher politische Neuanfang torpediert werden. Nein! Erst muss die Legislative aktiv werden, in Ausschüssen. Dann muss sie Gesetze ändern und die Judikative darauf reagieren. Erst wenn das System sich ändert, dann wird die Gesellschaft ganz langsam folgen. Ansonsten sollte man sich den teuren Verwaltungsapparat sparen und die Anarchie propagieren. Denn die regelt alles. Auch die Karrieren von Dummschwätzern a la Pangalos („wir alle haben’s ausgegeben, wir alle müssen es bezahlen“).

  2. Heinz
    1. September 2015, 15:52 | #2

    Was nützen die besten Gesetze, die besten Vorhaben, wenn die Kontrolle nicht vorgenommen wird. Das ist ja auch der Punkt, weshalb immer noch viele Selbständige glauben, dass alles nicht ganz so schlimm werden wird. Das war bisher der Standard. Erst wenn Executive und Legislative sauber funktionieren kann alles in die richtige Richtung laufen.

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