Griechenland ist wieder auf der Intensivstation

12. September 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.019

Albtraum-Szenarien für die Wirtschaft Griechenlands prognostizieren einen erneuten Absturz in die Rezession und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 28 Prozent.

Reuters betont in einer Analyse, dass Deflation, Schrumpfung der Industrieproduktion und ein neues hartes Memorandum, das umgesetzt werden muss, die Wirtschaft Griechenlands einen Atemzug vor den Wahlen am 20 September 2015 erneut in einen „Erdrutsch“ führen.

Die internationale Nachrichtenagentur schätzt ein, der Ausgang des Wahlkampfes sei ambivalenter denn je, wobei die Herren Tsipras und Meimarakis die beiden zentralen Matadore darstellen, welche die Wähler zu überzeugen versuchen, die ihrerseits wiederum von der wirtschaftlichen Krise ausgemergelt sind. Wie besagter Artikel charakteristisch anführt, sind in Griechenland selbst diejenigen, die das Glück haben, noch eine Arbeit zu haben, im Vergleich zu 2001 inzwischen erheblich ärmer.

Anhaltende Rezession auch 2016 und 28% Arbeitslosigkeit

Während die Wahlkampfkampagne sich ihrem Höhepunkt nähert, vermehren sich erneut die Sorgen, dass die griechische Wirtschaft nach einer kleinen Periode des Aufschwungs und Jahren einer kontinuierlichen Rezession erneut auf die Felsen zusteuert. Laut Reuters sind die Zahlen entmutigend und bringen die Wirtschaft des Landes erneut auf die Intensivstation. Sich auf Prognosen des Instituts für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) berufend betont Reuters, die Wirtschaft Griechenlands werde 2015 eine Rezession der Größenordnung von 2% verzeichnen, während die Arbeitslosigkeit auf 28% „hochschießen“ wird.

Die griechische Wirtschaft wird 2015 eine Rezession von etwas unter 2% verzeichnen„, erklärte gegenüber Reuters charakteristisch der Bekannte Ökonom des IOBE, Angelos Tsakanikas, nach der Bekanntgabe der Daten über einen Rückgang der Industrieproduktion in den Monaten Juli und August 2015. „Es gibt keinerlei Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen„, fügt Her Tsakanikas an und sieht sogar voraus, dass die Arbeitslosigkeit auf 28% ansteigen wird. Parallel rechnet er damit, dass die Wirtschaft nach einem kleinen Aufschwung im 3. Quartal 2015 im 4. Quartal 2015 erneut schrumpfen wird, während für 2016 ein breiterer Rückgang prognostiziert wird.

Entwicklungen froren jede Aussicht auf ausländische Investitionen ein

Trotz der logischen Beunruhigung wird die Wirtschaft in dieser Wahlkampfperiode als politische Hauptwaffe genutzt, betont Reuters. Und all dies, während bei den Demoskopien der Unterschied zwischen SYRIZA und Nea Dimokratia (ND) der dermaßen klein ist, dass er die Grenzen des statistischen Fehlers tangiert. Inmitten dieses albtraumhaften Szenariums haben die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate die Aussichten auf wie auch immer geartete ausländische Investitionen völlig eingefroren, führt Reuters in einem anderen Artikel an.

Eine speziellere Anmerkung erfolgt dennoch zu dem Bild, das die griechischen Anleihen zeigen: Die 10-Jahres-Anleihe ist bei 8,54% angekommen. Es handelt sich um eine völlige Umkehr, wenn man bedenkt, was vor zwei Monaten stattfand: „Damals war von der Kleinpolitik der SYRIZA gegenüber den europäischen Gläubigern eine Welle verursacht worden, die zum Resultat hatte, dass die konkrete Anleihe im vergangenen Juli (2015) bei 19% angelangte„, lautet es in dem Artikel. Wie angeführt wird, erachten gewisse strategische Investoren, die Aussicht auf eine große Koalition oder die Rückkehr der ND an die Regierung könnte der auf den Anleihenmärkten verzeichnete Rally der griechischen Titel einen weiteren Impuls verschaffen.

Schließlich betonen Analysten, dass analog zu dem Bild, das Griechenland nach den Wahlen des 20 September 2015 präsentieren wird, und spezieller der Haltung, welche die SYRIZA entweder unter Beteiligung an einer Regierung oder als Opposition beibehalten wird, nicht ausgeschlossen ist, sogar auch Frankreich zu sehen, fortan die deutschen Positionen gegenüber Griechenland zu adoptieren.

(Quelle: Imerisia)

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